Thailand 2013

Arbeitet man im touristischen Bereich, sollte man nützlicher weise Erfahrungen über die Befindlichkeiten von Touristen besitzen. Nichts ersetzt die eigene Erfahrung und somit ist Urlaubszeit auch Arbeitszeit. Ziel ist es ja, das Gute weiter zu entwickeln und das Schlechte unbedingt vermeiden.
Ist man in der Lage sich in die Psyche des Zielsubjektes „Tourist“ hineinzuversetzen und hat selber schon etliche Höhen und Tiefen hinter sich gebracht, kann man von vorne herein vieles besser machen, frei nach dem Anglerlatein „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“.
Zur Geschmacksprobe eignet sich Thailand aus georgischer Sicht z.B. besser als ein Trip zum Nordkap und so gab es nicht viel zu überlegen.
Es gibt viele Parallelen in der Gesellschaft und in der Einstellung der Menschen zum Leben in beiden Ländern.

Also auf nach Thailand.
Will man von Batumi irgendwohin in diese Welt, dann führen fast alle Wege über Istanbul. Im Sommer 6 und im Winter 4 Mal pro Woche. Immer um 18.05 Uhr, wenn dann der Flieger auf dem Zweistundenflug von Istanbul nach Batumi nicht schon häufig mit Verspätung ankommt.
Batumi ist weit vorne, denn wir haben einen Internationalen Airport.Klein und überschaubar, ja beschaulich und mit den internationalen Drehkreuzen nun gar nicht zu vergleichen. Wie auch im Zahlungsverkehr. Es ist wohl einer der ganz wenigen Flughäfen weltweit, die nur inländische Währung an den Bistros akzeptieren.
Das “international“ in der Namensgebung bedeutet lediglich, dass hier auch Flugbewegungen über die Grenzen Georgiens hinaus stattfinden, und weil es so eine Art georgisch – türkischer Familienflugplatz ist. Die Menschen im Nordosten der Türken, die nach Istanbul fliegen wollen, wählen zwischen Trabzon und Batumi. Von oder nach Trabzon ist sicherlich unkomplizierter, weil es ein Inlandflug ist und meistens noch preiswerter, aber es werden Abflug- und Ankunftszeiten und Anfahrtswege einkalkuliert, so dass jeder für sich optimal entscheidet.
Für die Internationalität spricht auch, dass der Airport von TAV einer türkischen Ground Service Company gemanagt wird. Es steht zwar noch nichts geschrieben und es hat sich nach Manageraussage auch nichts verändert, aber die Gesellschaft ist vor einiger Zeit schon an einen französischen Investor verkauft worden.

In Istanbul ist es mit der Beschaulichkeit dann aber schlagartig vorbei.
Der Flughafen Atatürk ist ganz einfach nur überbelastet. Man könnte glauben, die gesamte Menschheit trifft sich hier. Deshalb soll ein weiterer Flughafen dort in Stadtnähe gebaut werden. Bis 2016 soll er fertig sein.
Bisher ist noch nichts Erdbewegendes passiert. Macht aber auch nichts, denn in der Türkei gibt es keine Planfeststellungsverfahren. Wenn die Regierung etwas für wichtig erachtet, wird es gebaut. Und es wird auch fertig. Eher wahrscheinlich als Berlin – Brandenburg, Stuttgart oder die Elbphilarmonie.
Sollte ein Vogel oder ein Frosch dort wohnen, muss er umziehen. Ich erinnere mich an früher, als ganze Dörfer um Bitterfeld oder in der Lausitz wegen Braunkohlentagebauen umziehen mussten. Die Menschen. Die Häuser fielen ganz einfach in die Grube als Abraum.

Irgendwie vergingen die sieben Stunden zwischen der Ankunft aus Batumi und dem Boarding nach Bangkok. Alle waren an Bord, aber dann ging es doch noch nicht los, weil erst einmal zwei junge Frauen neben mir auf den hinteren Plätzen wieder aus dem Flugzeug entfernt werden sollten. Warum weiß ich nicht und die beiden dachten gar nicht daran wieder auszusteigen. Es war mit viel Heulen und Schreien, dem sich abwechselnden hilflosen und offensichtlich unprofessionellen Auftritt von mehreren wichtigen Persönlichkeiten, einem Polizisten und einem Sicherheitsmenschen, ausgerüstet mit Kabelbindern für die Fixierung der Unwilligen, verbunden. Was der Polizist machen sollte, wusste er wohl selber nicht. Wenn ich die Sache so richtig sehe, haben die Passagiere mit dem Ausreisestempel im Pass das Land verlassen und somit den Aktionsbereich der Polizeigewalt. Aber das ist Völkerrecht und das ist genau so kompliziert wie alle anderen Rechte. Nach fast einer Stunde nahm das Spektakel über eine eigens an die Hecktür herangefahrene Gangway dann ein zwangsweise freiwilliges Ende. Auf jeden Fall war damit die Verspätung fixiert.

Der Flug dann war bis auf einige erhebliche Turbulenzen unaufgeregt und in Thailand war dann der Transfer nach Pattaya bis in das Hotel wegen der servicefreundlichen Verkehrsgesellschaften wie immer problemlos. Am Airport bucht man unter Angabe seines Hotels, falls man eins hat, sein Ticket mit Platzreservierung und fährt mit einem komfortablen Reisebus bis zum Busterminal. Dort stehen Minibusse mit den Hotelnamen an der Windschutzscheibe, die dann jeden in sein gewünschtes Hotel bringen.
Das gebuchte Hotel, das „Sunshine Garden Resort“ stimmt mit den Internetbeschreibungen, wenn man denn berücksichtigt, dass diese wie schon erwähnt, lyrisch und mit Photoshop aufgepeppt wurden, ziemlich überein und ist auch soweit schön.

Der Eingang sieht ja schon mal gut aus - im Internet schön gemacht

Die Wirklichkeit - auch nicht schlecht!

Es ist ein riesiges Areal wo man Mühe hat, das Hotel zu entdecken. Die nur zweistöckigen und schmalen Gebäude sind U-förmig angelegt und verschwinden hinter dem herrlichen exotischen Baumbestand. Den Mittelpunkt bildet ein gepflegter Pool.

Ich hatte mich ja im Vorfeld dazu entschieden, ein „besseres“, also gerne auch teureres Haus zu  nehmen.
Allerdings unterscheidet sich meins in der Ausstattung nicht gravierend von den Hotels, die ich bisher immer zum etwa halben Preis oder weniger gebucht hatte. Insofern lohnt es sich nicht, mehr als 30 Euro pro Nacht auszugeben. Die Hütten sind alle abgewohnt und renovierungsbedürftig. Was kaputt ist, bleibt kaputt, wenn es nicht lebenswichtig ist. Die Einrichtung ist überall handgeschnitzt, Fenster und Türen wie aus dem Kinderbaukasten und die Badeinrichtung spartanisch. Keine Dekoration, dafür aber ein Safe, wo auch endlich einmal ein Notebook und noch mehr mühelos hineinpassen. Woanders ist Internet im Preis inbegriffen. Hier überteuert und noch dazu im Schneckentempo.

Ein deutscher Kenner der Szene, der schon über 20 Jahre mit einer Thai verheiratet ist, sagte, die Hotels werden gebaut, 20 Jahre betrieben, in denen nichts gemacht wird und dann abgerissen und neu gebaut. Ob das nun immer so stimmt, sei dahingestellt, aber ganz realitätsfremd ist es nicht.

Der Service im Hotel passt leider nicht ganz zum aufgerufenen Preis. Freundlich sind alle durchweg. Ganz im Gegenteil zu den Internetbewertungen, wo sich die Schreiber immer wieder über Unfreundlichkeit und Sprachprobleme auslassen. Die Thailänder sind freundlich, auch wenn sie kein karnevalistisches Lachen und Verhalten an den Tag legen und die die Sprachstörungen liegen nach meinen Beobachtungen oft auch zur Hälfte auf deutscher Seite begründet.

Ähnlich wie in Georgien, und in mancher Beziehung kann man Deutschland getrost schon einmal einschließen, mangelt es beim Service hier an ausgebildetem Personal.
Anleitung, Kontrolle und Vorbildwirkung des Managements fehlen wohl gänzlich, wenn es um die „Software“, also das Personal geht.
Ein kleiner Seitenblick in die Arbeitsweise: Die Zubereitung eines Fruchtmixgetränkes erfährt seine individuelle Vollendung durch den Geschmackstest, indem ein Löffel dann gerne schon zwei-dreimal in den Blender getaucht und abgeleckt wird. Immer derselbe Löffel natürlich.
Wir lernen noch.

Der „Hardware“ wird allerdings maximale Aufmerksamkeit gewidmet. Kameras wo man sie nie vermutet hätte, ein Papierkrieg beim Verkauf einer Flasche Cola oder Austausch einer Klopapierrolle, der selbst uns akkurate Deutsche erstaunen lässt, und was parallel natürlich noch elektronisch erfasst wird. Das Geld geht immer durch zwei Hände, von Kameras überwacht. Extrem gesehen, und um bei der Klopapierrolle zu bleiben, werden die vom Lagerhalter ausgegebenen Rollen in Metern oder Abrissen mit dem Inhalt der neben jedem WC stehenden Abfallbehälter für das benutzte Papier verglichen. Und wehe da fehlt was. Die Verlockung ist groß, weil das gleiche Produkt auch zu Hause und selbst in Restaurants als Serviette benutzt wird. Die Fehlerquote ist wieder einmal auf den Gast zurückzuführen. Auf den europäischen Gast. Der sich nicht daran hält, das Papier nach Benutzung  in die eigens vorgesehenen Abfallbehälter zu werfen und es stattdessen einfach mit runterspült.

Das Servicedilemma ist auch beim Frühstücksbüfett zu erleben. Selbstbedienung. Klar, das ist ja der Sinn des Büfetts und man deckt sich mit den Speisen und Zutaten seiner Wahl ein. Sofern noch vorhanden.
In  einem Ferienhotel wird Frühstück von 7 bis 10 Uhr vorgehalten. Wer geht um sieben schon hin? Und diejenigen, die in Auswirkung des hier aus interkulturellen Gründen etwas mehr in die Nacht verschobenen Tages dann „normal“ aufwachen, können aber auch getrost gleich liegen bleiben. Ab neun Uhr wird der Nachschub sowieso schon reduziert, und die Stühle werden hochgeklappt.
Eigentlich so eine gute Geschäftsidee, um den profitzehrenden Wareneinsatz zu reduzieren. Schlittenverkauf im Hochsommer. Wenn da nicht so einige renitente Deutsche oder Postsowjetbürger wären, die tatsächlich schon um neun am Pool liegen und vorher das Frühstück in Anspruch genommen haben.

Eigentlich wäre der self-service mit dem Beschaffen der Speisen beendet. Aber bei der Tischauswahl geht das Problem los. Entweder ist der noch in dem Zustand wie von den Vorgängern verlassen, oder schon abgedeckt und nur nicht abgewischt und mit Tasse, Besteck und Menagen neu bestückt. Also heißt es selber Hand anlegen und den Müll einfach einen Tisch weiter umlagern. Im Serviceschrank kennt sich der Gast inzwischen aus und findet Besteck und Zubehör. Bei etwas Glück ist in der Kaffee- und Teestation noch etwas in der Kanne.Wenn man dann alles zusammen hat, taucht auch mal eine Bedienung auf, die sich freut, dass ihr jemand die Arbeit abgenommen hat. Nicht weil sie faul ist. Nein. Sie ist für 20 Tische ganz alleine da. Und nicht nur dafür. Sie muss auch noch den Nachschub an Besteck, Kaffeegeschirr und den anderen Tischutensilien heranschaffen und den Abraum beseitigen.
Ich habe ihr mal ein wenig Mut gemacht und erklärt, dass es unmöglich ist, was man hier veranstaltet und sie und alle ihre Kollegen die Leidtragenden sind, weil der Gast gerne die Schuld dem am nächsten Stehenden gibt. Das verbreitete sich wie ein Lauffeuer und der Farang, der Ausländer, wie hier die Touristen genannt werden, wird seitdem von allen Kellnerinnen und Kellnern mit Extraaufmerksamkeit bedacht.

Etwas anders ist der Poolservice gelagert. Dem fehlt eindeutig der Antrieb. Die lungern zu dritt am Tresen herum und warten, dass mal ein Badegast wegen eines Getränkes vorspricht.
Wenn dieser dann Zeit findet. Dort am Pool treffen beispielsweise pensionierte bayrische Beamte in Badehosen aufeinander, die den echten Lederhosen im Detail nachempfundenen sind, um sich auszutauschen, welche Rechte und Vorteile man noch in Anspruch nehmen könnte und wie man früher kraft seiner Wassersuppe den Zuständigkeitsbereich regiert hat. Jedes dritte Wort ist Beamter und Recht haben.
Oder ein paar von meinen Ossimitbürgern geben ihre Erfahrungen weiter, wo es Bratwurst und Bouletten oder Eisbein für 110 Baht, also knapp 3 Euro, gibt, und wo was am billigsten ist. Sie kaufen wie ich immer noch in der Kaufhalle ein und sprechen gerne von den Arbeitskollegen. Eigentlich ein weißer Schimmel.

Und da haben wir die Glücklichmacher: Bouletten aus irgendwas, Bratwürste, eine Art Knacker, weiche zahnarztfreundliche Brötchen und die kalt gewordenen Bratkartoffeln. Na dann guten Appetit! Thailand sorgt sich um die Imbiss-Süchtigen.

Wo soll der Servicegedanke auch herkommen? Aufgewachsen sind die Servicekräfte in aller Regel in Verhältnissen, die sich der europäische Gast gar nicht vorstellen kann, wenn er nicht schon mal eine kleine Rundreise im Land unternommen hat. Die Tischsitten, falls dort zu Hause überhaupt ein Tisch vorhanden ist, unterscheiden sich grundlegend.
Sechs Schuljahre, davon bestimmt viel Zeit mit Lernstoff in Religion und Geschichte der Monarchie verplempert, bringen wenigstens etwas, aber nichts Ausreichendes für das Leben.
So werden die armen Fast-noch-Kinder dann in die gastronomische Materie mittels “learning by doing” eingeführt. Was sie nicht an Wissen mitbringen, kompensieren sie meistens mit Freundlichkeit und Herzlichkeit. Es scheint niemanden zu interessieren, dass man den sicherlich lernwilligen und –fähigen Mitarbeitern Vieles  auf einfachem Wege beibringen könnte. Ein Mensch, der wie ein Chef aussieht oder sich benimmt, ist mir hier noch nicht über den Weg gelaufen. Es läuft ja auch so. Hauptsache, die Kohle stimmt.
Es erinnert mich an den georgischen Service, der auf ähnlichen Strukturen aufbaut.

Wenn man das alles weiß, dann beschwert man sich auch nicht. Die Leute können es einfach nicht besser wissen und somit auch nicht besser tun. Außerdem immer schön das Preis – Leistungsverhältnis im Auge behalten. Es gibt viel Leistung für wenig Preis. Diese Art Luxusprobleme fallen im Hinblick auf alle sonstigen tausend Annehmlichkeiten, die das Land des Lächelns bietet, überhaupt nicht ins Gewicht. Sie beeinträchtigen die weiteren Reiseplanungen, weder meine noch die der meisten anderen Touristen, schon gar nicht. Der überwiegende Teil der Touristen macht nämlich ebenfalls einen sehr zufriedenen Eindruck.
Bis auf ein paar Irrläufer, die sehen das anders.
So ein deutsches Ehepaar. Flüchtiger erster Eindruck: Er Typ Erster Lagerverwalter Abteilung Schrauben Rechtsgewinde ISO M6 bis M12 Sechskantkopf; sie entweder Typ Hausfrau oder pensionierte Unterstufenlehrerin.
Während der Fahrt im Songtaw (bedeutet Zweibanktaxi und ist ein Pickup mit zwei Längsbänken) im abendlichen besonders dichten Stau, und als mal wieder überhaupt nichts vorangeht, fragt sie sich ganz empört wie DIE denn hier Geld verdienen wollen, wenn sie nicht schneller fahren. Er konnte der fundamentalen Feststellung der Gattin beipflichten und sie auf eine soeben ausgestiegene attraktive norwegische Blondine hinweisen und fragend feststellen, wie DIE sich zurechtgemacht hatte.
Beide hätten besser in den Harz fahren sollen. Westharz natürlich.

Ich jedenfalls schätze hier die freundlichen und hilfsbereiten Menschen, schönstes Wetter, exotische Speisen, Früchte und Säfte Natur pur. Überall Blütenpracht. Es gibt alles zu kaufen, selbst was es nicht gibt.
Und es wird alles Erdenkliche für Leib und Seele getan.
Zum Beispiel die Massagen. Es gibt mindestens so viele Masseurinnen und Masseure wie Pattaya Einwohner hat. Fast mindestens genauso viele sind es eigentlich streng genommen gar nicht. Sie sind in diesen, eigentlich Staatsexamensberuf, wenn überhaupt, nur auf Schmalspur eingewiesen oder haben sich das von denen, die es schon tun, abgeschaut. Jeder zweite Laden ist ein Massagesalon und dann gibt es noch ganze Paläste davon. Und den Strand nicht zu vergessen, da kommen auf 100 Quadratmeter auch mindestens 2 Frauen, die die Badegäste durchwalken möchten. Nicht so öffentlich und schlecht zu zählen sind natürlich die Räumlichkeiten ohne Schaufenster, von denen es wegen anhaltender Nachfrage auch zahllose gibt. Das Massagespektrum reicht über den ganzen Körper oder die Einzelteile. Das Personal erfasst beide Geschlechter, wobei die Damen überwiegen, und wird zweckgebunden eingesetzt, bzw. bringt sich selber ein.
So gibt es dann die Gruppenmassagen für die mit Bussen zugeführten Reisegruppen aus Ost und Fernost. Die werden zügig ohne große Umzugszeremonie, also eigentlich wie sie gekommen sind, hinter großen Schaufenstern als Lockmodelle massiert. Insbesondere ist das die beliebteste Methode bei der Fußreflexzonenmassage.
Die normale sogenannte Thai-Massage mit vollem Knochen- und Muskeleinsatz auf beiden Seiten, ist dann schon mal etwas freizügiger. Da bleibt nur der Bikini oder die Unterhose an und findet meistens auch in kleineren Kollektiven und halbtransparent statt.
Man sollte vor dem fragwürdigen Genuss einer solchen Massage vorsichtshalber mal bei Eckart von Hirschhausen “Die Leber wächst mit ihren Aufgaben” unter “Kopfschmerz” nachlesen, was dabei alles so passieren kann.
Die Ölmassage wird dann regulär unbekleidet ausgeführt, wenn nicht traditionelle Gründe dagegenstehen. Meine georgischen Mitbürger, oder wie ich es bei den Türken im türkischen Bad erlebt habe, werden auch dann auf dem Verbleib des letzten Stück Stoffs beharren.
Egal welche Behandlung gewählt wurde, kann diese individuell gestaltet werden. Man entscheidet: Masseurin oder Masseur, jung oder alt, Saal oder Privatraum, Kopf oder Fuß oder von Kopf bis Fuß, trocken oder Öl, soft bis strong, mit oder ohne Schamhüllen oder bekundet sonstige Extrawünsche. Abhängig vom Etablissement werden die Glieder auf Wunsch weich und geschmeidig massiert oder auch nicht. Diese Sonderwünsche sind auf den Displays allerdings nicht vermerkt oder im Kassensystem erfasst. Das ist dann VHS.

Seit dem ich früher einmal durch Zufall die Massage durch blinde Menschen entdeckt hatte, gehe seit dem am liebsten zu den Blinden, die mangels anderer Voraussetzungen zu Masseuren ausgebildet wurden. Mit ihrem hervorragenden Tastsinn finden sie auch im Dunklen die Stellen, die es nötig haben oder zur Entspannung beitragen. Außerdem haben sie ihren Job halbwegs ordentlich gelernt. Sie leben und arbeiten hier alle in zwei verschiedenen Blindeninstituten und führen die gängigen Massagen aus. So ist ihnen ein relativ bescheidenes aber sicheres Leben möglich und sie haben stets und ständig Hilfe und Versorgung um sich herum. Die Ölmassage dort ist angenehm und hinterlässt einen entspannten und gut durchbluteten Körper. Man fühlt sich immer ein bisschen neuer als vorher.

Dank der vielen Touristen aus Russland und einigen anderen ehemaligen föderativen Sowjetrepubliken ist das Einkaufen von Bekleidung für mich erleichtert worden. War das früher ein Krampf. Die schönsten Hemden, die ich als Hemdenfetischist gerne angezogen hätte, waren ungeeignet, weil die Ärmel den Ärmchen der Thais angepasst waren und wenn schon mal ausnahmsweise die Bauchweite stimmte, dann war das Hemd zu kurz und der Bauch wieder frei. Der Bergwerksarbeiter aus dem Ural oder aus dem Donezkbecken, der Stahlschmied aus Magnitogorsk, der Türsteher eines Edelbordells oder Bodygard eines Oligarchen passten jedenfalls auch nicht in solche Hemden. Als immer mehr Kunden mit diesen Konfektionsgrößen auftauchten, passte man endlich das Sortiment an, um nicht umsonst den Laden oder Stand zu öffnen.

Gut bis 5XL ist der Sprung vielleicht doch zu groß für mich

Und noch etwas hat sich unheimlich positiv entwickelt. Früher hatte man Probleme, die lästigen Händler, die sich immer wieder in den Weg stellten und einem alles aufschwatzen wollten, was die Welt nicht braucht, abzuwimmeln. Da ist ein Paradigmenwechsel eingetreten.
Thailands freie Bürger sind mit Handys, Tablett-PC, iPhones, iPads und Samsungs, Spielkonsolen, Notbooks und was es sonst alles an den modernen Seeligmachern gibt, flächendeckend und über alle Bevölkerungsschichten versorgt. Alle, auch jeder kleine Straßenhändler oder Ladenhüter, Wachmann, Kellner, Polizist und Kleingewerbetreibende hat so ein Teil permanent im Anschlag. Natürlich mit den Ohrstöpseln verbunden, die beim Gespräch nicht extra rausgenommen werden.

Der Wachmann hat mit Sicherheit keinen Nerv für die Sicherheit frei. Eine halbe Stunde hat er nicht einmal den Blick von seinem Teil abgewendet.

Das führt zu dem glücklichen Umstand, dass sie gar keine Auge und Ohr für die Vorbeiziehenden Touristenströme haben und potenzielle Kundschaft, die wirklich etwas erstehen möchte, muss erst einmal nachdrücklich  auf sich aufmerksam machen.
Verstärkt wird die Zurückhaltung noch dadurch, dass ständig gegessen wird. Natürlich gleichzeitig. Tausende fliegende Garküchen bringen immer und überall Speisen an jeden beliebigen Ort. Verhungern braucht keiner, obwohl es viel Elend gibt.

Falls ich noch einmal nach Antalya komme, was nicht auszuschließen ist, hoffe ich für die türkischen Mitbürger, dass sie ebenfalls voll technisiert sind und ihnen die laut Straßenhändlerbibel einführende Sinnlosfloskel: „Hallo mein Herr, ich habe da mal eine Frage!“ im Halse stecken bleibt.

Nach zwei Wochen oberschmackhaftem Thaifood war ich gestern beim Japaner. In der „Fuji“ – Kette. Japanisches Essen gehörte hier in Thailand schon immer zu meinen Favoriten. Deutsche, Franzosen, Schweizer und Österreicher glauben ja immer noch, wir sind die schönsten und besten Köche. An der Qualität und dem internationalen Rang dieser Küchen zweifelt ja auch kein Mensch. Aber was die Japaner auf den Tisch bringen, steht nach meinem Dafürhalten auf gleicher Stufe. Bloß davon wird nicht viel gesprochen. Soviel Frische, soviel Kreativität in der Rezeptur und filigrane Kunst in der Anrichteweise lassen eigentlich keine Wünsche offen.

7,50 Euro mit dem köstlichen Fruchtgetränk.

Da soll mal einer meckern.

Eventuell bei dem deutschen Gast, den ich letztens in einem „deutschen“ Restaurant in der Nähe meines Hotels beim Essen beobachtete.
In das Lokal gehe ich wegen des freien und schnellen Internets manchmal. Trotz des lausigen Fassbieres, und die ebenfalls angebotene Thaiküche zeichnet sich durch absolute Geschmackslosigkeit aus. In Rücksicht auf das Publikum, welches sich im Urlaub wie zu Hause fühlen möchte.
Was der gute Mann aß, war keine Spezialanfertigung, ich fand es so in der Karte. Es war ein Stück gebratenes Beef, mit gedämpften Mischgemüse und Salzkartoffeln. Ohne Sauce, Heinz Ketchup stand ja im Menagenbehälter. Er sagte auch noch, es hätte geschmeckt!
Das ist dann asiatische Küche mit deutschen Impressionen in Kombination mit dem American Lifestyle. Umgekehrt konnten sich unsere deutsche Spitzenküche zu fernöstlichen Geschmacksfeuerwerken hinreißen lassen.
Currywurst!
Soll demnächst bei McDonalds oder Burger King Einzug halten. Dann aber mindestens mit der Sauce von Uncle Heinz.

Passend zur pseudodeutschen Atmosphäre wird der Gast über die Straße von einem abgehalfterten reindeutschen Discjockey mit wunderschön dämlichen Überleitungen zwischen den Uralttiteln wie „Marmor, Stein und Eisen bricht“, „Rosamunde“, „Kleiner Gartenzwerg“ und weiteren dieser Stücke berieselt. Wahrscheinlich hat er auf dem Flohmarkt den CD-Koffer gekauft, der einem meiner Diskotheker 1992 im Landgasthaus Brüsewitz während des Abbaus geklaut worden sein soll.

Auf dem Rückweg passierte ich noch eine Thai Bar Beer (kein Schreibfehler) in der eine Truppe Karnevalisten wahrscheinlich den geknackten Jeckenpott auf den Kopf haute. Bei 30 Grad im Schatten, rheinischen Karnevalsvolksliedern und mit Teufelshörnchen auf dem Kopf. Die eigenen Muttis waren mit angereist aber auch für die Junggesellen war gesorgt. Die in der Bar tätigen Prostituierten mischten kräftig mit.

Alle Annehmlichkeiten sind zu erschwinglichen, manchmal unverständlich niedrigen Preisen, zu haben, die jedoch von den zahlungskräftigen und überall präsenten russischen Touristen mehr und mehr verdorben werden.
Die schmeißen immer und überall mit dem Geld oder umgerubelten ehemaligem Volkseigentum nur so um sich.
Für das Reiseland ist das nun erst mal kein Schaden.
Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung über das Verhalten russischer Touristen und deren Stigmatisierung, muss ich trotz meiner nicht angeborenen oder anerzogenen Liebe oder sonstigen Affinität zur Sowjetunion feststellen, das stimmt so pauschal nicht.

Ich habe sie immer wieder ziemlich angepasst erlebt. Das eigentliche Problem scheint zu sein, dass die Russen fast ausschließlich immer und überall in Gruppen oder Großfamilien aufschlagen. Damit wird es plötzlich wegen der üppigen Körperfülle der meisten Damen und Herren eng und voll, und es  ist natürlich sofort mit Unruhe verbunden, ohne dass sie dabei aus der Rolle fallen. Und diejenigen, die es bis ins Ausland schaffen, sind in der Regel gut gebildet und haben normale Umgangsformen. Der Nachwuchs hat sich offensichtlich von der kalorienreichen russischen Küche entfernt und so kommt Hoffnung auf, dass es demnächst dann nicht mehr gleich so voll wird.
Ich habe da ganz andere Leute in meiner Gastronomievergangenheit erlebt. Ein paar Rheinländer oder Sachsen im Päckchen oder ungefragt Vereinslieder krakelende Kegelklubs können wesentlich mehr nerven als ein ganzer Russenbus.
Und von wegen, die sind immer nur besoffen!  Klar hat jeder schon mal besoffene Russen erlebt. Bestimmt aber auch genau so viele Deutsche oder andere Nationalitäten. Hier sogar die streng gläubigen Araber, die sich dem Teufel Alkohol hingeben. Allah ist fern.
Die Russen trinken nicht unbedingt mehr als Deutsche, Nordeuropäer oder Briten. Und wenn, dann  vertragen sie erheblich mehr, weil sie entsprechend „unterfüttern“.

Die neue georgische Regierung unter Führung des „Georgischen Traums“ beabsichtigt ja, das Verhältnis zu Russland zu entspannen und somit Handel und Wandel und somit den Tourismus aus diesem Quellenmarkt wiederzubeleben.
Im Rennen um die Gunst der Touristen starten Thailand aus der Poolposition und Georgien irgendwo auf den hinteren Plätzen. Die Infrastruktur, das Angebot russischer und internationaler Küche und das Einkaufsparadies, was hier über Jahre gewachsen und gediehen ist und immer weiter gedeiht, können wir in Georgien auf absehbare Zeit bis auf Hinweisschilder in russischer Sprache nicht bieten.

Somit wird der erhoffte Touristenboom aus Russland wohl eher ein georgischer Traum bleiben.
Die Thais haben sich dem Gästekreis gut angepasst und sind oftmals kaum noch  in der Lage, Englisch zu verstehen oder zu sprechen. Russisch ist in. Da sind wird Beitrittsbundesbürger klar im Vorteil. Der Absolvent einer polytechnischen Oberschule ist meist noch fähig, wenigstens die Angebote und Speisekarten lesen zu können, die neuerdings immer mehr in Russisch als in Englisch vorzufinden sind.

Das ist das Produkt des Meisters. Alles Sand. Ohne ruhige Hand wird das gewiss nichts werden.

Überhaupt Touristen. Es werden immer mehr. Wer die Reeperbahn nachts um halb eins kennt, hat eine Vorstellung davon, was hier auf der Meile, der Walking Street die ganze Nacht abgeht. Man rennt sich gegenseitig um.

Und es ist Dauerstau. 20 Stunden am Tag. Mit den Songtaws (nochmal zur Erinnerung: Zweibanktaxi), die für 10 Baht meilenweit fahren, kann man für eine Meile mitunter auch eine Stunde unterwegs sein. Wenn man diese Transportmittel als Außenstehender sieht, traut man seinen Augen nicht. Eigentlich für schätzungsweise 10 Fahrgäste konzipiert, sitzen, stehen oder hängen manchmal über 20 davon an solch einem Teil. Besonders im hinteren Auftrittsbereich werden sich immer wieder neue Konstruktionen einfallen gelassen, um die Kapazität zu erhöhen.

Aus einer kleinen Stufe wurden inzwischen locker 6 bis 8 Plätze generiert. Und wider Erwarten hält alles der Belastung stand. Fünf von meiner Sorte sind ja schon mal locker eine halbe Tonne Zuladung und die Drehmomentwirkung erleichtert dem Fahrer das Lenken, weil die Vorderräder durch das Heben der Nase entlastet werden. Soweit ist es auch praktisch, weil man während der Fahrt einfach mit bisschen Schwung zusteigen kann. Wenn da aber irgendwann mal ein richtiger Bus von hinten auffährt, gibt es eine Menge Matsch auf der Plattform. Man wird im Sinne des Wortes platt gemacht.

Da bieten sich in der 20 – stündigen rush-hour die Moped-„Taxis“ als Alternative an. Die Jungen, die die Mopeds fahren, stehen in der Ortskenntnis den türkischen Taxifahrern nicht nach. Man ist gut dran, wenn man selber weiß, wo sein Ziel ist. Die Fahrt als solche erspart den Besuch auf dem Rummel, weil es den Nervenkitzel von Achter- und Geisterbahn gratis dazu gibt. Da werden die Spuren im beinahe 90 Grad Winkel gewechselt, sich zwischen zwei 4 Meter hohen Bussen mit 1cm Seitenabstand nach beiden Seiten durchgezwängt oder in, sofern überhaupt vorhanden, in Sicherheitsabstände brutal eingeschert. Die anderen machen es aber genau so, was das Gefährdungspotenzial natürlich drastisch erhöht. Aber egal, es ist einfach nur schnell und Unfälle habe ich noch nicht gesehen.

Thailand muss wohl einmal die Inspiration für die Mär vom Schlaraffenland gewesen sein. Das glauben dann auch die zahllosen Herren aus den Abendländern, die sich hier niedergelassen haben und fröhlich vor sich hin leben. Bei den geringen Lebenshaltungskosten ist das sogar noch mit der Grundrente zu finanzieren. Manche sind leider vom Glauben gefallen und stehen z.B. mit einer Kindertrommel vorm Bauch an der Beach Road und trommeln irgendwelchen sinnlosen Krach für ein paar Baht, die ihnen hingeworfen werden. Oft in der Hoffnung, dass damit die Trommelei ein Ende hat, wenn es für das nächste Bier reicht.

Das Spektrum reicht bei Deutschen vom getrennt lebenden Unternehmer mittleren Alters, der seine Geschäfte von jedem Ort mit Internetzugang erledigen kann, über Leute, die ihr Geld schon verdient haben und nicht auf das Renteneintrittsalter warten müssen oder denen das Klima ihre Knochenleiden und Rheuma vergessen lässt. Der Großteil sind aus meiner Sicht ältere Herren, je nach Standesdünkel Rentner oder Pensionäre, die des schlechten Wetters, überregulierten Lebens oder des Vorschriftenwahns in der Heimat überdrüssig sind. Es sind auch Männer, die nach Scheidung oder zum Witwer geworden, kaum Chancen haben, wieder Ersatz auf die Spielwiese zu kommen. Und dann gibt es noch die vielen Einzelentscheider aus individuellen Gründen. Bei den Ausländern weiß ich es nicht so genau. Die, mit denen ich gesprochen habe, waren jedoch gleichartig motiviert. Dann sieht man noch die alten und kranken Farangs, die hier ihr Altersheim gesucht und gefunden haben Zum Zwecke der Pflege bei den wirklich Pflegebedürftigen mag das ja sogar sehr angenehm sein. Es ist mit Sicherheit günstiger und effektiver als in Deutschland, wo Pflege des Kunden nach Stoppuhr und Leistungskatalog abgeht.
Hier wird heißt Pflege auch Hingabe.
Die Thais haben keine Pflegeversicherung. Die wird durch die Familie ersetzt, die noch den natürlichen Wegen folgt.
Diejenigen, die zwar alt sind aber nicht unbedingt Pflege brauchen, versuchen noch einmal in den Jungbrunnen zu springen. So lassen sie sich nicht daran hindern, sich mit 50 – 60 Jahre jüngeren Thaimädchen zu umgeben. Da gibt es schon recht bizarre und skurrile Konstellationen. Da heißt es für die Mädchen, die natürlich der Prostitution nachgehen: Augen zu und durch! Passieren wird wegen fortgeschrittener Senilität sowieso kaum etwas. Time is money.
Ich nehme an, die Mädchen sind solchen Kunden gegenüber nicht abgeneigt und werden doppelt verdienen. Wenn Opa abends eingeschläfert ist, geht das Urenkelchen noch mal auf die Strandpromenade.
Und dann gibt es noch die verkrachten oder / und verkommenen Existenzen, Paradiesvögel und Aussteiger und Flüchtigen, die aus finanziellen, juristischen, spirituellen, alkohol- oder drogenbedingten Gründen ihre Heimatländer nie wieder sehen werden.

Es wurde schon einmal von Tourismusindustrie geschrieben.
Gestern habe ich die touristische Kleinindustrie erlebt, nachdem ich am Strand saß, von weitem das Parasailing an einer draußen vor der Küste verankerten Plattform betrachtete und spontan beim Strandabschnittsbevollmächtigten, dem Herrscher über etwa 10 Meter Strand mit etwa 30 Liegestühlen und Sonnenschirmen, den Wunsch nach Teilnahme äußerte.

Das Stück Strand, an dem ich schon im letzten Jahr Dauergast war, bewirtschaftet er mit seiner Frau, zu der im Umlaufverfahren noch mindestens drei weitere Schwestern und ein Bruder von Seiten ihrer Seite gehören. 30 Baht kostet der Liegeplatz pro Tag. 75 Cent. Zusätzlich werden Getränke und Speisen verkauft. Getränke, einschließlich der Kokosnüsse, liegen wohltemperiert in Eistruhen. Bis auf den Papayasalat werden die Speisen von einem Lokal gegenüber beschafft. Die Preise sind 5-sternig. Das Essen kostet mindestens das Doppelte wie beim Original und ist aber immer noch günstig.
Aber anders ist das wohl alles nicht zu überleben.
Zur Aufbesserung des Familieneinkommens vermittelt oder verleiht der umtriebige Chef unter anderem auch das Parasailing. Also ein Powerboot zieht an einer langen Leine einen Fallschirm hinter sich her, an dem der Mensch aufhängt ist. Kaum hatte ich gefragt, war auch schon ein Long-Tail-Boot zur Stelle, was uns, es hatten sich noch drei inländische Gäste zugesellt, zur Plattform übersetzte.

Dummerweise legte eine Minute vor uns so eine Art Ausflugsdampfer an der Plattform an, der eine ganze Bootsladung Inder oder Pakistani absetzte, die das gleiche Vergnügen haben wollten.
So standen dann gleich etwa 30 Menschen in der Reihe und wären wir an Land gewesen, hätte ich verzichtet. Warten kann ich nicht.
Unerwartet und in kürzester Zeit war dank industrieller Technologie jedoch die Schlange abgebaut. Eine junge Frau kleidete die Fallschirmsegler in spé mit Schwimmweste und Schirmbefestigungsgurten ein, mehrere Boote drehten gleichzeitig die Runden und so alle 30 Sekunden wurde der nächste von einem bestens eingespielten Team in den Schirm ein- und nach der Punktlandung ausgeklinkt. Ein schönes Gefühl, so über das Meer zu schweben und nur paar 10 Meter höher ganz andere Luft um sich zu haben.
Alles läuft perfekt. Es kennt auch jeder jeden. An Land hatte ich noch nichts bezahlt und auch keinen „Schein“ mitbekommen. Der Bootführer wollte auch nichts. Wir kamen an und erhielten ein Ticket, das dann bei der Einkleidung abgegeben wurde.
Es wurde abgehoben und zurück ging es mit dem gleichen Boot. Dann habe ich bei meinem Strandmenschen bezahlt. 20 Dollar. Wer davon wie viel abbekommt, ist wohl ein unergründliches Abrechnungssystem, in dem natürlich nichts aufs Papier kommt und wenn, das Buch wahrscheinlich beim nächsten Sturm aus Versehen über Bord geht. Schade, keiner kann schwimmen. Es ist sicherlich nicht immer so viel Betrieb, aber ich glaube, manche Geschäfte hier sind schwieriger und nicht so einträglich.

Und die Zeit ist einfach weggerannt. Schon ist Donnerstag, der 21. Februar, und Freitagmorgen um halb sechs in der Frühe holen sie mich ab. Start um 11 Uhr in Bangkok, nach 11 Stunden Flug einen Abend und eine Nacht in Istanbul, um dann Samstagabend um fünf in Batumi zu landen. Umständlich zermürbend und zeitraubend, aber nicht zu ändern. Ich komme wieder einmal nicht umhin, über den Service von Turkish Airlines zu berichten, die auf wundersame Weise ja schon in Folge zu Europas bester Airline ausgezeichnet wurde. Ich kann nach etlichen Flügen seit zwei Jahren jedenfalls nichts besonderes feststellen. Schon gar nicht, was besser als z.B. bei KLM oder Lufthansa sein soll. Unpünktlichkeit, Streichen von Flügen, bei Umleitung auf einen anderen Flugplatz kann man dann zusehen wie man dorthin oder nach Hause kommt, fehlendes Gepäck, das in Georgien natürlich später nicht nach Hause gebracht wird, ständige Ausfälle im Internet kurz vor Buchungsende, das Kreditkartenproblem und das völlig überzogene Kontrollsystem bis man im Flieger sitzt. Keine Antwort auf Anfragen. Völlige Gleichgültigkeit. Andere Passagiere werden Ähnliches zu berichten wissen.

Vom wenig überzeugenden Einsatz der Sicherheitsmenschen beim Hinflug hatte ich ja schon geschrieben. Dank der Tatsache, dass der Rückflug nicht auf einem türkischen Airport begann, sind wir auf die Minute genau vom Gate geschoben worden. Ich habe bisher auf keinem meiner Flüge jemals eine der bereitgelegten Schlafdecken benutzt. Dieser Flug war die Ausnahme, ich nahm zwei davon. Irgendein Besatzungsmitglied hatte die Kühlung  auf die gängige Temperatur der amerikanischen Grey Hound – Busse eingestellt. Schweinekalt. Selbst unter den Decken erwachte ich immer wieder von den Kälteschocks und das Resultat war eine Landung mit leichtem Fieber.
Sicherlich ein wichtiger Punkt im Ranking zur Bestairline war das Verkleiden eines Stewards als Koch. Die sehen alle aus wie aus dem Ei gepellt und wenn sie wirklich kochen könnten, wären sie in einer TV-Kochshow bestens aufgehoben.
Ich hätte an deren Stelle Angst, so durch die Gänge zu laufen und die Tabletts mit den Speisen auszuteilen. Da gibt es bestimmt noch jede Menge naive Passagiere, die glauben, dass dieses matschige Zeugs an Bord soeben frisch für sie zubereite wurde, und dann nach Verzehr den armen „Koch“ mit ganz anderen Augen betrachten. Dabei ist er wirklich unschuldig.
Nach den 11 Stunden Kühltransport ging ich dann zum Hotelschalter, um eine Übernachtung zu bekommen. Nach eingehender Untersuchung meines Flugtickets durch den dort tätigen Schaltermenschen, erklärte dieser mir: Er kann mir keine freie Übernachtung geben, weil ja morgen früh auch eine Maschine ankommen würde. Nun hatte ich das Ticket im Airline Büro erworben und der morgige Flug war schon voll gewesen, so dass es gar keine andere Möglichkeit gab, zurückzukommen, wollte man montags wieder zur Arbeit erscheinen. Natürlich wäre ein Totalverzicht angeraten gewesen, dann wäre das alles nicht passiert und alle wären glücklich.
Meine Argumente, dass seine Argumente nur theoretischen Charakter hätten und das eigene Büro den Flug so in dieser Konstellation verkauft hatte und ich gar nicht morgen hätte fliegen können, prallten am Vorschriftenbollwerk ab. Beschweren nützt bei denen gar nichts. Auf eine Emailanfrage, wie man es denn mit der Kreditkartenzahlung zukünftig handhaben wolle, ist bis heute keine Antwort gekommen. Und der typische Schalterbeamte, kann natürlich für das marode Gesamtsystem auch nicht beschimpft werden. Die Bewältigung von Krisensituationen ist auf orientalische Weise geschult wurden: Unverbindliches Lächeln und leichtes Schulterzucken. Und dann kann man abtreten.
Vorbei an Vermittlungsschaltern, die dann Hotelbetten pro Nacht gerne ab 150 Euro aufrufen. Bisschen Transfer dazu für 50 Euro. Ich gehöre nicht unbedingt zu den Minderbemittelten, aber diesen grinsenden Wucherern das Geld in Rachen zu werfen, widerstrebt mir vom Innersten her. Richtung Metro und Straßenbahn, um dann in bekannter Gegend in der Altstadt in Hörweite zur Blauen Moschee in ein Hotel auf eigene Kosten einzuchecken. Zu einem Drittel des Preises.

Ordnungsgemäß stellte ich mir mein iPhone auf 8 Uhr Weckzeit ein, was es dann auch perfekt ausführte. Was ich nicht bedacht hatte, war bisher keinen elektronischen Kontakt zur Außenwelt gehabt zu haben, weil ich gleich um halb acht mit meinem Fieberleiden ins Bett gegangen bin. So warfen die fünf Stunden Zeitdifferenz zu Bangkok noch nicht automatisch umgestellt. Es kam mir alles irgendwo so ruhig vor und so ging ich mal zur Rezeption, um den armen Menschen dort auch um seinen verdienten Nachtschlaf zu bringen. Es war tatsächlich erst morgens um halb vier und ich reisefertig. Allerdings erst einmal wieder ins Bett. Ich hätte nie gedacht, dass mir das jemals passieren könnte.

Leider sitze ich einer Ecke der Welt, die bisher nur wenige Airlines für sich als Destination entdeckt haben.  Aber es gibt auch etwas Gutes zu vermelden: Wir landeten zu früh in Batumi und mein Koffer war mit an Bord.

Dort holten mich Kurt und meine Kollegen Davit und Gotcha, der den Zweitschlüssel für mein Auto hat, ab. Das Auto war wie immer von Gotcha auf Hochglanz gebracht worden. Netter Kollege. Meine Nachbarin und Beka haben sich auch über meine Wiederkehr gefreut. Marina war auch sehr nett und hat fast alles sauber gemacht und sogar den Teppich gewaschen. Hier ist das Waschen von Teppichen eine Vorliebe der Hausfrauen. Und das Beste, sie hat mir unter das Laken eine flächendeckende elektrische Heizdecke geschoben. Das ist ein Gefühl!
Spontan lud ich die Nachbarn und  per Telefonrundruf noch Bekannte zu um sieben ins „Shemoichede“, gleich neben meiner Wohnung, ein, und die erhaltene Aufmerksamkeit wurde sofort in eine kleine Supra konvertiert.

Thailand ist immer wieder schön, wenn man auch angesichts des Wetterwechsels und des 30 Grad Temperatursturzes möglicherweise in Depressionen verfallen könnte.

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3 Responses to Thailand 2013

  1. Helmut Schwertner says:

    Hallo Uli,
    jetzt möchte ich mich auch einmal als treuer Leser Deines Blogs outen. Ich mache es kurz: Danke für Deine spannenden Berichte! Ich hatte Deinen Urlaubsbericht bereits erwartet und wurde wieder einmal (dank Deiner schriftstellerischen Qualitäten) nicht enttäuscht. Extrem kurzweilig. Lass es Dir weiterhin gut gehen in der Fremde.
    Gruß Helmut

    • Hans-Ulrich Trosien says:

      Sorry Helmut, habe Dich mit Deinem Kommentar eben erst entdeckt. Muss wohl leider eine Benachrichtigung übersehen haben. Vielen Dank für die Blumen.

  2. Bernd says:

    Hallo Hans-Ulrich, willkommen in Deinem Alltag und hoffentlich auch wieder fieberfrei. Dieser Reisebericht ist besonders toll gelungen! Ich hoffe, Du kannst Dich zur Verbesserung vor Ort weiterhin sinnvoll einbringen. Gruß Bernd

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