Thailand – 2015

Meine Urlaubszeit ist nicht unbedingt die Weihnachtszeit, sondern eher die Zeit danach. Die nutze ich für einen Ausflug nach Thailand, zuerst ein paar Tage zum Anwärmen in Pattaya.
Dort hatte ich mich mit Freunden verabredet, die zufällig zur gleichen Zeit im Land waren. Mit Roy, einem gebürtigen Engländer, der schon über 20 Jahre in Deutschland und Schwerin lebt, und Georg, einem Schulfreund aus Schwerin. Eine schöne Sache, weil man sich sonst kaum noch sieht, seitdem ich in Georgien lebe.
Georg flog dann weiter auf die Philippinen, um eine von ihm initiierte Spende, Fahrräder für Kinder, die vom Monstersturm vor einiger Zeit alles verloren hatten, zu übergeben.
So schön es ist, dass Fremde an diese Kinder denken, so schlimm ist es, dass der korrupte einheimische Zoll Profit mit seinen Machenschaften aus deren Lage schlug. Was bei den Transportkosten durch deutsches Sponsoring eingespart werden konnte, musste nachgeschossen werden, und war für weitere Hilfe erst einmal wieder verloren.

Ich gab mich den Genüssen der heimischen Garküchen hin. Erstmalig traute ich mich auch an die Insektenspezialitäten heran. Es sieht schlimmer aus, als es schmeckt.

Roy blieb zurück, als ich einen Zwischenaufenthalt in Chiang Mai einschob. Dort hatte ich ein ziemlich neues, aber traditionell gestaltetes Hotel gebucht.

Chiang Mai ist eine hübsche Stadt im Hochland des Nordens. Da wollte ich schon viele Jahre einmal hin, habe es aber nie geschafft.
Klimatisch ist es dort sehr angenehm. In der historischen Altstadt, die mit einer hohen Mauer und Wassergraben gegen Anfeindungen geschützt wurde, geht es verglichen mit anderen Städten in Asien, sehr ruhig zu.Überall wachsen Blumen und Pflanzen.
Und es gibt um die 200 buddhistische Tempel, einer immer schöner und gepflegter wie der andere.
Gegenüber Pattaya ist Chiang Mai eine Oase der Ruhe.

Den ersten Abend schlenderte ich über den Nachtmarkt in der Nähe meines Hotels. Ein umwerfendes Angebot an Handwerkskunst und natürlich auch von kulinarischen Highlights.
Einen halben Tag verbrachte ich in einer von vielen Kochschulen, um in die thailändische Küche eingeweiht zu werden. Es ist erstaunlich, welchen Zulauf diese Schulen haben. Ich habe so um die 10 Angebotsflyer gezählt.
Das Klassenbuch meiner Klasse war mit Griechen, Kanadiern, Belgiern und einem Deutschen recht international. Bei den anderen Gruppen war es dem Anschein nach auch nicht anders.
Die Beschulung fand nach dem dualen System statt. Theorie und Praxis als Einheit.
Um überhaupt zu wissen, was man verarbeitet, begann es mit einem Blick in den hauseigenen Kräutergarten. Dem folgte dann ein Marktbesuch.

Kein Markt ohne Gastlichkeit!
Frischer Fisch auf den Tisch!
Jeder Koch-Schüler hat seine eigene Kochstelle.
Unter Anleitung heimischen Personals wurden teils gemeinsam, teils individuell vorher ausgewählten Gerichte zubereitet und natürlich verzehret. Das war mehr als genug und reichte für den ganzen Tag.

Eine Tagesfahrt mit dem Bus ins Goldene Dreieck war ebenfalls eine tolle Sache. Erster Stopp war an heißen Quellen von Pong Namron, die den isländischen Geysiren ähnlich sind, wenn auch nicht ganz so mächtig

Wer Lust hat, konnte sich Wachteleier kaufen und gleich vor Ort kochen.
Dann ging die Tour weiter zum einzigen weißen Tempel in Thailand. Der ist in Rong Khun und eine wunderbar gepflegte Anlage.
Die Tempelspitze ist vor einiger Zeit bei einem leichten Erdbeben, dem wohl ersten Beben in der Region seit Menschengedenken, abgekippt

Irgendwie wird der Alkohol hier auch mit dem Teufel in Verbindung gebracht…Auch ein Glücksbrunnen fehlt nicht. Der Clou sind die goldenen Toiletten.

Es gibt auch die einfachere Variante.
Um das Heiligtum nicht zu beschmutzen, gibt es extra Wechselschuhe zum Begehen der Örtlichkeiten.
Man darf auch persönliche Wünsche äußern. Dazu gibt es kleine blecherne Schilder zu kaufen, die man beschriftet und an verschiedenen Orten aufhängen kann.
Es sind schon Millionen dieser Teile deponiert.

Normalerweise gehen die Wünsche in Richtung Glück und Gesundheit. Deutsche haben im Urlaub an dieser Stätte der Beschaulichkeit und des Friedens natürlich keine weiteren Wünsche, als eine unbefristete Anstellung bei einem netten Chef.
Dann ging es weiter ins Goldene Dreieck, dem Ausgangspunkt einer Bootsfahrt auf dem Mekong entlang der Grenzen zu Myanmar nach Laos.

Eigentlich ist kein Gold zu erkennen

In Laos hat man eine Touristenfalle in Form eines Marktes aufgestellt. Die meisten Sachen braucht die Welt nicht. Trotzdem wurde gekauft, als würde es der letzte Markttag vor der Einstellung allen Handels sein.
Ich nehme an, dass der überwiegende Teil der in Schnapsflaschen eingelegten Reptilien später am heimischen Zoll konfisziert wurde. Bei besonderem Pech wird man auch noch mit einer empfindlichen Geldstrafe belegt. Den Zoll interessiert es wahrscheinlich herzlich wenig, ob die Tiere eigens zu diesem Zweck in Farmen gezüchtet werden oder frei herumgekrochen sind.

Schlangen gab es dann auch zum Mittag. In einem voll auf die dort auf dieser Ausflugsroute massenweise anreisenden Touristenbusse ausgerichteten Restaurant. Ich habe schon öfter anlässlich von Ausflügen in Asien „Lunch included“ mitgemacht, aber meistens war es nichts Vernünftiges. Hier wurde das Büfett trotz Dauerschlangen nicht leer und geschmeckt hat alles richtig gut. Es geht eben auch anders.
Nach dem Mittag, es war inzwischen auch schon mehr Nachmittag, sind wir noch nach Mae Sai gefahren. Das ist die Grenzstadt zu Myanmar. Ein Fluß ist die Grenze.
Am Check Point herrscht reger Betrieb, aber es läuft dort mit asiatischer Gelassenheit sehr zügig ab. Wahrscheinlich kennen sich alle.
Natürlich kommt auch der Handel mit Souvenirs, wie an Grenzstationen üblich, nicht zu kurz, und geröstete Kastanien sind ziemlich populär.

Am späten Nachmittag besuchten wir noch das berühmte Schaudorf Phayao wo der Karen Tribe lebt. Auch bekannt als der Stamm der Long Necks oder Giraffenhalsfrauen.
Ein alter Bergstamm aus Myanmar, der sich dadurch auszeichnet, dass die Frauen schon im zarten Kindesalter Messingspiralen um den Hals gewickelt bekommen, der immer wieder um ein paar Umdrehungen ergänzt wird. Dadurch werden die Schultern heruntergedrückt, und nicht wie man annehmen könnte, die Halswirbel gestreckt.

Egal welcher Teil des Körpers verlängert wird, es muss jedenfalls eine Tortur sein. Alleine schon durch das Gewicht der Ringe, das bis 10 kg betragen kann. Es ist aber auch Gewohnheitssache, denn man merkt es den Kindern und Frauen nicht an. Für die Schönheit, wenn das Wort überhaupt zutrifft, zu leiden, ist deren Tradition.
Andere Menschen leiden völlig frei und traditionsungebunden während ihres Asienurlaubs im Tattoostudio.
Die Tätowierungen lassen sich im Unterschied zu den Ringen nur nicht mehr entfernen.

Überhaupt sieht alles ein bisschen nach Menschenzoo aus.
Die Dorfbewohner erkannt, dass mit dem zur-Schau-stellen Geld verdient werden kann, und so wechselte nach dem Foto so mancher Schein den Besitzer. Die Frauen lassen sich auch gerne bei der Handarbeit wie dem Weben ablichten. Sie weben Schals mit hübschen Farben und Mustern. Davon hängen Hunderte an jedem Stand. Es kann wohl niemand nachvollziehen, dass diese alle in Handarbeit hergestellt wurden, wenn man sich das Arbeitstempo ansieht. Ich glaube, wenn man sucht, findet man auch die chinesischen Kartons, in denen Handarbeiten aus aller Welt in alle Welt verschifft werden.

Offenbar sind die ZIP-Lines immer mehr im Kommen. Um Chiang Mai herum gibt es, zählt man die Flyer in den Displays der Veranstalter, mindestens auch 10 solcher Stationen. Stahlseile sind zwischen den Bäumen gespannt, an denen man dann über eine Seilrolle von Plattformen aus, von Baum zu Baum gleitet oder besser von Plattform zu Plattform.
So nahm ich dann auch an einem Ausflug zu solch einer Attraktion im Regenwald weit außerhalb von Chiang Mai teil.
An dem Tag war das Flower Festival in Chiang Mai, so dass wir nur mit Mühen und Zeit aus der Stadt kamen. So fingen wir erst einmal mit dem Mittagessen an. Sehr authentisch und geschmackvoll.

Dann folgte die Ausrüstung mit dem Gehänge und Helm, was auch so seine Zeit in Anspruch nahm. Meine Größe musste extra beschafft werden. Bisher waren wohl nur Spargel-Tarzans im Einsatz.
Dann ging es mit dem Pickup in den Berg. Das erste Anfahren war so beschleunigt, dass der Bürger aus Bangladesh hier auf dem Bild noch unversehrt, vom Sitz rutschte. Da die Klappe natürlich nicht geschlossen war, war er der erste fliegende “Dragon”. Leider unplanmäßig. Es ging mit paar Hautabschürfungen noch halbwegs glimpflich ab.
Die “Dragon Flight” Zipline verfügt über 49 Plattformen, 26 Seile mit einer Länge von ungefähr 2 Kilometern, 3 Abseilstationen an denen man in die Tiefe rauscht, 1 Skyboard und ein paar mehr Belustigungen. Auf dem Cable Walk avanciert man zum Hochseilartisten, und die Sky Bridge ist eine wackelige Hängebrücke.

Das Foto ist geborgt. Da hatte ich keine Hand frei, um ein eigenes Foto zu schießen…

Kleiner Zwischenstopp.
Diese Seilbahnen dienen nicht unbedingt nur zur Kinderbelustigung. Unter uns war gerade mal ein kleines Mädchen, das eher nicht so belustigt wirkte. Zumindest anfänglich bis das Kind merkte, es ist immer wohlbehütet und es passiert nichts.
Die Jungs, die uns assistierten, oder besser auf die Seiltrasse brachten, waren ein total eingespieltes Team und machten ihre Sache offensichtlich auch mit Freude. Man fühlte aber auch ständig die Fürsorge, dass auch ja niemand zu Schaden kommt.
Fast drei Stunden dauerte die Seilbahnfahrt, dann fuhren wir zurück. Alle hatten Spaß. Auch der Überflieger, der ja mit dem Schrecken davon kam. Er begleitete seine Frau, die auf einem Kongress in Chiang Mai war. Sie ist Ärztin und wird ihn abends schon geheilt haben. Ohne es zu ahnen, war ich in einer Zeit angereist, in der das Chiang Mai Flower Festival stattfindet. Irgendwie war die ganze Stadt im Blumenfieber und ein Blumenmeer.

Natürlich war es auch eine Touristenattraktion, wobei das eher nicht der Hauptzweck der Veranstaltung zu sein schien. Das Festival gab es wohl schon vor dem ersten Touristen. Eine Ministerin eröffnete das Event, und eine größere Anzahl von hohen Militärs waren ebenfalls erschienen. Diese prägten mit dem militärischen Zeremoniell und ihrem Auftreten das Bild bei der Übergabe der Preise für die schönsten Blumenwagen. Der Grund, warum das militärisch unterlegt war, liegt wahrscheinlich in den gegenwärtigen Machtverhältnissen mit einer Militärregierung.
Solch liebevoll geschmückte Umzugswagen, die thematisch und mit fast ausschließlich echten Blumen hergerichtet waren, sah ich bisher noch nie. Alles in mühevoller Handarbeit gestaltet.

Von Chiang Mai flog ich nach Bangkok zurück um dann mit dem Expressbus nach Hua Hin, der Sommerresidenz des Königs, zu fahren.
Der Bus war mit  Sesseln, nur drei pro Reihe, ausgerüstet. Sehr bequem!
Am ersten Abend war ich auf dem Wochenendmarkt “cicada”, der für thailändische Verhältnisse eigentlich untypisch war.
Hochwertige und offensichtlich nicht aus China stammende thailändische Handwerkserzeugnisse wurden angeboten. So viel Ordnung und solch ausgeprägte Hygiene bei der Speisenzubereitung hatte ich noch nicht gesehen.
Ein Paradies für die Entdeckung thailändischer Speisen aller Art.
Leider ist der Markt nur am Wochenende geöffnet.

Etwas rustikaler geht es auf dem Night Market zu, was aber nichts am guten Geschmack der dort angebotenen Speisen ändert. Ein täglich geöffnetes Food-Paradies für hauptsächlich Fisch und Meeresfrüchte, wobei es auch an Steaks aller Art nicht mangelt.
Tagsüber ist der Bereich eine ganz normale Straße, aber gegen Abend werden die Stände aufgebaut. Täglich. An Fleiß mangelt es dem Volk jedenfalls nicht.
So günstig und frisch gibt es Lobster selten, schon gar nicht in Europa.

Geschmeckt hat es ja, aber ich habe wieder einmal festgestellt, dass das Leben auch ohne Lobster weitergehen würde.
Hua Hin ist ein hübscher Ort, allerdings unheimlich langgezogen. Zu Fuß lässt sich da schwer etwas bewerkstelligen.  Die Song-thaews, die Pickup-Taxis, wie in Pattaya sind ziemlich rar und die Tuk-Tuks verlangen unverhältnismäßig hohe Preise.
Irgendwie ist es am Meer auch anders als sonst. Da ist das Hilton als alles überragend neben vielen kleinen Lokalen und plötzlich ist man am Ende.
“Gefährliches Gebiet” steht dran. Es ist der Bereich der Fischerei. Auf dem Umweg durch die Fischerbehausungen kommt man dann an den schiere endlosen Strand Richtung Norden.
Der Strand ist herrlich weiß und das Wasser wird erst ganz langsam tiefer. Aber so weit das Auge reicht, ist kein Badegast zu sehen, kein Sonnenschirm, keine Liege. Einfach nur Leere. Ich mogelte mich auf die Liegewiese eines Hotels, um eine Liege, Schatten und Getränke zu bekommen.
In den Restaurants in Strandnähe ist richtig Leben am Abend.  Da fragt man sich wo die Touristen am Tage sind, wenn nicht am Strand.
Vielleicht am historischen Bahnhof, der wirklich hübsch ist.
In Hua Hin traf ich Roy wieder, mit dem ich einige Zeit verbrachte und dann zurück nach Pattaya fuhr. Per Kleinbus.
Von außen sah der Van ja recht passabel aus, aber drin war es verdammt eng. Das muss man nicht haben, schon gar nicht 5 Stunden. Auch wenn er Preis noch weiter unter den Kampfpreisen deutscher Fernbusunternehmen liegt.
Mit der Sicherheit war es auch nicht weit her. Da die letzte Sitzbank nicht umgeklappt wurde, um noch drei zahlende Gäste mehr zu befördern, war natürlich für Gepäck kein Platz. So wurden dann die Gepäckstücke und Koffer in den ohnehin sehr schmalen Gang zu Tür deponiert und im verbliebenen, äußerst schmalen hinteren Bereich, über die Rückenlehne hinaus gestapelt. Natürlich ungesichert, die im Ernstfall dann zu Geschossen werden. Aus dem Auto führte wegen der Koffer auch kein Weg heraus. Als ich nach dem Sicherheitsgurt fummelte, meinte der Fahrer, wenn er fährt, sei das nicht nötig. Nun ja, so schnell wollte ich nicht ins Nirwana und wollte auch nicht unbedingt die Stadien von Exkarnation und Reinkarnation durchsterben und durchleben. Wenn es schon sein muss, dann möchte ich nur Hund bei mir selber werden, was aber leider ausgeschlossen ist. Deshalb klärte ich ihn auf, dass meine Aufmerksamkeit in der Schule dem Physik- und nicht dem Religionslehrer galt, und ich deshalb den Gurt brauche.

Die letzten Tage in Pattaya ließ ich eher weniger aktiv passieren, und außerdem waren sie schneller vorüber als gedacht.
In Istanbul hat es denn alle Passagiere, manche noch in Tropenbekleidung, kalt erwischt:
Wohl dem, der ein dickes Fell hat!
In Batumi war das Wetter natürlich auch nicht viel besser, wenn es auch keinen Frost gab.

 

 

 

 

 

 

 

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