Asien 2014 – Kambodscha

Der Flugplatz von Siem Reap ist klein und beschaulich, und wirkt schon eher wie eine Tempelanlage mit seinem Abfertigungstrakt.

Der Versuch, ein e-Visum zu bekommen, war gescheitert. Ich hatte es auf einer offiziellen Seite der kambodschanischen Regierung beantragt und auch per Kreditkarte bezahlt. Leider kam die E-Mail mit dem amtlichen Brief nie an. Offensichtlich war ich auf eine gefakte Seite reingefallen. Die 28 Dollar wurden später anstandslos von der Kreditkartengesellschaft erstattet.
So stellte ich mich dann am Visum – Schalter an. Visa wurden am Fließband verteilt. Alles war bestens organisiert und nach Abgabe von Passbild und 20 Dollar klebte das Dokument im Pass.
Eine Telefonkarte mit 3 Gigabyte und 100 Minuten für 3 Dollar erstand ich gleich auf dem Flughafen. Günstiger geht’s nicht.
Am Flughafen ist Taxigeschäft zentral geregelt. Es gibt einen einzigen Stand, an dem die Autos zugeteilt werden und es gibt einen Festpreis. In Siem Reap läuft der Straßenverkehr wesentlich ruhiger ab, als in Vietnam. Es sind auch nicht so viele Fahrzeuge auf den Straßen und man gewinnt den Eindruck, alles läuft in Schrittgeschwindigkeit. Das war schon angenehm.
Der Wechselkurs und das Umdenken in die Fremdwährung sind kein Problem. Auch in Kambodscha wird man schnell reich. 1 Euro sind so ungefähr 5500 Riel. Der Einfachheit halber ist in diesem Land aber alles in Dollar ausgepreist. Riel ist mehr Notgeld und wird gerne als Wechselgeld herausgegeben, was man natürlich trotzdem überall wieder zum Bezahlen nutzen kann.

Als das Taxi vor dem Hotel hielt, dachte ich schon, wieder an den falschen Fahrer gekommen zu sein. Es erinnerte mehr an einen Tempel als an ein Hotel.

Aber auch mit diesem Hotel hatte ich mich selber gut beraten. Nicht das international monotone Outfit, sondern landestypisch, solide und bestens ausgestattet.

Sogar mit einem schönen Pool auf dem Dach.

Nachmittags war Stadtbesichtigung. Die Stadt konzentriert sich auf einen überschaubaren, touristisch aufgepeppten Stadtkern. Den Rest kann man getrost links liegen lassen, abgesehen von ein paar schönen Hotel und Parkanlagen und dem Ufer des Siem Reap Rivers.

Überall wie in Asien üblich, wird Essen auf der Straße angeboten. Das ist unheimlich preiswert und schmeckt meistens ganz hervorragend. Die Babyschlangen auf dem Grill sahen zum Anbeißen aus, und so probierte ich natürlich ein Exemplar. Es schmeckte nicht besonders außergewöhnlich und war ziemlich schwer zu kauen. Ein Mix aus Leder und Knorpel.

Das Tuktuk ist neben den Mopedtaxis das öffentliche Hauptbeförderungsmittel. Sie sind allgegenwärtig und jeder Fahrer fragt natürlich jeden Passanten nach „Tuktuk?“, was auf die Dauer lästig ist. Das war schon ein Vorgeschmack auf Thailand, wo einem genauso oft und auf Schritt und Tritt „Massaaage“ angeboten wird.
Das Leben in Kambodscha ist sehr günstig. Essen kostet 3-6 Dollar pro Portion im Restaurant, oder aber auf Wunsch auch in ein paar wenigen Häusern etwas mehr. Bier vom Fass kostet fast generell pro 0,3 l unter 1 Dollar. Oft noch mit 24 Stunden Happy Hour verbunden.
Es sind viele Europäer im Stadtbild zu sehen. Scheinbar Dauergäste, denn man sieht sie mit Fahrrädern und mit Lebensmittelpaketen bepackt. Kein Wunder, denn es haben nicht alle Länder das deutsche Rentenniveau und man kann dort ein gutes Leben für wenig Geld haben.
Es gibt enorm viele Bettler, auch meistens Kinder, die irgendwas verkaufen oder auch nicht. Sie sind meistens Postkarten und mit einer Art Kleiderbügel,  mit Armbändern bestückt, ausgerüstet. Die Kinder wissen schon genau, was sie für einen Dollar haben wollen und sind trotz ihrer vielleicht manchmal nur 4 Jahre äußerst geschäftstüchtig und zahlensicher. Gerade die Kinder setzten auf Zermürbungstaktik. Sie hängen sich solange an den Touristen und erzählen in einer Endlosschleife, dass sie 3 Armbänder für einen Dollar oder ähnlich nutzlose Dinge verkaufen wollen, bis man wegen seiner Ruhe den Dollar zückt und im nächsten Moment sinnloses Zeugs dafür in der Hand hält.

Am Abend nahm ich mir die heimische Küche vor.

Ich entschied mich für “Amok”, nicht laufen, sondern essen. Eine Fischspezialität im Kokosfond und im Bananenblatt angerichtet. Ein wunderbares Essen. Wegen der Fülle im Restaurant hatte nicht jeder einzelne Gast seinen eigenen Tisch.
So wurde eine junge Frau meine Tischnachbarin. Sie schrieb Postkarten und es war unvermeidlich, dass ich die Adressen sehen konnte. Beide in Schwerin.
Dann fragte ich natürlich nach und die junge Frau war Anna, eine Schwerinerin, die in Saigon für einen Verlag arbeitet. Sie hatte wegen des Tet – Festes in Vietnam Urlaub und wollte nach Angkor Wat.


Zufälle gibt es!
Donnerstag hatte auch ich mir für Angkor Wat vorgenommen. Angkor Wat ist eigentlich der Name für die Hauptattraktion. Angkor selbst ist ein riesiges Gelände mit weit verstreuten Tempelanlage. Quellen sprechen von der Größe New Yorks.
Von der Reiseplanung her hatte ich sowieso nur einen Tag für die Tempel gedacht. Man kann auch für 3 Tage oder Wochentickets kaufen. Mein Gefühl hatte mir aber eingeredet, ein Tag würde genug sein. Also buchte ich über das Hotel ein Tuktuk für die kurze Tour. Das sind 17 km und kostet 18 Dollar.
Die erste Station ist das Ticketoffice. Tickets gibt’s mit Passbild und vielleicht sogar fälschungssicher. Da das Gelände nicht eingezäunt werden kann, wird das Ticket dann aber auch entsprechend oft gefordert, begutachtet und als echt erkannt. Der Tuktuk Fahrer fährt entlang der Route und hält dann bei allen wichtigen Tempeln.
Wenn ich richtig gezählt habe, waren es 6. Es war schon imposant und erschlägt den Betrachter fast! Vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass solche Steinmassen schon vor fast 1000 Jahren errichtet wurden. Die Tempel sind aber eigentlich mehr nur Gänge und haben keine Hallen oder größeren Räume.

Manchmal gibt es kleine Nischen, in denen Statuen oder andere Reliquien gezeigt werden. Meistens ist dann auch eine Art Mönch zugegen, der mit den religiösen Besuchern kommuniziert und mit ihnen betet. Ich glaube aber auch Gauner ausgemacht zu haben. Die halten sich ebenfalls an solchen Stellen auf, sind aber ziemlich normal angezogen. Wenn der fotoversessene Tourist das heilige Ensemble fotografiert hat, werden ihm sofort Räucherstäbchen in die Hand gedrückt und dann von diesen Menschen für ein paar Sekunden in einer Art heilige Bewegung gebracht. Also irgendwie zum Kopf und mit ein bisschen Bücken. Man ist ja geneigt, einen Obolus für die Stäbchen zu hinterlegen. Ich wollte gerade einen Dollar aus der Tasche ziehen, als ein Tuch angehoben, wo schon mehrere 10 Dollarscheine drapiert waren und aufgefordert, auch 10 Dollar hinzulegen. Der Typ musste lernen, wer zu viel verlangt, bekommt gar nichts.

Abgesehen vom Angkor Wat, erschienen alle anderen Tempel irgendwie gleich. Meistens sind es Ruinen, durch die man dann klettert oder die man besteigt. Die Natur holt sich ihren Teil zurück. Mit der Kraft der Baumwurzeln. In Deutschland wäre es mit Sicherheit nicht möglich, solche Relikte zu besichtigen. Sie wären allesamt wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Die Tour bei über 30 Grad und mit unendlich lang erscheinenden Wegen, die man zu Fuß zurücklegen muss, zehrt schon an den Kräften. Am Nachmittag war ich dann auch entsprechend gerädert und froh, mit der Ein-Tagestour so vorausschauend gewesen zu sein.

Bisher hatte ich noch keinen Gedanken daran verschwendet, wie ich nach Phnom Penh komme. Es gibt natürlich Busse, Flugzeuge und Taxi. Fliegen ist ja schnell und gut, aber mit dem Bus sieht man doch mehr vom Land.
Dachte ich.
Das wirklich freundliche und kompetente Personal an der Rezeption besorgte mir das Busticket. Am Freitag, gegen Mittag, wurde ich von einem kleinen Van am Hotel abgeholt und zum Busterminal gebracht. Im Internet und auf den Plakaten sah der Bus richtig nach Reisebus aus. Aus der Nähe betrachtet war es ein verschlanktes Modell mit 40 Plätzen. Leider waren die Sitze in die Schlankheitskur einbezogen worden. Mein Nachbar, ein junger Koreaner mit etwas mehr als meiner Figur, brauchte seine gesamte Sitzbreite und noch ein bisschen mehr. So versuchten wir uns über die Distanz von 7 Stunden zu arrangieren.
Der Bus hatte zwei Fahrer, einer von ihnen saß mangels anderer Gelegenheit abwechselnd auf einem Gartenstuhl, und einen Reiseleiter. Der fungierte auch noch als Steward mit Feldwebelautorität und als Sprecher des Piloten.
Es herrschte Disziplin! Nicht wie schon so oft erlebt, steigt jeder nach einem Boxenstopp dann wieder ein, wann er es für richtig erachtet. Hier wurde minutiös abgefahren.
An einer Raststätte war die Möglichkeit gegeben, zu essen. Der Laden war so perfekt organisiert, dass jeder aus 6 verschiedenen warmen Speisen wählen konnte und alle tatsächlich innerhalb 30 Minuten auch schon bezahlt hatten.
Ansonsten war nicht besonders viel oder Interessantes entlang des Weges zu sehen. Oft bestand die Straße nur aus einer sandigen Schotterpiste, und es war wegen des Staubes kaum Hand vor Augen zu sehen. Nebelfahrt auf Kambodschanisch. So sahen dann die anliegenden Gebäude und Anlagen auch aus. Überall dicker und bräunlicher Belag, der die allgemeine Trostlosigkeit noch verstärkte.


In der Dämmerung, gegen 6 Uhr abends, strömten Tausende Arbeiterinnen aus den entlang der Straße angesiedelten Textilfabriken, die für Adidas, H&M und Co. für Hungerlöhne den ganzen Tag schuften, zu den bereitstehenden Armadas von Bussen, Pick up, Mopeds und Lastwagen. Das sah schon bedrückend aus, auch bei dem Gedanken, dass für diese Leute morgen und übermorgen und immer wieder das gleiche Elend von vorne beginnt.
Abends um 8 Uhr kamen wir dann auch in Phnom Penh an.
Das nächste Mal fliege ich auf jeden Fall!

Ich nahm ein Tuktuk zum Hotel und dank des Navigationssystems auf meinem iPhone war es dann auch für den Tuktuker möglich, das Hotel zu finden.
Na gut und zur Entschuldigung, Phnom Penh ist keine Kleinstadt.

Das Hotel war aus der Kategorie Stadthotel. Sehr ordentlich, aber ohne Fenster nach draußen, dafür mit Blick auf das Treppenhaus. Aber eben trotzdem genau richtig für einen wie mich, der nur zum Schlafen kommt.
Vorher erkundete ich noch die Stadt und bin gefühlsmäßig auch sofort mitten im Leben gelandet. Wie überall auf der Welt zieht Wasser an und so ist es nicht verwunderlich, dass sich das Leben entlang und in der Nähe des Mekong – Ufers abspielt.
Phnom Penh ist eine lebendige Stadt. Nichts erinnert mehr daran, dass 1975 auf Befehl fast drei Millionen Menschen diese Stadt innerhalb von Stunden zu verlassen hatten, und Phnom Penh in eine Geisterstadt verwandelt wurde. Von Armut keine Spur. Ich glaube, noch nie so viele große Autos auf einmal gesehen zu haben, wie hier in Phnom Penh. Unter Toyota und Lexus geht kaum etwas. Lexus muss wohl mal eine ganze Jahresproduktion hierher verkauft haben.


Der Weg vom Hotel zum Zentrum des Tourismus führte an zahlreichen Müllbergen auf der Straße entlang.

Das ist normal dort. Mülltonnen gibt es nicht. Jeder wirft seinen Müll auf einen Haufen. Dann kommen abends die Recycler. Sie reißen alle Beutel und Säcke auf, um Flaschen, Dosen und Plastik herauszufischen. Das Zeug bringen sie dann zu Sammelstellen und bekommen ein paar Riel dafür. Ein erbärmlicher Job, denn der Müll besteht ja auch noch aus jeder Menge organischer Bestandteile. Die entwickeln im Laufe des Tages in den schwarzen Beuteln unter Sonneneinstrahlung ihr Eigenleben. Den Gestank kann man sich kaum vorstellen. Dazwischen suchen die Ratten nach Delikatessen.
Ich las in der Zeitung, dass die Müllfahrer vor ein paar Tagen gestreikt hatten. Mit Erfolg. Diejenigen, die mit der Mistforke den Dreck einsammeln, erhalten ab sofort statt 65 Dollar 80 Dollar im Monat und müssen für ihre Dienst – T – Shirts nichts mehr bezahlen. Die Fahrer, die nie aussteigen, bekommen etwa 20 Dollar mehr. In meiner Kindheit wurden wir immer damit bedroht, wer in der Schule nichts lernt, wird Müllkutscher. Da wären solche Bilder schon abschreckend und Ansporn gewesen, seine Schularbeiten zu machen.

Das Hotel hatte kein Frühstück im Angebot. Sonnabendmorgen ging ich deshalb in den Marché Central, dem historischen Markt, der vor einigen Jahren wieder original aufgebaut wurde.

Außer Schmuck und Textilien gibt es auch einen größeren Teil mit dem normalen Lebensmittelangebot und Garküchen.
Ich wählte die immer wieder köstliche Nudelsuppe zum Frühstück.

Dann machte mich auf den Weg zum Besuch des Genozid Museums. Das ist das ehemalige Tuol-Sleng (S 21) Gefängnis des Pol Pot Regimes, eigentlich war es eine Schule . Dort wurden größtenteils die eigenen Leute und alle, die irgendwie intellektuell sein könnten, gefangen gehalten, misshandelt und fast alle danach umgebracht. Es wurde fast die gesamte geistige Elite umgebracht. Selbst Brillenträger waren verdächtig und wer eine Fremdsprache beherrschte, ebenfalls. Was dort in Kambodscha passierte, ist eigentlich nicht mit menschlichem Vorstellungsvermögen zu erfassen. Aber da empfehle ich, einfach bei Interesse nachzulesen.

Danach besuchte ich den berühmten Russenmarkt. Ein riesigeres Gedränge. Nun gut, ich war da gewesen. Mehr aber auch nicht.
Sonntag bummelte ich Richtung Königspalast.

Die Gehwege sind für alle Zwecke da, nur nicht zum Gehen.

Der eigentliche Palast war zwar offen, allerdings nicht direkt zu besichtigen. Dafür gab es viele andere Gebäude und Sehenswürdigkeiten.

Anschließend schlenderte ich die Promenade am Mekong River entlang. Es ist wunderschönes Wetter und 35 Grad.

Es wurde inzwischen dunkel und Zeit zu einem kleinen Stopp auf der Dachterrasse eines Hotels, wo eine nette Bedienung auch gleich ein Bier einschenkte
Das kambodschanische Servicepersonal ist mir als ausgesprochen freundlich in Erinnerung geblieben. Bei allen mit denen ich in Berührung kam, und das sind nicht wenige gewesen, spürte man die Lust zum Job.

Danach führte der Weg am Nachtmarkt vorbei. Außer den zahlreichen Ständen für Billigtextilien gibt es auch dort einen Bereich mit Garküchen. Das Besondere dort war, es gab keine Tische, sondern man speiste auf der Erde auf Teppichen, made in Thailand.

Montag hatte ich mir ein Tuktuk bestellt und fuhr zu den Killing Fields. Das war schon ein ziemlich staubiges Unterfangen. Die Straße wurde erneuert und so war alles nur eine einzige graue Staubwüste.


Choeung Ek war das Bekannteste, der Killing Fields.
Es war nun schon die dritte Tragödie in Folge, mit der ich in den paar Tagen konfrontiert wurde.
Die Tunnel in Vietnam, Gefängnis S 21 und nun das.
Auf den Killing Fields, von denen es in Kambodscha über 300 gegeben hat, wurden in drei Jahren Pol Pot Herrschaft 200.000 Menschen umgebracht. Wegen Mangel an Munition mit Knüppeln, Äxten, Eisenstangen und was sonst gerade zur Hand war, umgebracht. Halbtot kamen sie sowieso schon dort an. Die meisten aus dem Toul-Sleng Gefängnis.

Die Roten Khmer flüchteten dann 1979 vor den vietnamesischen Truppen, die 1978 noch einen Krieg im Mekong Delta gegen die Vietnamesen begonnen hatten. Damit war diese Herrschaft zwar vorbei, ist aber bis heute, bis auf Einzelfälle, nicht juristisch aufgearbeitet. Insgesamt sind in drei Jahren 2 Millionen Menschen ums Leben gekommen.
Und dieses Pol Pot Regime hatte noch bis 1991 einen Sitz in der UNO!

Montagabend schaute ich mich noch in der abseits der Touristenmeile um.

Dienstag flog ich dann nach Bangkok, nicht ohne vorher noch bei der Ausreise meine Fingerabdrücke hinterlassen zu müssen.

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