Asien 2014 – Thailand

In Bangkok kaufte ich mir gleich im Airport ein Busticket nach Pattaya. Im Preis inbegriffen, war auch gleich der Transfer vom Busterminal ins Hotel. Das ist alles sehr bequem, praktisch, professionell organisiert und funktionierte bisher immer reibungslos.
Eine SIM – Karte wurde auch gleich erstanden, die aber schon teurer als in Kambodscha war. Sie kostete so knapp 20 Euro, war aber auch so ein Sorglospaket.

Als ich im Hotel ankam, fielen mir schon jede Menge Golfausrüstungen auf. Es war ein von Golfern bevorzugtes Hotel und wer Golfer kennt, weiß, dass diese nicht unbedingt zu den anspruchslosesten Gästen zählen. So war es dann auch. Das Hotel war vom gutem Standard.

Vietnam und Kambodscha hatte ich für Kultur, Geschichte und Sightseeing auserkoren, Thailand sollte eigens der Erholung dienen.
Das zog ich auch so durch. Bei bestem Wetter wie immer. Es regnete in drei Wochen einmal 10 Minuten lang. Sonst war nur angenehme Wärme um die 30 Grad und Sonnenschein. Also schönstes Strandwetter. Mit freiem Internetzugang!

Und ich traf auch die Familie wieder, an deren Strandabschnitt ich schon öfter gelegen hatte.

Dort am Strand war ich dann auch täglich und nutzte die Zeit zum Lesen. Sonst komme ich aus unerfindlichen Gründen nicht dazu. Obwohl ich eigentlich Zeit hätte.
Den Reizen der thailändischen Speisen und sonstigen Naturprodukten war schwer zu widerstehen.


Manches muss man aber auch nicht unbedingt probieren. Das wird den 70 – jährigen von ihren 17 – jährigen Begleitpersonen vielleicht als letzte Hoffnung oder als letzter Versuch der Wiederauferstehung zubereitet.

Fast täglich ging ich in ein Blindeninstitut, wo blinde Masseusen und Masseure mit viel Hingabe und Gefühl ihre Arbeit verrichten.
Die Tage vergingen wie im Fluge. Nichtstun ist gar nicht langweilig. Eine für mich neue Erkenntnis und vielleicht schon ein Vorgeschmack auf das, was nach dem Arbeitsleben kommen könnte.

Ein wichtiger religiöser Feiertag in Thailand ist „Makha Bucha“. Der war am 14. Februar, dem Vollmondtag. An diesem Tag wird an die Predigt Buddhas, wann und wo sie auch immer gehalten worden sein soll, erinnert.
Es lag ein gespenstische Ruhe über dem sonst so schrillen Pattaya.
Alkoholausschank war offiziell verboten. Eigentlich. Natürlich wurde in allen Läden weiter Alkohol verkauft. Wenn es um das Geschäft geht, muss die Religion zurückstehen.
Auf der Straße passte die Polizei ein ganz klein wenig auf.
Die meisten der Bier- und Animierbars im Freien waren abgedunkelt. Auch die Clubs und einschlägigen Bars waren halbherzig geschlossen. Man dachte, wenn das Licht aus und die Jalousie halb runter gezogen ist, dann merkt keiner, dass im Inneren trotzdem das Leben, wenn auch gedämpfter, weiterging. Allerdings aber ganz strikt, und  ohne den ansonsten allgegenwärtigen Radau der Diskoanlagen. Es war ein stilles Fest…

Krach ist man ja gewöhnt und die vielen Life – Bands erzeugen davon ja, neben den ebenso zahlreich vorhandenen Diskoanlagen, im Überfluss davon. Diskoanlagen spielen nie falsch, die Life – Bands hin- und wieder. Die einen haben ihre konservierte Musik und die anderen oft Playback.
Der neueste Gag an den Bierbars sind Karaokeanlagen, die dann von oft völlig unmusikalischen Menschen besungen zu werden.
Hier eine Kostprobe: https://www.dropbox.com/s/0vz54nbf5574j8x/Pattaya_2014.04.mov
Wegen der Teilung des erlittenen Leids bitte ich darum, diese auch bis zum bösen Ende zu abzuspielen.

Immer wieder gerne gehe ich seit Jahren in das Restaurant „Or-Ah-Harn“. Eigentlich trifft für die meisten dieser Art von Essenausgaben die Bezeichnung „Restaurant“ nicht zu.
Der Name ist für unsere Ohren schon etwas anrüchig, was es im Thailändischen heißt, weiß ich nicht. Es kann aber durchaus etwas ganz Appetitliches bedeuten.

Die Hausfrau kocht nämlich vom Feinsten, und ich habe noch nicht ein einziges Mal daneben gegriffen.
Der Gästekreis wird von Europäern, Australiern und Amerikanern dominiert, die von ihren thailändischen Freundinnen oder Freunden begleitet werden. Insgesamt ist immer ein illustres Publikum vor Ort. Es ist dadurch nie langweilig, denn wenn man dort essen will, muss man viel Zeit mitbringen. Und die vergeht beim Beobachten der Szene sehr schnell.
Das Restaurant hat sich aber seit dem letzten Jahr einen Ruck gegeben. Es wurde augenscheinlich etwas aufgeräumt. Die großen Ölschinken an der Wand waren verschwunden. Dahinter hatten sich über Jahre mehrere Clans von Kakerlaken häuslich eingerichtet, jedenfalls war dort um die Rahmen herum immer reger Betrieb. Richtung Abwäsche, ausnahmsweise wird das Geschirr hier nicht draußen auf der Straße in Schüsseln abgewaschen, standen meistens die abgeräumten Teller in Fußbodennähe und harrten ihrer Reinigung.  Dort war ein kleines Mäuse – Eldorado.
Das Geschirr war jetzt weg und die Mäuse auch.
Übrigens hat der Heimzoo der Popularität des Hauses in keiner Weise geschadet.
Der Laden war und ist immer voll.

Ein unerwarteter Höhepunkt war dann kurz vor der Abreise noch ein Wiedersehen mit meinem alten Schulfreund Georg. Durch einen Zufall, eine E-Mail war falsch gelaufen und mein Sohn schickte mir diese hinterher, erfuhr ich, dass Georg in Thailand ist. Auch in Pattaya.
Mit Hilfe seiner Firmenmitarbeiter, sozialen Netzwerken und anderen Quellen war er schnell geortet, und so trafen wir uns dann plötzlich und unerwartet bei Peter.

Peter - rechts im Bild

Georg hat eine Sofwarefirma und einer seiner ehemaligen österreichischen Vertragshändler, nämlich dieser Peter, ist aus dem Geschäft ausgestiegen, nach Thailand gegangen, hat dort geheiratet und eine dieser gut laufenden Bierbars gegenüber vom Strand gekauft…und inzwischen noch mehr.
Wir verbrachten dann zwei Abende zusammen und hatten natürlich viel zu erzählen.

Unsere Wege trennten sich Freitag dann wieder. Georg fuhr mit dem Fahrrad nach Phuket. Über 800 km! Respekt, wir haben ein Alter. Ich würde das nicht überleben. Aber er ist außer in der Antarktis wohl schon überall in der Welt zu solchen Gewalttouren aufgebrochen und kam gerade aus Myanmar, wo er die Berge bezwungen hatte.

Ich reiste am Sonntag kurz vor Mitternacht wieder ab. Das unbeschwerte, sonnige und schöne Leben war vorbei.
Turkish Airlines brachte mich schon in der Luft wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Mit der Bordverpflegung. Graue gekochte Beefklöpschen mit Spinat, der eher an Silage erinnerte, mit denen die LPG – Kühe früher im Winter gefüttert wurden, und irgendetwas anderes Schlammiges war noch in der Assiette. Nach dem ersten Probieren habe ich es aufgegeben. So abrupt  wollte ich nun nach den kulinarischen Highlights der letzten Wochen doch nicht in die Wirklichkeit zurück.
Drei Stunden vor der Landung, nachts kurz vor drei Uhr!, gab es Frühstück. Rührei von undefinierbarer Konsistenz. Ein einziger gelblicher Matsch, zusammen mit einer Art durchweichten und lauwarmen, wahrscheinlich mit Käse gefüllten Toastecke, in einer Assiette. Dazu wurde laut Menu das Brotsortiment gereicht. Dieses Sortiment hat bei meiner,  inzwischen nicht unerheblichen Anzahl von Flügen, noch nie aus etwas anderem bestanden, als einem unförmigen Teigklops, ursprünglich als Brötchen konzipiert, in der Mikrowelle heißgemacht.
Ich habe vor langer Zeit mal einen Bericht im Fernsehen gesehen, in dem Star- und Sterneköche in aufwändigen Versuchsreihen die Menüs für die Airlines kreierten. Das war alles schick. Wenn sie das mit den praktischen Ergebnissen vergleichen, würden sie wohl nie wieder ihr Gesicht und ihren Namen für solche Aktionen hergeben.
Flugzeuge sind nun auch keine Restaurants. Die Sitzposition ist schon zum Essen unmöglich, dafür aber zum Bekleckern gut geeignet. Ich habe zum Glück noch nie den Mittelsitz besessen, aber da kann ich mir das eher als Quälerei vorstellen, wenn man die Gabel zum Mund führen will.
Das Sortiment beschränkt sich für den normalen Holzklassenpassagier sowieso meistens auf Chicken oder Beef, meistens mit den Beilagen zusammen als ein einziger Pamps serviert. Die Methode zum Erhitzen der Portionen hat noch nicht das letzte Entwicklungsstadium erreicht.
Das Meiste auf den Trays wird ohnehin nicht gegessen und landet im Abfall.
Es ist um so mehr aber positiv hervorzuheben, dass gerade Turkish Airlines ein sehr umfangreiches Sortiment für Reisespezialisten auf Vorbestellung bereitstellt. Jeder  Wunsch infolge Krankheiten, Unverträglichkeiten, Allergien, religiöser Einschränkungen, Ernährungssonderfällen wie Vegetarier, Veganer und was es sonst noch für bekannte und unbekannte Befindlichkeiten  gibt, wird berücksichtigt.
Nachdem ich einmal meinen Sitznachbarn genüsslich Garnelen und Lachs verzehren sah, und er mir erklärte, er hätte asiatisch bestellt, tat ich das beim nächsten Mal auch. Das war dann leider fast ohne Fisch, dafür mit Käseausgleich, den ich nun gar nicht favorisiere. Außerdem vertragen 90% der Asiaten aber wegen ihrer Laktoseintoleranz wohl auch gar keinen Käse. Da war wohl etwas schiefgelaufen, obwohl es richtig beschriftet war.
Jedenfalls möchte ich nicht neben einem Chinesen sitzen, der dann doch davon genascht hat… Die Folgen sind dramatisch und es gibt kein Entrinnen. Von mir aus kann die warme Bordverpflegung völlig eingestellt werden. Ich würde auch dafür plädieren, das Essen gleich am Boden zu lassen, und an Bedürftige zu verteilen.
Aber ich sehe schon, solche abwegigen Gedanken gefährden Arbeitsplätze. Nicht nur beim Bordpersonal, sondern viel schlimmer bei den Caterern und deren Zulieferern, Einweggeschirrherstellern, Strom-, Gas- und Wasserversorgern und …. Eine Kette ohne Ende. Und ein Milliardengeschäft – weltweit gesehen.
Auf jeden Fall hat mir die Enthaltsamkeit nichts geschadet. Ich habe ja Reserven. Und nachdem der Flieger, eine Boeing 777-300 morgens zwischen fünf und sechs so sanft landete, dass man es kaum merkte,  hatte ich ohnehin 6 Stunden Zeit, etwas Ordentliches zu essen. Das wurde dann in der Lounge aufgetischt.

Der Flug nach Batumi, alle saßen schon im Flieger, die Türen waren geschlossen, verspätete sich um eine dreiviertel Stunde. Es wurde nach vermissten Koffern gesucht, die noch mitgenommen werden sollten.
Das ist ja lobenswert, und aus der Sicht der Kofferbesitzer auch eine gute Idee. Ich erlebte selber mehrfach die Nichtankunft meines Gepäcks. Es schoss mir aber auch wieder ein, dass ich in Hamburg wegen meiner eigenen Unaufmerksamkeit einmal 10 Minuten zu spät zum Einchecken kam, und nur wegen „höherer Gewalt“, das Flugzeug aus Istanbul war verspätet in Hamburg angekommen, und nur wegen der besonderen Freundlichkeit der Dame am bereits geschlossenen Check in – Counter, noch mitgenommen wurde. So lässt die Fluggesellschaft 100 Menschen auf drei verspätete Koffer warten, aber auf einen verspäteten Menschen kann im Normalfall keine Rücksicht genommen werden. Selbst, wenn die Türen noch gar nicht geschlossen sind.
Aber was sind schon 45 Minuten im Verhältnis zu den herrlichen 4 Wochen. Ich hatte auch keinerlei Unmut deswegen verspürt. Mit jedem Flug wird man ruhiger und geduldiger, und wird nicht wegen jeder Kleinigkeit nervös.
In Batumi wartete ohnehin keiner auf mich. Ich hatte niemanden um Abholung gebeten. Gerade wegen der Unwägbarkeiten.

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