Thailand – 2015

Meine Urlaubszeit ist nicht unbedingt die Weihnachtszeit, sondern eher die Zeit danach. Die nutze ich für einen Ausflug nach Thailand, zuerst ein paar Tage zum Anwärmen in Pattaya.
Dort hatte ich mich mit Freunden verabredet, die zufällig zur gleichen Zeit im Land waren. Mit Roy, einem gebürtigen Engländer, der schon über 20 Jahre in Deutschland und Schwerin lebt, und Georg, einem Schulfreund aus Schwerin. Eine schöne Sache, weil man sich sonst kaum noch sieht, seitdem ich in Georgien lebe.
Georg flog dann weiter auf die Philippinen, um eine von ihm initiierte Spende, Fahrräder für Kinder, die vom Monstersturm vor einiger Zeit alles verloren hatten, zu übergeben.
So schön es ist, dass Fremde an diese Kinder denken, so schlimm ist es, dass der korrupte einheimische Zoll Profit mit seinen Machenschaften aus deren Lage schlug. Was bei den Transportkosten durch deutsches Sponsoring eingespart werden konnte, musste nachgeschossen werden, und war für weitere Hilfe erst einmal wieder verloren.

Ich gab mich den Genüssen der heimischen Garküchen hin. Erstmalig traute ich mich auch an die Insektenspezialitäten heran. Es sieht schlimmer aus, als es schmeckt.

Roy blieb zurück, als ich einen Zwischenaufenthalt in Chiang Mai einschob. Dort hatte ich ein ziemlich neues, aber traditionell gestaltetes Hotel gebucht.

Chiang Mai ist eine hübsche Stadt im Hochland des Nordens. Da wollte ich schon viele Jahre einmal hin, habe es aber nie geschafft.
Klimatisch ist es dort sehr angenehm. In der historischen Altstadt, die mit einer hohen Mauer und Wassergraben gegen Anfeindungen geschützt wurde, geht es verglichen mit anderen Städten in Asien, sehr ruhig zu.Überall wachsen Blumen und Pflanzen.
Und es gibt um die 200 buddhistische Tempel, einer immer schöner und gepflegter wie der andere.
Gegenüber Pattaya ist Chiang Mai eine Oase der Ruhe.

Den ersten Abend schlenderte ich über den Nachtmarkt in der Nähe meines Hotels. Ein umwerfendes Angebot an Handwerkskunst und natürlich auch von kulinarischen Highlights.
Einen halben Tag verbrachte ich in einer von vielen Kochschulen, um in die thailändische Küche eingeweiht zu werden. Es ist erstaunlich, welchen Zulauf diese Schulen haben. Ich habe so um die 10 Angebotsflyer gezählt.
Das Klassenbuch meiner Klasse war mit Griechen, Kanadiern, Belgiern und einem Deutschen recht international. Bei den anderen Gruppen war es dem Anschein nach auch nicht anders.
Die Beschulung fand nach dem dualen System statt. Theorie und Praxis als Einheit.
Um überhaupt zu wissen, was man verarbeitet, begann es mit einem Blick in den hauseigenen Kräutergarten. Dem folgte dann ein Marktbesuch.

Kein Markt ohne Gastlichkeit!
Frischer Fisch auf den Tisch!
Jeder Koch-Schüler hat seine eigene Kochstelle.
Unter Anleitung heimischen Personals wurden teils gemeinsam, teils individuell vorher ausgewählten Gerichte zubereitet und natürlich verzehret. Das war mehr als genug und reichte für den ganzen Tag.

Eine Tagesfahrt mit dem Bus ins Goldene Dreieck war ebenfalls eine tolle Sache. Erster Stopp war an heißen Quellen von Pong Namron, die den isländischen Geysiren ähnlich sind, wenn auch nicht ganz so mächtig

Wer Lust hat, konnte sich Wachteleier kaufen und gleich vor Ort kochen.
Dann ging die Tour weiter zum einzigen weißen Tempel in Thailand. Der ist in Rong Khun und eine wunderbar gepflegte Anlage.
Die Tempelspitze ist vor einiger Zeit bei einem leichten Erdbeben, dem wohl ersten Beben in der Region seit Menschengedenken, abgekippt

Irgendwie wird der Alkohol hier auch mit dem Teufel in Verbindung gebracht…Auch ein Glücksbrunnen fehlt nicht. Der Clou sind die goldenen Toiletten.

Es gibt auch die einfachere Variante.
Um das Heiligtum nicht zu beschmutzen, gibt es extra Wechselschuhe zum Begehen der Örtlichkeiten.
Man darf auch persönliche Wünsche äußern. Dazu gibt es kleine blecherne Schilder zu kaufen, die man beschriftet und an verschiedenen Orten aufhängen kann.
Es sind schon Millionen dieser Teile deponiert.

Normalerweise gehen die Wünsche in Richtung Glück und Gesundheit. Deutsche haben im Urlaub an dieser Stätte der Beschaulichkeit und des Friedens natürlich keine weiteren Wünsche, als eine unbefristete Anstellung bei einem netten Chef.
Dann ging es weiter ins Goldene Dreieck, dem Ausgangspunkt einer Bootsfahrt auf dem Mekong entlang der Grenzen zu Myanmar nach Laos.

Eigentlich ist kein Gold zu erkennen

In Laos hat man eine Touristenfalle in Form eines Marktes aufgestellt. Die meisten Sachen braucht die Welt nicht. Trotzdem wurde gekauft, als würde es der letzte Markttag vor der Einstellung allen Handels sein.
Ich nehme an, dass der überwiegende Teil der in Schnapsflaschen eingelegten Reptilien später am heimischen Zoll konfisziert wurde. Bei besonderem Pech wird man auch noch mit einer empfindlichen Geldstrafe belegt. Den Zoll interessiert es wahrscheinlich herzlich wenig, ob die Tiere eigens zu diesem Zweck in Farmen gezüchtet werden oder frei herumgekrochen sind.

Schlangen gab es dann auch zum Mittag. In einem voll auf die dort auf dieser Ausflugsroute massenweise anreisenden Touristenbusse ausgerichteten Restaurant. Ich habe schon öfter anlässlich von Ausflügen in Asien „Lunch included“ mitgemacht, aber meistens war es nichts Vernünftiges. Hier wurde das Büfett trotz Dauerschlangen nicht leer und geschmeckt hat alles richtig gut. Es geht eben auch anders.
Nach dem Mittag, es war inzwischen auch schon mehr Nachmittag, sind wir noch nach Mae Sai gefahren. Das ist die Grenzstadt zu Myanmar. Ein Fluß ist die Grenze.
Am Check Point herrscht reger Betrieb, aber es läuft dort mit asiatischer Gelassenheit sehr zügig ab. Wahrscheinlich kennen sich alle.
Natürlich kommt auch der Handel mit Souvenirs, wie an Grenzstationen üblich, nicht zu kurz, und geröstete Kastanien sind ziemlich populär.

Am späten Nachmittag besuchten wir noch das berühmte Schaudorf Phayao wo der Karen Tribe lebt. Auch bekannt als der Stamm der Long Necks oder Giraffenhalsfrauen.
Ein alter Bergstamm aus Myanmar, der sich dadurch auszeichnet, dass die Frauen schon im zarten Kindesalter Messingspiralen um den Hals gewickelt bekommen, der immer wieder um ein paar Umdrehungen ergänzt wird. Dadurch werden die Schultern heruntergedrückt, und nicht wie man annehmen könnte, die Halswirbel gestreckt.

Egal welcher Teil des Körpers verlängert wird, es muss jedenfalls eine Tortur sein. Alleine schon durch das Gewicht der Ringe, das bis 10 kg betragen kann. Es ist aber auch Gewohnheitssache, denn man merkt es den Kindern und Frauen nicht an. Für die Schönheit, wenn das Wort überhaupt zutrifft, zu leiden, ist deren Tradition.
Andere Menschen leiden völlig frei und traditionsungebunden während ihres Asienurlaubs im Tattoostudio.
Die Tätowierungen lassen sich im Unterschied zu den Ringen nur nicht mehr entfernen.

Überhaupt sieht alles ein bisschen nach Menschenzoo aus.
Die Dorfbewohner erkannt, dass mit dem zur-Schau-stellen Geld verdient werden kann, und so wechselte nach dem Foto so mancher Schein den Besitzer. Die Frauen lassen sich auch gerne bei der Handarbeit wie dem Weben ablichten. Sie weben Schals mit hübschen Farben und Mustern. Davon hängen Hunderte an jedem Stand. Es kann wohl niemand nachvollziehen, dass diese alle in Handarbeit hergestellt wurden, wenn man sich das Arbeitstempo ansieht. Ich glaube, wenn man sucht, findet man auch die chinesischen Kartons, in denen Handarbeiten aus aller Welt in alle Welt verschifft werden.

Offenbar sind die ZIP-Lines immer mehr im Kommen. Um Chiang Mai herum gibt es, zählt man die Flyer in den Displays der Veranstalter, mindestens auch 10 solcher Stationen. Stahlseile sind zwischen den Bäumen gespannt, an denen man dann über eine Seilrolle von Plattformen aus, von Baum zu Baum gleitet oder besser von Plattform zu Plattform.
So nahm ich dann auch an einem Ausflug zu solch einer Attraktion im Regenwald weit außerhalb von Chiang Mai teil.
An dem Tag war das Flower Festival in Chiang Mai, so dass wir nur mit Mühen und Zeit aus der Stadt kamen. So fingen wir erst einmal mit dem Mittagessen an. Sehr authentisch und geschmackvoll.

Dann folgte die Ausrüstung mit dem Gehänge und Helm, was auch so seine Zeit in Anspruch nahm. Meine Größe musste extra beschafft werden. Bisher waren wohl nur Spargel-Tarzans im Einsatz.
Dann ging es mit dem Pickup in den Berg. Das erste Anfahren war so beschleunigt, dass der Bürger aus Bangladesh hier auf dem Bild noch unversehrt, vom Sitz rutschte. Da die Klappe natürlich nicht geschlossen war, war er der erste fliegende “Dragon”. Leider unplanmäßig. Es ging mit paar Hautabschürfungen noch halbwegs glimpflich ab.
Die “Dragon Flight” Zipline verfügt über 49 Plattformen, 26 Seile mit einer Länge von ungefähr 2 Kilometern, 3 Abseilstationen an denen man in die Tiefe rauscht, 1 Skyboard und ein paar mehr Belustigungen. Auf dem Cable Walk avanciert man zum Hochseilartisten, und die Sky Bridge ist eine wackelige Hängebrücke.

Das Foto ist geborgt. Da hatte ich keine Hand frei, um ein eigenes Foto zu schießen…

Kleiner Zwischenstopp.
Diese Seilbahnen dienen nicht unbedingt nur zur Kinderbelustigung. Unter uns war gerade mal ein kleines Mädchen, das eher nicht so belustigt wirkte. Zumindest anfänglich bis das Kind merkte, es ist immer wohlbehütet und es passiert nichts.
Die Jungs, die uns assistierten, oder besser auf die Seiltrasse brachten, waren ein total eingespieltes Team und machten ihre Sache offensichtlich auch mit Freude. Man fühlte aber auch ständig die Fürsorge, dass auch ja niemand zu Schaden kommt.
Fast drei Stunden dauerte die Seilbahnfahrt, dann fuhren wir zurück. Alle hatten Spaß. Auch der Überflieger, der ja mit dem Schrecken davon kam. Er begleitete seine Frau, die auf einem Kongress in Chiang Mai war. Sie ist Ärztin und wird ihn abends schon geheilt haben. Ohne es zu ahnen, war ich in einer Zeit angereist, in der das Chiang Mai Flower Festival stattfindet. Irgendwie war die ganze Stadt im Blumenfieber und ein Blumenmeer.

Natürlich war es auch eine Touristenattraktion, wobei das eher nicht der Hauptzweck der Veranstaltung zu sein schien. Das Festival gab es wohl schon vor dem ersten Touristen. Eine Ministerin eröffnete das Event, und eine größere Anzahl von hohen Militärs waren ebenfalls erschienen. Diese prägten mit dem militärischen Zeremoniell und ihrem Auftreten das Bild bei der Übergabe der Preise für die schönsten Blumenwagen. Der Grund, warum das militärisch unterlegt war, liegt wahrscheinlich in den gegenwärtigen Machtverhältnissen mit einer Militärregierung.
Solch liebevoll geschmückte Umzugswagen, die thematisch und mit fast ausschließlich echten Blumen hergerichtet waren, sah ich bisher noch nie. Alles in mühevoller Handarbeit gestaltet.

Von Chiang Mai flog ich nach Bangkok zurück um dann mit dem Expressbus nach Hua Hin, der Sommerresidenz des Königs, zu fahren.
Der Bus war mit  Sesseln, nur drei pro Reihe, ausgerüstet. Sehr bequem!
Am ersten Abend war ich auf dem Wochenendmarkt “cicada”, der für thailändische Verhältnisse eigentlich untypisch war.
Hochwertige und offensichtlich nicht aus China stammende thailändische Handwerkserzeugnisse wurden angeboten. So viel Ordnung und solch ausgeprägte Hygiene bei der Speisenzubereitung hatte ich noch nicht gesehen.
Ein Paradies für die Entdeckung thailändischer Speisen aller Art.
Leider ist der Markt nur am Wochenende geöffnet.

Etwas rustikaler geht es auf dem Night Market zu, was aber nichts am guten Geschmack der dort angebotenen Speisen ändert. Ein täglich geöffnetes Food-Paradies für hauptsächlich Fisch und Meeresfrüchte, wobei es auch an Steaks aller Art nicht mangelt.
Tagsüber ist der Bereich eine ganz normale Straße, aber gegen Abend werden die Stände aufgebaut. Täglich. An Fleiß mangelt es dem Volk jedenfalls nicht.
So günstig und frisch gibt es Lobster selten, schon gar nicht in Europa.

Geschmeckt hat es ja, aber ich habe wieder einmal festgestellt, dass das Leben auch ohne Lobster weitergehen würde.
Hua Hin ist ein hübscher Ort, allerdings unheimlich langgezogen. Zu Fuß lässt sich da schwer etwas bewerkstelligen.  Die Song-thaews, die Pickup-Taxis, wie in Pattaya sind ziemlich rar und die Tuk-Tuks verlangen unverhältnismäßig hohe Preise.
Irgendwie ist es am Meer auch anders als sonst. Da ist das Hilton als alles überragend neben vielen kleinen Lokalen und plötzlich ist man am Ende.
“Gefährliches Gebiet” steht dran. Es ist der Bereich der Fischerei. Auf dem Umweg durch die Fischerbehausungen kommt man dann an den schiere endlosen Strand Richtung Norden.
Der Strand ist herrlich weiß und das Wasser wird erst ganz langsam tiefer. Aber so weit das Auge reicht, ist kein Badegast zu sehen, kein Sonnenschirm, keine Liege. Einfach nur Leere. Ich mogelte mich auf die Liegewiese eines Hotels, um eine Liege, Schatten und Getränke zu bekommen.
In den Restaurants in Strandnähe ist richtig Leben am Abend.  Da fragt man sich wo die Touristen am Tage sind, wenn nicht am Strand.
Vielleicht am historischen Bahnhof, der wirklich hübsch ist.
In Hua Hin traf ich Roy wieder, mit dem ich einige Zeit verbrachte und dann zurück nach Pattaya fuhr. Per Kleinbus.
Von außen sah der Van ja recht passabel aus, aber drin war es verdammt eng. Das muss man nicht haben, schon gar nicht 5 Stunden. Auch wenn er Preis noch weiter unter den Kampfpreisen deutscher Fernbusunternehmen liegt.
Mit der Sicherheit war es auch nicht weit her. Da die letzte Sitzbank nicht umgeklappt wurde, um noch drei zahlende Gäste mehr zu befördern, war natürlich für Gepäck kein Platz. So wurden dann die Gepäckstücke und Koffer in den ohnehin sehr schmalen Gang zu Tür deponiert und im verbliebenen, äußerst schmalen hinteren Bereich, über die Rückenlehne hinaus gestapelt. Natürlich ungesichert, die im Ernstfall dann zu Geschossen werden. Aus dem Auto führte wegen der Koffer auch kein Weg heraus. Als ich nach dem Sicherheitsgurt fummelte, meinte der Fahrer, wenn er fährt, sei das nicht nötig. Nun ja, so schnell wollte ich nicht ins Nirwana und wollte auch nicht unbedingt die Stadien von Exkarnation und Reinkarnation durchsterben und durchleben. Wenn es schon sein muss, dann möchte ich nur Hund bei mir selber werden, was aber leider ausgeschlossen ist. Deshalb klärte ich ihn auf, dass meine Aufmerksamkeit in der Schule dem Physik- und nicht dem Religionslehrer galt, und ich deshalb den Gurt brauche.

Die letzten Tage in Pattaya ließ ich eher weniger aktiv passieren, und außerdem waren sie schneller vorüber als gedacht.
In Istanbul hat es denn alle Passagiere, manche noch in Tropenbekleidung, kalt erwischt:
Wohl dem, der ein dickes Fell hat!
In Batumi war das Wetter natürlich auch nicht viel besser, wenn es auch keinen Frost gab.

 

 

 

 

 

 

 

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Israel – Rosh HaNikra und zurück nach Tel Aviv

Für Sonntag, den 25.  Mai hatte ich eine Tour in Richtung Norden gebucht. Über Haifa und bis an die libanesische Grenze nach Rosh HaNikra. Dort direkt in der Grenzlage gibt es ein paar Wassergrotten, die natürlich jeder Tourist gesehen haben muss. Mit einer kleinen Seilbahn geht es runter zu den Klippen.
Wieder mit der Seilbahn hinauf, steht man am geschlossenen Grenzübergang.
Sinnigerweise wird den Grenzgängern ein herzliches Willkommen angezeigt.
Dann war Acre und deren unterirdischen Stadt das nächste Ziel.
In Haifa ist die besondere Attraktion  die Bahai Gärten um den Tempel dieser Religionsgemeinschaft herum.
Jetzt war noch Caesaria, eine antike Hafenstadt zu passieren.
Dort stehen noch ein Amphitheater, Reste des alten Hafens und ein riesiges Stadion für Rennen der Kampfwagen.
Der Tag hatte es in sich, und man konnte die ganzen Eindrücke gar nicht so schnell verarbeiten. Als besonders beeindruckend fand ich die Bemühungen des Landes, die historischen Stätten zu bewahren.
Ich ließ mich vom Busfahrer in Jaffa absetzen. Jaffa ist der ursprüngliche Teil Tel Avivs und ist sehr liebevoll und im Detail erhalten und rekonstruiert. Das Gebiet des Hafens ist ebenfalls in einen touristischen Anziehungspunkt umgewandelt, und erfreut sich großer Beliebtheit bei den Touristen.
Es ist immer wieder gut, wenn man Vorurteile abbauen kann. Im Falle Israels hatte ich nicht unbedingt Abneigungen verspürt, aber keinen Gedanken an eine Reise dorthin verschwendet.

Hinterher ist man immer schlauer und ärgert sich, solange unsinnigerweise etwas versäumt zu haben.
Das Bild von langbärtigen Männern mit Hakennasen in schwarzen Anzügen mit Aktentaschen in der Hand, betrifft nur 5% der jüdischen Bevölkerung, die wiederum so um die 70% der gesamten israelischen Bevölkerung ausmacht. So muss man schon Glück haben, einem solchen Menschen zu begegnen.

Die beiden Artikel über Israel sind nur ein Bruchteilchen von dem, was ich dort in den paar Tagen gesehen und erlebt habe. Über diesen Trip könnte man Dutzende Seiten beschreiben.
Eins weiß ich mit Sicherheit.
Es war nicht die letzte Reise in dieses Land.

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Israel – Tel Aviv und ein Ausflug nach Palästina

Israel war eine ziemlich spontane Idee. Ich hatte mich mit israelischen Reisebüromitarbeitern anlässlich der EXPO in Batumi getroffen. Dabei stellte sich heraus, dass mein Bild von ihrem Land nicht der Realität entsprach. Jedenfalls nach den Berichten der Israelis zu urteilen. Irgendwann wollte ich dann das Land doch einmal besuchen. Die Gelegenheit ergab sich schneller als gedacht. Ich war nach Tbilisi wegen eines Botschaftsempfanges anlässlich einer Wirtschaftsmesse geladen. So lag ein langes Wochenende vor mir. Der folgende Montag ist gesetzlicher Feiertag in Georgien. Man gedenkt der Erklärung der Unabhängigkeit von Russland im Jahre 1918. Leider währte das georgische Glück nur 3 Jahre, bis sich Russland an seine ehemaligen Einflussgebiete erinnerte.

Wegen der günstigen Konstellation von Empfang, Feiertag und Abflugort hatte ich einen Flug nach Tel Aviv und auch das Hotel dort einen Tag vorher schon gebucht. Es gibt jeden Tag einen Direktflug nach Tel Aviv. Am Abend des 22. Mai 2014 flog ich von Tbilisi nach Tel Aviv. Um 18:15 Abflug, um 20:15 Ankunft. Besser geht es nicht.

Von oben machte die Stadt schon einmal einen guten Eindruck.
Das Hotel war mit 125 Euro pro Nacht eines der wenigen, einigermaßen preisgünstigen Hotels in guter touristischer Innenstadtlage. Nichts Aufregendes, aber wie bei fast allen meinen Reisen bin ich nur zum Schlafen und Duschen im Zimmer.
Am ersten Abend machte ich erst einmal einen Rundgang ums Haus. Ich merkte mitten im Leben angekommen zu sein. In der Dizengoff Street.
Es fiel mir schon nach dem ersten Bier auf, dass das Leben hier nicht unbedingt ein Schnäppchen ist. Mit 5 Euro pro Glas ist man dabei. Essen ist ähnlich teuer wie in deutschen Restaurants und leider nicht ganz so mein Fall. Zum Glück fand ich etwas Asiatisches, nachdem ich es mit Hummus, Kichererbsen zu undefinierbarer Creme zerstampft mit Hühnerfleischeinlage, die ich leider nicht erkennen konnte, versucht habe. Muss man ja probiert haben. Gehört dazu, wenn man verreist… Obwohl ich nur drei Löffel davon gegessen habe, reichte das kulinarische Darklight noch bis in den nächsten Tag hinein.
Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg.
Der erste Tag war Tel Aviv gewidmet. So etwas Ordentliches und Gepflegtes muss man erst einmal wiederfinden. Die Strandpromenade, die sich über Kilometer hinzieht, ist eine wahre Perle.
Das ist beispielhaft: Behinderte können fast bis ins Wasser fahren.
Es gibt den alten Nordhafen, der als aktiver Umschlagplatz ausgedient hat. wie in San Francisco oder Kapstadt wurde das Gebiet in ein Erlebniszentrum umgearbeitet. Lagerhäuser wurden zu Shopping Malls, Diskotheken, Märkten, Restaurants und anderen Highlights. Ein gewaltiger Touristenmagnet.
Die Stadt ist auch sehr interessant. Viele Häuser im Bauhausstil prägen das Bild.
Aber auch ganz moderne Bauten fehlen natürlich nicht.
Überhaupt ist die Infrastruktur hochmodern. Überall Internetzugang, natürlich kostenfrei, selbst in Reisebussen. In der Eisenbahn gibt an jedem Platz eine Steckdose und natürlich auch Internet.
An der Hotelrezeption lagen ein paar Prospekte mit Tagesausflügen und so buchte ich solche, die nach Jerusalem, Bethlehem, Jericho, Haifa, Accre, an die libanesische Grenze und ein paar anderen Stationen führten.

Jerusalem war leider nicht so einfach zu besichtigen, weil wir dem Papst natürlich den Vortritt gelassen haben. der besuchte gerade Jordanien und Palästina.
So führte die Tour erst einmal über die Shepherd´s Fields nach Bethlehem und Jericho.
Die liegen in den Palästinensischen Gebieten. Auf dem Weg dorthin sind die Grenzanlagen nicht zu übersehen. Die entpuppten sich allerdings als harmlos, nicht einmal den Pass musste man vorzeigen.
Weiter nach Bethlehem.
Dann war Anstehen in der Geburtskirche angesagt. Es war fast wie früher bei Lenin. Eine und eine halbe Stunde brauchten wir, um zum Allerheiligsten zu kommen. Dorthin, wo Jesus geboren sein soll.

Nach Jericho führte der Weg in die Nähe des Toten Meeres und an Nomadenlagern vorbei.
Die Organisation war perfekt und die Ausflüge hatten es in sich. Professionell und äußerst interessant, obwohl ich nach wie vor einfach nicht die religiösen Ereignisse nachvollziehen kann. Da fehlt es mir am ideellen  Einfühlungsvermögen.

Für den nächsten Tag hatte ich dann einen anderen Ausflug in den Norden gebucht.

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Asien 2014 – Thailand

In Bangkok kaufte ich mir gleich im Airport ein Busticket nach Pattaya. Im Preis inbegriffen, war auch gleich der Transfer vom Busterminal ins Hotel. Das ist alles sehr bequem, praktisch, professionell organisiert und funktionierte bisher immer reibungslos.
Eine SIM – Karte wurde auch gleich erstanden, die aber schon teurer als in Kambodscha war. Sie kostete so knapp 20 Euro, war aber auch so ein Sorglospaket.

Als ich im Hotel ankam, fielen mir schon jede Menge Golfausrüstungen auf. Es war ein von Golfern bevorzugtes Hotel und wer Golfer kennt, weiß, dass diese nicht unbedingt zu den anspruchslosesten Gästen zählen. So war es dann auch. Das Hotel war vom gutem Standard.

Vietnam und Kambodscha hatte ich für Kultur, Geschichte und Sightseeing auserkoren, Thailand sollte eigens der Erholung dienen.
Das zog ich auch so durch. Bei bestem Wetter wie immer. Es regnete in drei Wochen einmal 10 Minuten lang. Sonst war nur angenehme Wärme um die 30 Grad und Sonnenschein. Also schönstes Strandwetter. Mit freiem Internetzugang!

Und ich traf auch die Familie wieder, an deren Strandabschnitt ich schon öfter gelegen hatte.

Dort am Strand war ich dann auch täglich und nutzte die Zeit zum Lesen. Sonst komme ich aus unerfindlichen Gründen nicht dazu. Obwohl ich eigentlich Zeit hätte.
Den Reizen der thailändischen Speisen und sonstigen Naturprodukten war schwer zu widerstehen.


Manches muss man aber auch nicht unbedingt probieren. Das wird den 70 – jährigen von ihren 17 – jährigen Begleitpersonen vielleicht als letzte Hoffnung oder als letzter Versuch der Wiederauferstehung zubereitet.

Fast täglich ging ich in ein Blindeninstitut, wo blinde Masseusen und Masseure mit viel Hingabe und Gefühl ihre Arbeit verrichten.
Die Tage vergingen wie im Fluge. Nichtstun ist gar nicht langweilig. Eine für mich neue Erkenntnis und vielleicht schon ein Vorgeschmack auf das, was nach dem Arbeitsleben kommen könnte.

Ein wichtiger religiöser Feiertag in Thailand ist „Makha Bucha“. Der war am 14. Februar, dem Vollmondtag. An diesem Tag wird an die Predigt Buddhas, wann und wo sie auch immer gehalten worden sein soll, erinnert.
Es lag ein gespenstische Ruhe über dem sonst so schrillen Pattaya.
Alkoholausschank war offiziell verboten. Eigentlich. Natürlich wurde in allen Läden weiter Alkohol verkauft. Wenn es um das Geschäft geht, muss die Religion zurückstehen.
Auf der Straße passte die Polizei ein ganz klein wenig auf.
Die meisten der Bier- und Animierbars im Freien waren abgedunkelt. Auch die Clubs und einschlägigen Bars waren halbherzig geschlossen. Man dachte, wenn das Licht aus und die Jalousie halb runter gezogen ist, dann merkt keiner, dass im Inneren trotzdem das Leben, wenn auch gedämpfter, weiterging. Allerdings aber ganz strikt, und  ohne den ansonsten allgegenwärtigen Radau der Diskoanlagen. Es war ein stilles Fest…

Krach ist man ja gewöhnt und die vielen Life – Bands erzeugen davon ja, neben den ebenso zahlreich vorhandenen Diskoanlagen, im Überfluss davon. Diskoanlagen spielen nie falsch, die Life – Bands hin- und wieder. Die einen haben ihre konservierte Musik und die anderen oft Playback.
Der neueste Gag an den Bierbars sind Karaokeanlagen, die dann von oft völlig unmusikalischen Menschen besungen zu werden.
Hier eine Kostprobe: https://www.dropbox.com/s/0vz54nbf5574j8x/Pattaya_2014.04.mov
Wegen der Teilung des erlittenen Leids bitte ich darum, diese auch bis zum bösen Ende zu abzuspielen.

Immer wieder gerne gehe ich seit Jahren in das Restaurant „Or-Ah-Harn“. Eigentlich trifft für die meisten dieser Art von Essenausgaben die Bezeichnung „Restaurant“ nicht zu.
Der Name ist für unsere Ohren schon etwas anrüchig, was es im Thailändischen heißt, weiß ich nicht. Es kann aber durchaus etwas ganz Appetitliches bedeuten.

Die Hausfrau kocht nämlich vom Feinsten, und ich habe noch nicht ein einziges Mal daneben gegriffen.
Der Gästekreis wird von Europäern, Australiern und Amerikanern dominiert, die von ihren thailändischen Freundinnen oder Freunden begleitet werden. Insgesamt ist immer ein illustres Publikum vor Ort. Es ist dadurch nie langweilig, denn wenn man dort essen will, muss man viel Zeit mitbringen. Und die vergeht beim Beobachten der Szene sehr schnell.
Das Restaurant hat sich aber seit dem letzten Jahr einen Ruck gegeben. Es wurde augenscheinlich etwas aufgeräumt. Die großen Ölschinken an der Wand waren verschwunden. Dahinter hatten sich über Jahre mehrere Clans von Kakerlaken häuslich eingerichtet, jedenfalls war dort um die Rahmen herum immer reger Betrieb. Richtung Abwäsche, ausnahmsweise wird das Geschirr hier nicht draußen auf der Straße in Schüsseln abgewaschen, standen meistens die abgeräumten Teller in Fußbodennähe und harrten ihrer Reinigung.  Dort war ein kleines Mäuse – Eldorado.
Das Geschirr war jetzt weg und die Mäuse auch.
Übrigens hat der Heimzoo der Popularität des Hauses in keiner Weise geschadet.
Der Laden war und ist immer voll.

Ein unerwarteter Höhepunkt war dann kurz vor der Abreise noch ein Wiedersehen mit meinem alten Schulfreund Georg. Durch einen Zufall, eine E-Mail war falsch gelaufen und mein Sohn schickte mir diese hinterher, erfuhr ich, dass Georg in Thailand ist. Auch in Pattaya.
Mit Hilfe seiner Firmenmitarbeiter, sozialen Netzwerken und anderen Quellen war er schnell geortet, und so trafen wir uns dann plötzlich und unerwartet bei Peter.

Peter - rechts im Bild

Georg hat eine Sofwarefirma und einer seiner ehemaligen österreichischen Vertragshändler, nämlich dieser Peter, ist aus dem Geschäft ausgestiegen, nach Thailand gegangen, hat dort geheiratet und eine dieser gut laufenden Bierbars gegenüber vom Strand gekauft…und inzwischen noch mehr.
Wir verbrachten dann zwei Abende zusammen und hatten natürlich viel zu erzählen.

Unsere Wege trennten sich Freitag dann wieder. Georg fuhr mit dem Fahrrad nach Phuket. Über 800 km! Respekt, wir haben ein Alter. Ich würde das nicht überleben. Aber er ist außer in der Antarktis wohl schon überall in der Welt zu solchen Gewalttouren aufgebrochen und kam gerade aus Myanmar, wo er die Berge bezwungen hatte.

Ich reiste am Sonntag kurz vor Mitternacht wieder ab. Das unbeschwerte, sonnige und schöne Leben war vorbei.
Turkish Airlines brachte mich schon in der Luft wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Mit der Bordverpflegung. Graue gekochte Beefklöpschen mit Spinat, der eher an Silage erinnerte, mit denen die LPG – Kühe früher im Winter gefüttert wurden, und irgendetwas anderes Schlammiges war noch in der Assiette. Nach dem ersten Probieren habe ich es aufgegeben. So abrupt  wollte ich nun nach den kulinarischen Highlights der letzten Wochen doch nicht in die Wirklichkeit zurück.
Drei Stunden vor der Landung, nachts kurz vor drei Uhr!, gab es Frühstück. Rührei von undefinierbarer Konsistenz. Ein einziger gelblicher Matsch, zusammen mit einer Art durchweichten und lauwarmen, wahrscheinlich mit Käse gefüllten Toastecke, in einer Assiette. Dazu wurde laut Menu das Brotsortiment gereicht. Dieses Sortiment hat bei meiner,  inzwischen nicht unerheblichen Anzahl von Flügen, noch nie aus etwas anderem bestanden, als einem unförmigen Teigklops, ursprünglich als Brötchen konzipiert, in der Mikrowelle heißgemacht.
Ich habe vor langer Zeit mal einen Bericht im Fernsehen gesehen, in dem Star- und Sterneköche in aufwändigen Versuchsreihen die Menüs für die Airlines kreierten. Das war alles schick. Wenn sie das mit den praktischen Ergebnissen vergleichen, würden sie wohl nie wieder ihr Gesicht und ihren Namen für solche Aktionen hergeben.
Flugzeuge sind nun auch keine Restaurants. Die Sitzposition ist schon zum Essen unmöglich, dafür aber zum Bekleckern gut geeignet. Ich habe zum Glück noch nie den Mittelsitz besessen, aber da kann ich mir das eher als Quälerei vorstellen, wenn man die Gabel zum Mund führen will.
Das Sortiment beschränkt sich für den normalen Holzklassenpassagier sowieso meistens auf Chicken oder Beef, meistens mit den Beilagen zusammen als ein einziger Pamps serviert. Die Methode zum Erhitzen der Portionen hat noch nicht das letzte Entwicklungsstadium erreicht.
Das Meiste auf den Trays wird ohnehin nicht gegessen und landet im Abfall.
Es ist um so mehr aber positiv hervorzuheben, dass gerade Turkish Airlines ein sehr umfangreiches Sortiment für Reisespezialisten auf Vorbestellung bereitstellt. Jeder  Wunsch infolge Krankheiten, Unverträglichkeiten, Allergien, religiöser Einschränkungen, Ernährungssonderfällen wie Vegetarier, Veganer und was es sonst noch für bekannte und unbekannte Befindlichkeiten  gibt, wird berücksichtigt.
Nachdem ich einmal meinen Sitznachbarn genüsslich Garnelen und Lachs verzehren sah, und er mir erklärte, er hätte asiatisch bestellt, tat ich das beim nächsten Mal auch. Das war dann leider fast ohne Fisch, dafür mit Käseausgleich, den ich nun gar nicht favorisiere. Außerdem vertragen 90% der Asiaten aber wegen ihrer Laktoseintoleranz wohl auch gar keinen Käse. Da war wohl etwas schiefgelaufen, obwohl es richtig beschriftet war.
Jedenfalls möchte ich nicht neben einem Chinesen sitzen, der dann doch davon genascht hat… Die Folgen sind dramatisch und es gibt kein Entrinnen. Von mir aus kann die warme Bordverpflegung völlig eingestellt werden. Ich würde auch dafür plädieren, das Essen gleich am Boden zu lassen, und an Bedürftige zu verteilen.
Aber ich sehe schon, solche abwegigen Gedanken gefährden Arbeitsplätze. Nicht nur beim Bordpersonal, sondern viel schlimmer bei den Caterern und deren Zulieferern, Einweggeschirrherstellern, Strom-, Gas- und Wasserversorgern und …. Eine Kette ohne Ende. Und ein Milliardengeschäft – weltweit gesehen.
Auf jeden Fall hat mir die Enthaltsamkeit nichts geschadet. Ich habe ja Reserven. Und nachdem der Flieger, eine Boeing 777-300 morgens zwischen fünf und sechs so sanft landete, dass man es kaum merkte,  hatte ich ohnehin 6 Stunden Zeit, etwas Ordentliches zu essen. Das wurde dann in der Lounge aufgetischt.

Der Flug nach Batumi, alle saßen schon im Flieger, die Türen waren geschlossen, verspätete sich um eine dreiviertel Stunde. Es wurde nach vermissten Koffern gesucht, die noch mitgenommen werden sollten.
Das ist ja lobenswert, und aus der Sicht der Kofferbesitzer auch eine gute Idee. Ich erlebte selber mehrfach die Nichtankunft meines Gepäcks. Es schoss mir aber auch wieder ein, dass ich in Hamburg wegen meiner eigenen Unaufmerksamkeit einmal 10 Minuten zu spät zum Einchecken kam, und nur wegen „höherer Gewalt“, das Flugzeug aus Istanbul war verspätet in Hamburg angekommen, und nur wegen der besonderen Freundlichkeit der Dame am bereits geschlossenen Check in – Counter, noch mitgenommen wurde. So lässt die Fluggesellschaft 100 Menschen auf drei verspätete Koffer warten, aber auf einen verspäteten Menschen kann im Normalfall keine Rücksicht genommen werden. Selbst, wenn die Türen noch gar nicht geschlossen sind.
Aber was sind schon 45 Minuten im Verhältnis zu den herrlichen 4 Wochen. Ich hatte auch keinerlei Unmut deswegen verspürt. Mit jedem Flug wird man ruhiger und geduldiger, und wird nicht wegen jeder Kleinigkeit nervös.
In Batumi wartete ohnehin keiner auf mich. Ich hatte niemanden um Abholung gebeten. Gerade wegen der Unwägbarkeiten.

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Asien 2014 – Kambodscha

Der Flugplatz von Siem Reap ist klein und beschaulich, und wirkt schon eher wie eine Tempelanlage mit seinem Abfertigungstrakt.

Der Versuch, ein e-Visum zu bekommen, war gescheitert. Ich hatte es auf einer offiziellen Seite der kambodschanischen Regierung beantragt und auch per Kreditkarte bezahlt. Leider kam die E-Mail mit dem amtlichen Brief nie an. Offensichtlich war ich auf eine gefakte Seite reingefallen. Die 28 Dollar wurden später anstandslos von der Kreditkartengesellschaft erstattet.
So stellte ich mich dann am Visum – Schalter an. Visa wurden am Fließband verteilt. Alles war bestens organisiert und nach Abgabe von Passbild und 20 Dollar klebte das Dokument im Pass.
Eine Telefonkarte mit 3 Gigabyte und 100 Minuten für 3 Dollar erstand ich gleich auf dem Flughafen. Günstiger geht’s nicht.
Am Flughafen ist Taxigeschäft zentral geregelt. Es gibt einen einzigen Stand, an dem die Autos zugeteilt werden und es gibt einen Festpreis. In Siem Reap läuft der Straßenverkehr wesentlich ruhiger ab, als in Vietnam. Es sind auch nicht so viele Fahrzeuge auf den Straßen und man gewinnt den Eindruck, alles läuft in Schrittgeschwindigkeit. Das war schon angenehm.
Der Wechselkurs und das Umdenken in die Fremdwährung sind kein Problem. Auch in Kambodscha wird man schnell reich. 1 Euro sind so ungefähr 5500 Riel. Der Einfachheit halber ist in diesem Land aber alles in Dollar ausgepreist. Riel ist mehr Notgeld und wird gerne als Wechselgeld herausgegeben, was man natürlich trotzdem überall wieder zum Bezahlen nutzen kann.

Als das Taxi vor dem Hotel hielt, dachte ich schon, wieder an den falschen Fahrer gekommen zu sein. Es erinnerte mehr an einen Tempel als an ein Hotel.

Aber auch mit diesem Hotel hatte ich mich selber gut beraten. Nicht das international monotone Outfit, sondern landestypisch, solide und bestens ausgestattet.

Sogar mit einem schönen Pool auf dem Dach.

Nachmittags war Stadtbesichtigung. Die Stadt konzentriert sich auf einen überschaubaren, touristisch aufgepeppten Stadtkern. Den Rest kann man getrost links liegen lassen, abgesehen von ein paar schönen Hotel und Parkanlagen und dem Ufer des Siem Reap Rivers.

Überall wie in Asien üblich, wird Essen auf der Straße angeboten. Das ist unheimlich preiswert und schmeckt meistens ganz hervorragend. Die Babyschlangen auf dem Grill sahen zum Anbeißen aus, und so probierte ich natürlich ein Exemplar. Es schmeckte nicht besonders außergewöhnlich und war ziemlich schwer zu kauen. Ein Mix aus Leder und Knorpel.

Das Tuktuk ist neben den Mopedtaxis das öffentliche Hauptbeförderungsmittel. Sie sind allgegenwärtig und jeder Fahrer fragt natürlich jeden Passanten nach „Tuktuk?“, was auf die Dauer lästig ist. Das war schon ein Vorgeschmack auf Thailand, wo einem genauso oft und auf Schritt und Tritt „Massaaage“ angeboten wird.
Das Leben in Kambodscha ist sehr günstig. Essen kostet 3-6 Dollar pro Portion im Restaurant, oder aber auf Wunsch auch in ein paar wenigen Häusern etwas mehr. Bier vom Fass kostet fast generell pro 0,3 l unter 1 Dollar. Oft noch mit 24 Stunden Happy Hour verbunden.
Es sind viele Europäer im Stadtbild zu sehen. Scheinbar Dauergäste, denn man sieht sie mit Fahrrädern und mit Lebensmittelpaketen bepackt. Kein Wunder, denn es haben nicht alle Länder das deutsche Rentenniveau und man kann dort ein gutes Leben für wenig Geld haben.
Es gibt enorm viele Bettler, auch meistens Kinder, die irgendwas verkaufen oder auch nicht. Sie sind meistens Postkarten und mit einer Art Kleiderbügel,  mit Armbändern bestückt, ausgerüstet. Die Kinder wissen schon genau, was sie für einen Dollar haben wollen und sind trotz ihrer vielleicht manchmal nur 4 Jahre äußerst geschäftstüchtig und zahlensicher. Gerade die Kinder setzten auf Zermürbungstaktik. Sie hängen sich solange an den Touristen und erzählen in einer Endlosschleife, dass sie 3 Armbänder für einen Dollar oder ähnlich nutzlose Dinge verkaufen wollen, bis man wegen seiner Ruhe den Dollar zückt und im nächsten Moment sinnloses Zeugs dafür in der Hand hält.

Am Abend nahm ich mir die heimische Küche vor.

Ich entschied mich für “Amok”, nicht laufen, sondern essen. Eine Fischspezialität im Kokosfond und im Bananenblatt angerichtet. Ein wunderbares Essen. Wegen der Fülle im Restaurant hatte nicht jeder einzelne Gast seinen eigenen Tisch.
So wurde eine junge Frau meine Tischnachbarin. Sie schrieb Postkarten und es war unvermeidlich, dass ich die Adressen sehen konnte. Beide in Schwerin.
Dann fragte ich natürlich nach und die junge Frau war Anna, eine Schwerinerin, die in Saigon für einen Verlag arbeitet. Sie hatte wegen des Tet – Festes in Vietnam Urlaub und wollte nach Angkor Wat.


Zufälle gibt es!
Donnerstag hatte auch ich mir für Angkor Wat vorgenommen. Angkor Wat ist eigentlich der Name für die Hauptattraktion. Angkor selbst ist ein riesiges Gelände mit weit verstreuten Tempelanlage. Quellen sprechen von der Größe New Yorks.
Von der Reiseplanung her hatte ich sowieso nur einen Tag für die Tempel gedacht. Man kann auch für 3 Tage oder Wochentickets kaufen. Mein Gefühl hatte mir aber eingeredet, ein Tag würde genug sein. Also buchte ich über das Hotel ein Tuktuk für die kurze Tour. Das sind 17 km und kostet 18 Dollar.
Die erste Station ist das Ticketoffice. Tickets gibt’s mit Passbild und vielleicht sogar fälschungssicher. Da das Gelände nicht eingezäunt werden kann, wird das Ticket dann aber auch entsprechend oft gefordert, begutachtet und als echt erkannt. Der Tuktuk Fahrer fährt entlang der Route und hält dann bei allen wichtigen Tempeln.
Wenn ich richtig gezählt habe, waren es 6. Es war schon imposant und erschlägt den Betrachter fast! Vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass solche Steinmassen schon vor fast 1000 Jahren errichtet wurden. Die Tempel sind aber eigentlich mehr nur Gänge und haben keine Hallen oder größeren Räume.

Manchmal gibt es kleine Nischen, in denen Statuen oder andere Reliquien gezeigt werden. Meistens ist dann auch eine Art Mönch zugegen, der mit den religiösen Besuchern kommuniziert und mit ihnen betet. Ich glaube aber auch Gauner ausgemacht zu haben. Die halten sich ebenfalls an solchen Stellen auf, sind aber ziemlich normal angezogen. Wenn der fotoversessene Tourist das heilige Ensemble fotografiert hat, werden ihm sofort Räucherstäbchen in die Hand gedrückt und dann von diesen Menschen für ein paar Sekunden in einer Art heilige Bewegung gebracht. Also irgendwie zum Kopf und mit ein bisschen Bücken. Man ist ja geneigt, einen Obolus für die Stäbchen zu hinterlegen. Ich wollte gerade einen Dollar aus der Tasche ziehen, als ein Tuch angehoben, wo schon mehrere 10 Dollarscheine drapiert waren und aufgefordert, auch 10 Dollar hinzulegen. Der Typ musste lernen, wer zu viel verlangt, bekommt gar nichts.

Abgesehen vom Angkor Wat, erschienen alle anderen Tempel irgendwie gleich. Meistens sind es Ruinen, durch die man dann klettert oder die man besteigt. Die Natur holt sich ihren Teil zurück. Mit der Kraft der Baumwurzeln. In Deutschland wäre es mit Sicherheit nicht möglich, solche Relikte zu besichtigen. Sie wären allesamt wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Die Tour bei über 30 Grad und mit unendlich lang erscheinenden Wegen, die man zu Fuß zurücklegen muss, zehrt schon an den Kräften. Am Nachmittag war ich dann auch entsprechend gerädert und froh, mit der Ein-Tagestour so vorausschauend gewesen zu sein.

Bisher hatte ich noch keinen Gedanken daran verschwendet, wie ich nach Phnom Penh komme. Es gibt natürlich Busse, Flugzeuge und Taxi. Fliegen ist ja schnell und gut, aber mit dem Bus sieht man doch mehr vom Land.
Dachte ich.
Das wirklich freundliche und kompetente Personal an der Rezeption besorgte mir das Busticket. Am Freitag, gegen Mittag, wurde ich von einem kleinen Van am Hotel abgeholt und zum Busterminal gebracht. Im Internet und auf den Plakaten sah der Bus richtig nach Reisebus aus. Aus der Nähe betrachtet war es ein verschlanktes Modell mit 40 Plätzen. Leider waren die Sitze in die Schlankheitskur einbezogen worden. Mein Nachbar, ein junger Koreaner mit etwas mehr als meiner Figur, brauchte seine gesamte Sitzbreite und noch ein bisschen mehr. So versuchten wir uns über die Distanz von 7 Stunden zu arrangieren.
Der Bus hatte zwei Fahrer, einer von ihnen saß mangels anderer Gelegenheit abwechselnd auf einem Gartenstuhl, und einen Reiseleiter. Der fungierte auch noch als Steward mit Feldwebelautorität und als Sprecher des Piloten.
Es herrschte Disziplin! Nicht wie schon so oft erlebt, steigt jeder nach einem Boxenstopp dann wieder ein, wann er es für richtig erachtet. Hier wurde minutiös abgefahren.
An einer Raststätte war die Möglichkeit gegeben, zu essen. Der Laden war so perfekt organisiert, dass jeder aus 6 verschiedenen warmen Speisen wählen konnte und alle tatsächlich innerhalb 30 Minuten auch schon bezahlt hatten.
Ansonsten war nicht besonders viel oder Interessantes entlang des Weges zu sehen. Oft bestand die Straße nur aus einer sandigen Schotterpiste, und es war wegen des Staubes kaum Hand vor Augen zu sehen. Nebelfahrt auf Kambodschanisch. So sahen dann die anliegenden Gebäude und Anlagen auch aus. Überall dicker und bräunlicher Belag, der die allgemeine Trostlosigkeit noch verstärkte.


In der Dämmerung, gegen 6 Uhr abends, strömten Tausende Arbeiterinnen aus den entlang der Straße angesiedelten Textilfabriken, die für Adidas, H&M und Co. für Hungerlöhne den ganzen Tag schuften, zu den bereitstehenden Armadas von Bussen, Pick up, Mopeds und Lastwagen. Das sah schon bedrückend aus, auch bei dem Gedanken, dass für diese Leute morgen und übermorgen und immer wieder das gleiche Elend von vorne beginnt.
Abends um 8 Uhr kamen wir dann auch in Phnom Penh an.
Das nächste Mal fliege ich auf jeden Fall!

Ich nahm ein Tuktuk zum Hotel und dank des Navigationssystems auf meinem iPhone war es dann auch für den Tuktuker möglich, das Hotel zu finden.
Na gut und zur Entschuldigung, Phnom Penh ist keine Kleinstadt.

Das Hotel war aus der Kategorie Stadthotel. Sehr ordentlich, aber ohne Fenster nach draußen, dafür mit Blick auf das Treppenhaus. Aber eben trotzdem genau richtig für einen wie mich, der nur zum Schlafen kommt.
Vorher erkundete ich noch die Stadt und bin gefühlsmäßig auch sofort mitten im Leben gelandet. Wie überall auf der Welt zieht Wasser an und so ist es nicht verwunderlich, dass sich das Leben entlang und in der Nähe des Mekong – Ufers abspielt.
Phnom Penh ist eine lebendige Stadt. Nichts erinnert mehr daran, dass 1975 auf Befehl fast drei Millionen Menschen diese Stadt innerhalb von Stunden zu verlassen hatten, und Phnom Penh in eine Geisterstadt verwandelt wurde. Von Armut keine Spur. Ich glaube, noch nie so viele große Autos auf einmal gesehen zu haben, wie hier in Phnom Penh. Unter Toyota und Lexus geht kaum etwas. Lexus muss wohl mal eine ganze Jahresproduktion hierher verkauft haben.


Der Weg vom Hotel zum Zentrum des Tourismus führte an zahlreichen Müllbergen auf der Straße entlang.

Das ist normal dort. Mülltonnen gibt es nicht. Jeder wirft seinen Müll auf einen Haufen. Dann kommen abends die Recycler. Sie reißen alle Beutel und Säcke auf, um Flaschen, Dosen und Plastik herauszufischen. Das Zeug bringen sie dann zu Sammelstellen und bekommen ein paar Riel dafür. Ein erbärmlicher Job, denn der Müll besteht ja auch noch aus jeder Menge organischer Bestandteile. Die entwickeln im Laufe des Tages in den schwarzen Beuteln unter Sonneneinstrahlung ihr Eigenleben. Den Gestank kann man sich kaum vorstellen. Dazwischen suchen die Ratten nach Delikatessen.
Ich las in der Zeitung, dass die Müllfahrer vor ein paar Tagen gestreikt hatten. Mit Erfolg. Diejenigen, die mit der Mistforke den Dreck einsammeln, erhalten ab sofort statt 65 Dollar 80 Dollar im Monat und müssen für ihre Dienst – T – Shirts nichts mehr bezahlen. Die Fahrer, die nie aussteigen, bekommen etwa 20 Dollar mehr. In meiner Kindheit wurden wir immer damit bedroht, wer in der Schule nichts lernt, wird Müllkutscher. Da wären solche Bilder schon abschreckend und Ansporn gewesen, seine Schularbeiten zu machen.

Das Hotel hatte kein Frühstück im Angebot. Sonnabendmorgen ging ich deshalb in den Marché Central, dem historischen Markt, der vor einigen Jahren wieder original aufgebaut wurde.

Außer Schmuck und Textilien gibt es auch einen größeren Teil mit dem normalen Lebensmittelangebot und Garküchen.
Ich wählte die immer wieder köstliche Nudelsuppe zum Frühstück.

Dann machte mich auf den Weg zum Besuch des Genozid Museums. Das ist das ehemalige Tuol-Sleng (S 21) Gefängnis des Pol Pot Regimes, eigentlich war es eine Schule . Dort wurden größtenteils die eigenen Leute und alle, die irgendwie intellektuell sein könnten, gefangen gehalten, misshandelt und fast alle danach umgebracht. Es wurde fast die gesamte geistige Elite umgebracht. Selbst Brillenträger waren verdächtig und wer eine Fremdsprache beherrschte, ebenfalls. Was dort in Kambodscha passierte, ist eigentlich nicht mit menschlichem Vorstellungsvermögen zu erfassen. Aber da empfehle ich, einfach bei Interesse nachzulesen.

Danach besuchte ich den berühmten Russenmarkt. Ein riesigeres Gedränge. Nun gut, ich war da gewesen. Mehr aber auch nicht.
Sonntag bummelte ich Richtung Königspalast.

Die Gehwege sind für alle Zwecke da, nur nicht zum Gehen.

Der eigentliche Palast war zwar offen, allerdings nicht direkt zu besichtigen. Dafür gab es viele andere Gebäude und Sehenswürdigkeiten.

Anschließend schlenderte ich die Promenade am Mekong River entlang. Es ist wunderschönes Wetter und 35 Grad.

Es wurde inzwischen dunkel und Zeit zu einem kleinen Stopp auf der Dachterrasse eines Hotels, wo eine nette Bedienung auch gleich ein Bier einschenkte
Das kambodschanische Servicepersonal ist mir als ausgesprochen freundlich in Erinnerung geblieben. Bei allen mit denen ich in Berührung kam, und das sind nicht wenige gewesen, spürte man die Lust zum Job.

Danach führte der Weg am Nachtmarkt vorbei. Außer den zahlreichen Ständen für Billigtextilien gibt es auch dort einen Bereich mit Garküchen. Das Besondere dort war, es gab keine Tische, sondern man speiste auf der Erde auf Teppichen, made in Thailand.

Montag hatte ich mir ein Tuktuk bestellt und fuhr zu den Killing Fields. Das war schon ein ziemlich staubiges Unterfangen. Die Straße wurde erneuert und so war alles nur eine einzige graue Staubwüste.


Choeung Ek war das Bekannteste, der Killing Fields.
Es war nun schon die dritte Tragödie in Folge, mit der ich in den paar Tagen konfrontiert wurde.
Die Tunnel in Vietnam, Gefängnis S 21 und nun das.
Auf den Killing Fields, von denen es in Kambodscha über 300 gegeben hat, wurden in drei Jahren Pol Pot Herrschaft 200.000 Menschen umgebracht. Wegen Mangel an Munition mit Knüppeln, Äxten, Eisenstangen und was sonst gerade zur Hand war, umgebracht. Halbtot kamen sie sowieso schon dort an. Die meisten aus dem Toul-Sleng Gefängnis.

Die Roten Khmer flüchteten dann 1979 vor den vietnamesischen Truppen, die 1978 noch einen Krieg im Mekong Delta gegen die Vietnamesen begonnen hatten. Damit war diese Herrschaft zwar vorbei, ist aber bis heute, bis auf Einzelfälle, nicht juristisch aufgearbeitet. Insgesamt sind in drei Jahren 2 Millionen Menschen ums Leben gekommen.
Und dieses Pol Pot Regime hatte noch bis 1991 einen Sitz in der UNO!

Montagabend schaute ich mich noch in der abseits der Touristenmeile um.

Dienstag flog ich dann nach Bangkok, nicht ohne vorher noch bei der Ausreise meine Fingerabdrücke hinterlassen zu müssen.

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Asien 2014 – Vietnam

Das erste Mal seit fast 15 Jahren genehmigte ich mir einen ganzen Monat Urlaub am Stück. Eine Kombination aus Sightseeing und Erholung.
Die Route verlief über die Türkei – Thailand – Vietnam – Kambodscha – Thailand und zurück nach Georgien. Die zeitlich risikoreichste Etappe führte von Batumi über Istanbul nach Bangkok, und von dort gleich weiter nach Ho Chi Minh City, auch bekannt als Saigon. In Istanbul hatte ich knapp einundeinhalb Stunden zum Anschlussflug. Erfahrungsgemäß kommt es reichlich oft vor, dass sich der Abflug in Batumi verzögert. Aber dieses Mal lief alles pünktlich und stressfrei. Die nächste Hürde hatte ich in Bangkok selbst aufgebaut. Dort war noch weniger Zeit zum Transfer, weil ich mir drei Stunden zusätzlicher Wartezeit zum nächsten möglichen Abflug ersparen wollte. Bangkoks Flughafen ist obendrein wesentlich größer, und ich hatte zwar ein E-Ticket, aber noch keine Bordkarte für den Flug mit Vietnam Airlines. Aber auch dort lief alles reibungslos und Saigon war relativ schnell, trotz zweimaligen Umstiegs, nach etwa 15 Stunden erreicht.
Die Vorarbeit für das Vietnam – Visum hatte vorher schon eine Agentur in Deutschland geleistet, und ich hatte auch gleich deren Angebot für den Transfer vom Flughafen zum Hotel angenommen. Damit hält man sich die Invasion lästiger Taxigauner am Terminalausgang vom Hals und ist vor preislichen Überraschungen sicher. Außerdem empfinde ich es nicht als besondsers tolles Urlaubsabenteuer, wenn Taxifahrer nach der Angabe des Wunschzieles ahnungslos umherirren und unterwegs andere, meist noch ahnungslosere Kollegen, nach dem Weg fragen. Im Verlauf des Aufenthaltes stellte sich allerdings heraus, dass das in Saigon so nicht passiert wäre. Die Erteilung des Visums mit Hilfe des vorab zum Preis von 8 Euro erhaltenen „Einladungsschreibens“ lief dann recht zügig ab. In einer Viertelstunde, und nach Überreichung eines Passbildes und 45 US Dollar hatte ich das Visum im Pass. Damit marschierte ich dann zur Passkontrolle. Angesichts der nichtachtenden, emotionslosen und total unfreundlichen Abfertigung, kam mir in den Sinn, dass wir früher bei jeder Gelegenheit für Vietnam spenden mussten. Für die Anschaffung von friedensschaffenden Waffen, aber auch für Schulsachen. Der Beamte konnte vielleicht deshalb nur Lesen und Schreiben lernen, und verdankt den Posten in seiner Kontrollhütte somit diesem Umstand. Trotzdem, war kein erkennbares Zeichen von Dankbarkeit zu registrieren…

Der Fahrer wartete schon am Ausgang, und so fuhren wir dann in das Hotel „Golden Rose“. Unterwegs, beim Stopp am Geldautomat, wurde ich Millionär. Eine einfache Plastikkarte verschaffte mir den plötzlichen Reichtum vom zwei Millionen Dong, leider nur im Gegenwert von etwa 70 Euro. Das Hotel war relativ verkehrsgünstig gelegen und sehr ordentlich ausgestattet.

Kostenfreies WLAN inbegriffen. Internet gehört in allen asiatischen Ländern, in denen ich gewesen bin (auch hier in Georgien), zum Standard in Locations mit Publikumsverkehr, natürlich so gut wie fast überall ohne Identifizierung und Kosten.
Da muss kein Gastronom oder Hotelier befürchten, von dubiosen Abmahnfirmen mit strafbewehrten Unterlassungserklärungen wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen oder sonstiger Rechtsverstöße seiner Gäste zur Kasse gebeten zu werden. Wenn der Hotelier dem Gast einen Kugelschreiber ausleiht, mit dem dieser dann ein ungedeckten Scheck ausstellt, ist der Hotelier doch gegenüber dem geprellten Scheckempfänger auch nicht haftbar. Im Prinzip ist der Internetzugang nicht anders zu betrachten, als der Kugelschreiber. Das kann Justitia in Deutschland mit den verbundenen Augen offensichtlich nicht erkennen, und in der Folge muss ein bürokratischer Aufwand und Nachweis geführt werden, wer wann und mit welcher IP-Adresse welche Internetseite besucht hat.

Beim Einchecken ins Hotel wurde der Pass einbehalten. Das empfand ich schon etwas gewöhnungsbedürftig. Dass eine Kopie angefertigt wird, ist ja in vielen Ländern, einschließlich in Georgien, noch „normal“, wenn auch anrüchig. In Vietnam, wo Hammer und Sichel auf rotem Tuch die Staatssymbole sind, ist diese Sicherstellung noch gängige Praxis. Mit meinem Urlaub bin ich zeitgleich ins Tet – Fest, ết Nguyên Đán, dem wichtigsten Ereignis des Jahres in Vietnam, geraten. Das ist das Neujahrsfest nach dem Mondkalender und ist auch gleichzeitig der Beginn des Frühlings. In Thailand habe ich das ähnlich schon mehrfach erlebt, wo es als das Chinesische Neujahrsfest gefeiert wird. So ging ich erst einmal auch die Stadt erkunden, wenn man bei den Ausmaßen überhaupt auch nur Bruchteile sieht. Es gibt trotzdem überall und immer eine City oder Altstadt, Downtown oder sonstige Touristenanziehungspunkte, die man ziemlich schnell findet. So auch in Saigon, wo ich nach einer kurzem Weg auch gleich mittendrin war. Alles war festlich geschmückt und die Straßen voller Menschenmassen. Manche Reiseführer behaupten, es ist nichts los in dieser Zeit, weil alle ihre Verwandten besuchen oder Wallfahrten machen. Ich hatte eher den Eindruck, dass alle nach Saigon gekommen sind.

Wirtschaftlich wirkt sich das Fest schon teilweise schmerzlich aus. Auch in Saigon waren mindestens die Hälfte aller Geschäfte und Restaurants geschlossen und im gesamten produzierenden Gewerbe, dem Dienstleistungssektor und dem Baugewerbe drehen sich die Räder kaum, und wenn doch recht langsam. Ausländische Investoren bringen dafür wenig Verständnis auf, las ich dort in irgendeiner Zeitung.
Die geöffneten Restaurants und Geschäfte waren natürlich bestens besucht und die Besitzer hatten wohl die fröhlichsten Tage des Jahres in ihrem Umsatzjournal zu verzeichnen.

Gerade an solchen Feiertagen kommen die historischen und architektonischen Schönheiten besonders zur Geltung, und sind besonders besucht.

Sonntag besuchte ich das Kriegsopfermuseum, gleich in Sichtweite zum Hotel.
Dieses Land war Jahrzehnte von Kriegen und französischer Kolonialherrschaft heimgesucht, und diese Schreckenszeit endete dann zum Glück mit dem Ende des Vietnamkrieges 1975.

Die Amis waren die Letzten Eindringlinge und gaben alles!
Bomben, Minen, Napalm, Agent Orange, Folter, Massenmord…
An den ausgestellten Kriegsgeräten wie Panzern, Flugzeugen, Haubitzen waren auch Tafeln mit der unglaublichen Anzahl und Menge der eingesetzten Teile angebracht. Es muss ein Massengeschäft mit astronomischen Gewinnen für die Produzenten gewesen sein.
Es sind in diesem Museum erdrückende Bilder, Kriegsgeräte, Dokumentationen und Materialien ausgestellt, die so viel sinnloses Leiden belegen und eigentlich unvorstellbar sind. Noch heute sieht man auf den Straßen schrecklich entstellte und verstümmelte Menschen, die sich mit Betteln durchschlagen. Nachwirkungen von Napalm und Agent Orange oder Minenexplosionen.

Da war dann der anschließende Rundgang danach über ein Festgelände in einem riesigen Park das absolute Kontrastprogramm. Die Regionen des Landes hatten wundervolle Handwerksarbeiten aus natürlichen Materialien ausgestellt, und Blumen und Pflanzen zu Kunstwerken gestaltet.

Vietnam ist das Land der Uniformen und erinnert damit an die DDR Mentalität.
Dort hatte auch jeder mindestens irgendeine Uniform im Schrank. Armee, Polizei, Zoll, Bahnpolizei, Kampfgruppen der Arbeiterklasse, Zivilverteidiger, GST, Feuerwehr, Post, Reichsbahn, Wasserwerker, Busfahrer und bestimmt noch viel mehr.
In Vietnam gibt es bei den Parkwächtern für die zahlreichen Mopeds, davon alleine schon in Saigon über 7 Millionen zugelassene, gleich mehrere Modetrends und Zuschnitte für die Uniformen. Zuerst dachte ich, es wären alle Polizisten.
Vietnams Verkehr ist wie in vielen asiatischen Ländern von Mopeds dominiert. Sie sind ohne Zweifel lebensnotwendig für die Menschen, aber wohl auch eine Landplage. Alles ist auf Mopeds zugeschnitten. Es gibt grundsätzlich abgeschrägte Bordsteine, um besser auf die Gehwege und die anliegenden unzähligen Abstellflächen zu gelangen. Überall vor Fußwegen, sogar vor dem Zebrastreifen sind Gitter und Barrieren aufgebaut, um Mopeds abzuwehren. Für Europäer sind das ungeahnte Stolpermöglichkeiten, weil niemand mit solchen Hindernissen rechnet. Mittelstreifen auf den Straßen sind massiv und dicht, um zu verhindern, dass alle und überall drehen und wenden.
Es gibt an den Magistralen eigene Fahrbahnen für Zweiräder.
Und wer vermutet schon eine Kette an der Fußgängerampel am Zebrastreifen?

Das Geschäft mit den Mopedparkplätzen floriert ungemein und ist streng reglementiert. Parkwächter, natürlich in Uniform, gibt es proportional zur Anzahl der Mopeds. Kein Moped steht ohne angetackerten Parkschein irgendwo herum. Das Kontrollsystem über den Verbleib des Parkgeldes und der Parkscheine ist ausgeklügelt und wird gnadenlos durchgezogen.

Saigon hat nicht nur französisch geprägte Architektur zu bieten, sondern natürlich auch das asiatische Flair mit den typischen Märkten, Gerüchen, Hektik und auch normaler Unordnung.

Bisher war ich noch nicht mit Süßholz in Berührung gekommen. Eigentlich schade, denn der daraus mit eigens entwickelter Technik gepresste und gekühlte Saft ist eine schöne Erfrischung.

Montag unternahm ich dann eine erste Tagestour zum Cao Dai – Tempel und zu den Cu Chi – Tunnelanlagen mit dem Umweg über eine Art Reha – Einrichtung, in der kunstvolle Gegenstände per Handarbeit hergestellt werden. Angesichts des riesigen Angebots im angeschlossenen Verkaufsraum bin ich mir aber nicht unbedingt sicher, dass dort nicht auch chinesische Importe untergemischt sind.

Der Tempel war von umwerfender Schönheit, in einer Art, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Der Mittagsgottesdienst erschien mir eher wie eine Art Parade mit führenden Armbindenträgerinnen und -Trägern, und vielleicht sollte man eher von Service sprechen. Besonders bei den Frauen fiel mir auf, dass die Truppe total überaltert war. Vielleicht verhalf ihnen der Glaube, dass sie überhaupt noch laufen konnten.

Die Tunnelanlagen von den Viet Minh ab 1948 gegraben, waren da schon etwas beklemmender.
200 Kilometer Tunnel! Das System reichte bis an den Mekong heran. Tunnel in drei Etagen mit der Infrastruktur einer Stadt. Eine Stadt unter der Erde. Mit gut getarnten Eingängen.


Und mit Abwehrtechnik vom Grausamsten.

Aber auch technische Raffinessen waren eingebaut. Ein Syphonsystem gegen das Einleiten von Giftgas und gut getarnte Entlüftungen.

Trotzdem war es heiß und stickig und eng. Die Tunnel wurden teilweise schon für Touristen aufgeweitet.

Es ist ein Wunder, wie Menschen dort über Jahre leben und ja auch arbeiten konnten, wie zum Beispiel in Waffenschmieden.

Dienstag wurde es dann wieder etwas freundlicher.
Um 8:00 Uhr wurde ich vom Hotel abgeholt. Zu einer Fahrt mit dem Speed Boot ins Mekong Delta.

Der erste Stopp war an einer kleinen, aber hübschen Tempelanlage.

Dann legten wir bei einer Familie an ihrem Haus an einem Flussarm an.

Danach wurde gleich noch einmal angelegt, um in ländlicher Umgebung eine Kokosnuss (im Reisepreis von 110 Dollar inbegriffen) serviert zu bekommen.

Weiter ging es.

Dann noch ein kleiner Abstecher über einen naturbelassenen Markt auf dem Weg zum Mittagessen.

Mittag gab es in einer Art Familienersatzlager für Kinder mittelloser Eltern. Das Essen war im Gegensatz zu den sonst bei Tagestouren angebotenen inklusiven Mahlzeiten, außergewöhnlich gut, reichlich und schmackhaft. Der Fisch war sozusagen die Attraktion und wirklich köstlich.

Danach besichtigten wir noch ein kleineres Exemplar von der Art des Cao Dai – Tempels.

Die Rückfahrt verlief dann wirklich mit Speed und ohne weitere Unterbrechung. Das Flussufer ist mit skurrilen Hütten bebaut. Wenn von zerstörten Häusern infolge von Hochwasser oder Überschwemmungen in den Nachrichten berichtet wird, dann sind damit oft diese Bauten gemeint. Man wundert sich, dass sie nicht schon bei normalem Wasserstand in den Fluten versinken. Wobei sie aber weich fallen, denn seit dem Erstbezug wird der Müll kontinuierlich unter das Haus gekippt und wächst immer höher. Mit erhöhtem Wasserstand wird dann hin- und wieder etwas davon „abgefahren“. Diesen Fluss zu bereinigen und zu entgiften wird, falls sie jemals in Angriff genommen wird, wohl eine Jahrhundertaufgabe sein.

Es war ein schöner Tag, wenn auch nicht gerade ein Schnäppchen.

Auf dem Weg vom Fluss wurde mir am helllichten Tag und auf offener Straße beinahe mein Handy geklaut. Ich stehe auf dem Gehweg und suche in Navigationssystem nach Orientierung, als ich plötzlich merke, wie jemand das Handy berührt. Ein Mopedfahrer auf dem Gehweg ist ja insofern nichts Besonderes, aber dieser versuchte mein Telefon während der Fahrt zu greifen. Er war zum Glück nicht so treffsicher, so dass das Manöver misslang. Später las ich dann auch Warnungen vor solchen Vorfällen irgendwo in Reiseberichten.
Auf jeden Fall war es eine unentgeltliche Verwarnung.

Mittwoch war dann der Flug nach Kambodscha, nach Siem Reap gebucht. Ich fuhr mit einem Taxi zum Flugplatz. Taxi gehören zu den wenigen Autos in Vietnam. Das Straßenbild wird von Mopeds geprägt. Die Taxis in Saigon könnten Vorbildwirkung für viele Städte haben. Sauber und ordentlich, optisch neuwertig, äußerlich schon mit allen nötigen Informationen einschließlich bebildertem Tarifhinweis, sofort und für jeden Touristen verständlich, versehen. Die Taxifahrer ebenfalls in einer Art Uniform ansprechend gekleidet, wirken vertrauenerweckend.

Das Taximeter ist keine Dekoration, sondern schaltet sich automatisch ein. Es erfolgt eine zweisprachige Ansage, in der noch einmal der Tarif erklärt wird und das man bitte nur bezahlen möchte, was angezeigt wird. Und das war im Verhältnis zu Deutschland so gut wie nichts. Und das Bisschen kann man selbstverständlich mit der Kreditkarte bezahlen. Ich bin mehrfach mit dem Taxi gefahren und jeder Fahrer kannte auf Anhieb das angegebene Ziel. So stelle ich mir in meinen kühnsten Träumen den georgischen Taxiservice vor.

Der Flug mit nach Siem Reap, dem Ausgangspunkt für die Angkor Wat Tempel war kurz. Eine knappe Stunde.

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Thailand 2013

Arbeitet man im touristischen Bereich, sollte man nützlicher weise Erfahrungen über die Befindlichkeiten von Touristen besitzen. Nichts ersetzt die eigene Erfahrung und somit ist Urlaubszeit auch Arbeitszeit. Ziel ist es ja, das Gute weiter zu entwickeln und das Schlechte unbedingt vermeiden.
Ist man in der Lage sich in die Psyche des Zielsubjektes „Tourist“ hineinzuversetzen und hat selber schon etliche Höhen und Tiefen hinter sich gebracht, kann man von vorne herein vieles besser machen, frei nach dem Anglerlatein „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“.
Zur Geschmacksprobe eignet sich Thailand aus georgischer Sicht z.B. besser als ein Trip zum Nordkap und so gab es nicht viel zu überlegen.
Es gibt viele Parallelen in der Gesellschaft und in der Einstellung der Menschen zum Leben in beiden Ländern.

Also auf nach Thailand.
Will man von Batumi irgendwohin in diese Welt, dann führen fast alle Wege über Istanbul. Im Sommer 6 und im Winter 4 Mal pro Woche. Immer um 18.05 Uhr, wenn dann der Flieger auf dem Zweistundenflug von Istanbul nach Batumi nicht schon häufig mit Verspätung ankommt.
Batumi ist weit vorne, denn wir haben einen Internationalen Airport.Klein und überschaubar, ja beschaulich und mit den internationalen Drehkreuzen nun gar nicht zu vergleichen. Wie auch im Zahlungsverkehr. Es ist wohl einer der ganz wenigen Flughäfen weltweit, die nur inländische Währung an den Bistros akzeptieren.
Das “international“ in der Namensgebung bedeutet lediglich, dass hier auch Flugbewegungen über die Grenzen Georgiens hinaus stattfinden, und weil es so eine Art georgisch – türkischer Familienflugplatz ist. Die Menschen im Nordosten der Türken, die nach Istanbul fliegen wollen, wählen zwischen Trabzon und Batumi. Von oder nach Trabzon ist sicherlich unkomplizierter, weil es ein Inlandflug ist und meistens noch preiswerter, aber es werden Abflug- und Ankunftszeiten und Anfahrtswege einkalkuliert, so dass jeder für sich optimal entscheidet.
Für die Internationalität spricht auch, dass der Airport von TAV einer türkischen Ground Service Company gemanagt wird. Es steht zwar noch nichts geschrieben und es hat sich nach Manageraussage auch nichts verändert, aber die Gesellschaft ist vor einiger Zeit schon an einen französischen Investor verkauft worden.

In Istanbul ist es mit der Beschaulichkeit dann aber schlagartig vorbei.
Der Flughafen Atatürk ist ganz einfach nur überbelastet. Man könnte glauben, die gesamte Menschheit trifft sich hier. Deshalb soll ein weiterer Flughafen dort in Stadtnähe gebaut werden. Bis 2016 soll er fertig sein.
Bisher ist noch nichts Erdbewegendes passiert. Macht aber auch nichts, denn in der Türkei gibt es keine Planfeststellungsverfahren. Wenn die Regierung etwas für wichtig erachtet, wird es gebaut. Und es wird auch fertig. Eher wahrscheinlich als Berlin – Brandenburg, Stuttgart oder die Elbphilarmonie.
Sollte ein Vogel oder ein Frosch dort wohnen, muss er umziehen. Ich erinnere mich an früher, als ganze Dörfer um Bitterfeld oder in der Lausitz wegen Braunkohlentagebauen umziehen mussten. Die Menschen. Die Häuser fielen ganz einfach in die Grube als Abraum.

Irgendwie vergingen die sieben Stunden zwischen der Ankunft aus Batumi und dem Boarding nach Bangkok. Alle waren an Bord, aber dann ging es doch noch nicht los, weil erst einmal zwei junge Frauen neben mir auf den hinteren Plätzen wieder aus dem Flugzeug entfernt werden sollten. Warum weiß ich nicht und die beiden dachten gar nicht daran wieder auszusteigen. Es war mit viel Heulen und Schreien, dem sich abwechselnden hilflosen und offensichtlich unprofessionellen Auftritt von mehreren wichtigen Persönlichkeiten, einem Polizisten und einem Sicherheitsmenschen, ausgerüstet mit Kabelbindern für die Fixierung der Unwilligen, verbunden. Was der Polizist machen sollte, wusste er wohl selber nicht. Wenn ich die Sache so richtig sehe, haben die Passagiere mit dem Ausreisestempel im Pass das Land verlassen und somit den Aktionsbereich der Polizeigewalt. Aber das ist Völkerrecht und das ist genau so kompliziert wie alle anderen Rechte. Nach fast einer Stunde nahm das Spektakel über eine eigens an die Hecktür herangefahrene Gangway dann ein zwangsweise freiwilliges Ende. Auf jeden Fall war damit die Verspätung fixiert.

Der Flug dann war bis auf einige erhebliche Turbulenzen unaufgeregt und in Thailand war dann der Transfer nach Pattaya bis in das Hotel wegen der servicefreundlichen Verkehrsgesellschaften wie immer problemlos. Am Airport bucht man unter Angabe seines Hotels, falls man eins hat, sein Ticket mit Platzreservierung und fährt mit einem komfortablen Reisebus bis zum Busterminal. Dort stehen Minibusse mit den Hotelnamen an der Windschutzscheibe, die dann jeden in sein gewünschtes Hotel bringen.
Das gebuchte Hotel, das „Sunshine Garden Resort“ stimmt mit den Internetbeschreibungen, wenn man denn berücksichtigt, dass diese wie schon erwähnt, lyrisch und mit Photoshop aufgepeppt wurden, ziemlich überein und ist auch soweit schön.

Der Eingang sieht ja schon mal gut aus - im Internet schön gemacht

Die Wirklichkeit - auch nicht schlecht!

Es ist ein riesiges Areal wo man Mühe hat, das Hotel zu entdecken. Die nur zweistöckigen und schmalen Gebäude sind U-förmig angelegt und verschwinden hinter dem herrlichen exotischen Baumbestand. Den Mittelpunkt bildet ein gepflegter Pool.

Ich hatte mich ja im Vorfeld dazu entschieden, ein „besseres“, also gerne auch teureres Haus zu  nehmen.
Allerdings unterscheidet sich meins in der Ausstattung nicht gravierend von den Hotels, die ich bisher immer zum etwa halben Preis oder weniger gebucht hatte. Insofern lohnt es sich nicht, mehr als 30 Euro pro Nacht auszugeben. Die Hütten sind alle abgewohnt und renovierungsbedürftig. Was kaputt ist, bleibt kaputt, wenn es nicht lebenswichtig ist. Die Einrichtung ist überall handgeschnitzt, Fenster und Türen wie aus dem Kinderbaukasten und die Badeinrichtung spartanisch. Keine Dekoration, dafür aber ein Safe, wo auch endlich einmal ein Notebook und noch mehr mühelos hineinpassen. Woanders ist Internet im Preis inbegriffen. Hier überteuert und noch dazu im Schneckentempo.

Ein deutscher Kenner der Szene, der schon über 20 Jahre mit einer Thai verheiratet ist, sagte, die Hotels werden gebaut, 20 Jahre betrieben, in denen nichts gemacht wird und dann abgerissen und neu gebaut. Ob das nun immer so stimmt, sei dahingestellt, aber ganz realitätsfremd ist es nicht.

Der Service im Hotel passt leider nicht ganz zum aufgerufenen Preis. Freundlich sind alle durchweg. Ganz im Gegenteil zu den Internetbewertungen, wo sich die Schreiber immer wieder über Unfreundlichkeit und Sprachprobleme auslassen. Die Thailänder sind freundlich, auch wenn sie kein karnevalistisches Lachen und Verhalten an den Tag legen und die die Sprachstörungen liegen nach meinen Beobachtungen oft auch zur Hälfte auf deutscher Seite begründet.

Ähnlich wie in Georgien, und in mancher Beziehung kann man Deutschland getrost schon einmal einschließen, mangelt es beim Service hier an ausgebildetem Personal.
Anleitung, Kontrolle und Vorbildwirkung des Managements fehlen wohl gänzlich, wenn es um die „Software“, also das Personal geht.
Ein kleiner Seitenblick in die Arbeitsweise: Die Zubereitung eines Fruchtmixgetränkes erfährt seine individuelle Vollendung durch den Geschmackstest, indem ein Löffel dann gerne schon zwei-dreimal in den Blender getaucht und abgeleckt wird. Immer derselbe Löffel natürlich.
Wir lernen noch.

Der „Hardware“ wird allerdings maximale Aufmerksamkeit gewidmet. Kameras wo man sie nie vermutet hätte, ein Papierkrieg beim Verkauf einer Flasche Cola oder Austausch einer Klopapierrolle, der selbst uns akkurate Deutsche erstaunen lässt, und was parallel natürlich noch elektronisch erfasst wird. Das Geld geht immer durch zwei Hände, von Kameras überwacht. Extrem gesehen, und um bei der Klopapierrolle zu bleiben, werden die vom Lagerhalter ausgegebenen Rollen in Metern oder Abrissen mit dem Inhalt der neben jedem WC stehenden Abfallbehälter für das benutzte Papier verglichen. Und wehe da fehlt was. Die Verlockung ist groß, weil das gleiche Produkt auch zu Hause und selbst in Restaurants als Serviette benutzt wird. Die Fehlerquote ist wieder einmal auf den Gast zurückzuführen. Auf den europäischen Gast. Der sich nicht daran hält, das Papier nach Benutzung  in die eigens vorgesehenen Abfallbehälter zu werfen und es stattdessen einfach mit runterspült.

Das Servicedilemma ist auch beim Frühstücksbüfett zu erleben. Selbstbedienung. Klar, das ist ja der Sinn des Büfetts und man deckt sich mit den Speisen und Zutaten seiner Wahl ein. Sofern noch vorhanden.
In  einem Ferienhotel wird Frühstück von 7 bis 10 Uhr vorgehalten. Wer geht um sieben schon hin? Und diejenigen, die in Auswirkung des hier aus interkulturellen Gründen etwas mehr in die Nacht verschobenen Tages dann „normal“ aufwachen, können aber auch getrost gleich liegen bleiben. Ab neun Uhr wird der Nachschub sowieso schon reduziert, und die Stühle werden hochgeklappt.
Eigentlich so eine gute Geschäftsidee, um den profitzehrenden Wareneinsatz zu reduzieren. Schlittenverkauf im Hochsommer. Wenn da nicht so einige renitente Deutsche oder Postsowjetbürger wären, die tatsächlich schon um neun am Pool liegen und vorher das Frühstück in Anspruch genommen haben.

Eigentlich wäre der self-service mit dem Beschaffen der Speisen beendet. Aber bei der Tischauswahl geht das Problem los. Entweder ist der noch in dem Zustand wie von den Vorgängern verlassen, oder schon abgedeckt und nur nicht abgewischt und mit Tasse, Besteck und Menagen neu bestückt. Also heißt es selber Hand anlegen und den Müll einfach einen Tisch weiter umlagern. Im Serviceschrank kennt sich der Gast inzwischen aus und findet Besteck und Zubehör. Bei etwas Glück ist in der Kaffee- und Teestation noch etwas in der Kanne.Wenn man dann alles zusammen hat, taucht auch mal eine Bedienung auf, die sich freut, dass ihr jemand die Arbeit abgenommen hat. Nicht weil sie faul ist. Nein. Sie ist für 20 Tische ganz alleine da. Und nicht nur dafür. Sie muss auch noch den Nachschub an Besteck, Kaffeegeschirr und den anderen Tischutensilien heranschaffen und den Abraum beseitigen.
Ich habe ihr mal ein wenig Mut gemacht und erklärt, dass es unmöglich ist, was man hier veranstaltet und sie und alle ihre Kollegen die Leidtragenden sind, weil der Gast gerne die Schuld dem am nächsten Stehenden gibt. Das verbreitete sich wie ein Lauffeuer und der Farang, der Ausländer, wie hier die Touristen genannt werden, wird seitdem von allen Kellnerinnen und Kellnern mit Extraaufmerksamkeit bedacht.

Etwas anders ist der Poolservice gelagert. Dem fehlt eindeutig der Antrieb. Die lungern zu dritt am Tresen herum und warten, dass mal ein Badegast wegen eines Getränkes vorspricht.
Wenn dieser dann Zeit findet. Dort am Pool treffen beispielsweise pensionierte bayrische Beamte in Badehosen aufeinander, die den echten Lederhosen im Detail nachempfundenen sind, um sich auszutauschen, welche Rechte und Vorteile man noch in Anspruch nehmen könnte und wie man früher kraft seiner Wassersuppe den Zuständigkeitsbereich regiert hat. Jedes dritte Wort ist Beamter und Recht haben.
Oder ein paar von meinen Ossimitbürgern geben ihre Erfahrungen weiter, wo es Bratwurst und Bouletten oder Eisbein für 110 Baht, also knapp 3 Euro, gibt, und wo was am billigsten ist. Sie kaufen wie ich immer noch in der Kaufhalle ein und sprechen gerne von den Arbeitskollegen. Eigentlich ein weißer Schimmel.

Und da haben wir die Glücklichmacher: Bouletten aus irgendwas, Bratwürste, eine Art Knacker, weiche zahnarztfreundliche Brötchen und die kalt gewordenen Bratkartoffeln. Na dann guten Appetit! Thailand sorgt sich um die Imbiss-Süchtigen.

Wo soll der Servicegedanke auch herkommen? Aufgewachsen sind die Servicekräfte in aller Regel in Verhältnissen, die sich der europäische Gast gar nicht vorstellen kann, wenn er nicht schon mal eine kleine Rundreise im Land unternommen hat. Die Tischsitten, falls dort zu Hause überhaupt ein Tisch vorhanden ist, unterscheiden sich grundlegend.
Sechs Schuljahre, davon bestimmt viel Zeit mit Lernstoff in Religion und Geschichte der Monarchie verplempert, bringen wenigstens etwas, aber nichts Ausreichendes für das Leben.
So werden die armen Fast-noch-Kinder dann in die gastronomische Materie mittels “learning by doing” eingeführt. Was sie nicht an Wissen mitbringen, kompensieren sie meistens mit Freundlichkeit und Herzlichkeit. Es scheint niemanden zu interessieren, dass man den sicherlich lernwilligen und –fähigen Mitarbeitern Vieles  auf einfachem Wege beibringen könnte. Ein Mensch, der wie ein Chef aussieht oder sich benimmt, ist mir hier noch nicht über den Weg gelaufen. Es läuft ja auch so. Hauptsache, die Kohle stimmt.
Es erinnert mich an den georgischen Service, der auf ähnlichen Strukturen aufbaut.

Wenn man das alles weiß, dann beschwert man sich auch nicht. Die Leute können es einfach nicht besser wissen und somit auch nicht besser tun. Außerdem immer schön das Preis – Leistungsverhältnis im Auge behalten. Es gibt viel Leistung für wenig Preis. Diese Art Luxusprobleme fallen im Hinblick auf alle sonstigen tausend Annehmlichkeiten, die das Land des Lächelns bietet, überhaupt nicht ins Gewicht. Sie beeinträchtigen die weiteren Reiseplanungen, weder meine noch die der meisten anderen Touristen, schon gar nicht. Der überwiegende Teil der Touristen macht nämlich ebenfalls einen sehr zufriedenen Eindruck.
Bis auf ein paar Irrläufer, die sehen das anders.
So ein deutsches Ehepaar. Flüchtiger erster Eindruck: Er Typ Erster Lagerverwalter Abteilung Schrauben Rechtsgewinde ISO M6 bis M12 Sechskantkopf; sie entweder Typ Hausfrau oder pensionierte Unterstufenlehrerin.
Während der Fahrt im Songtaw (bedeutet Zweibanktaxi und ist ein Pickup mit zwei Längsbänken) im abendlichen besonders dichten Stau, und als mal wieder überhaupt nichts vorangeht, fragt sie sich ganz empört wie DIE denn hier Geld verdienen wollen, wenn sie nicht schneller fahren. Er konnte der fundamentalen Feststellung der Gattin beipflichten und sie auf eine soeben ausgestiegene attraktive norwegische Blondine hinweisen und fragend feststellen, wie DIE sich zurechtgemacht hatte.
Beide hätten besser in den Harz fahren sollen. Westharz natürlich.

Ich jedenfalls schätze hier die freundlichen und hilfsbereiten Menschen, schönstes Wetter, exotische Speisen, Früchte und Säfte Natur pur. Überall Blütenpracht. Es gibt alles zu kaufen, selbst was es nicht gibt.
Und es wird alles Erdenkliche für Leib und Seele getan.
Zum Beispiel die Massagen. Es gibt mindestens so viele Masseurinnen und Masseure wie Pattaya Einwohner hat. Fast mindestens genauso viele sind es eigentlich streng genommen gar nicht. Sie sind in diesen, eigentlich Staatsexamensberuf, wenn überhaupt, nur auf Schmalspur eingewiesen oder haben sich das von denen, die es schon tun, abgeschaut. Jeder zweite Laden ist ein Massagesalon und dann gibt es noch ganze Paläste davon. Und den Strand nicht zu vergessen, da kommen auf 100 Quadratmeter auch mindestens 2 Frauen, die die Badegäste durchwalken möchten. Nicht so öffentlich und schlecht zu zählen sind natürlich die Räumlichkeiten ohne Schaufenster, von denen es wegen anhaltender Nachfrage auch zahllose gibt. Das Massagespektrum reicht über den ganzen Körper oder die Einzelteile. Das Personal erfasst beide Geschlechter, wobei die Damen überwiegen, und wird zweckgebunden eingesetzt, bzw. bringt sich selber ein.
So gibt es dann die Gruppenmassagen für die mit Bussen zugeführten Reisegruppen aus Ost und Fernost. Die werden zügig ohne große Umzugszeremonie, also eigentlich wie sie gekommen sind, hinter großen Schaufenstern als Lockmodelle massiert. Insbesondere ist das die beliebteste Methode bei der Fußreflexzonenmassage.
Die normale sogenannte Thai-Massage mit vollem Knochen- und Muskeleinsatz auf beiden Seiten, ist dann schon mal etwas freizügiger. Da bleibt nur der Bikini oder die Unterhose an und findet meistens auch in kleineren Kollektiven und halbtransparent statt.
Man sollte vor dem fragwürdigen Genuss einer solchen Massage vorsichtshalber mal bei Eckart von Hirschhausen “Die Leber wächst mit ihren Aufgaben” unter “Kopfschmerz” nachlesen, was dabei alles so passieren kann.
Die Ölmassage wird dann regulär unbekleidet ausgeführt, wenn nicht traditionelle Gründe dagegenstehen. Meine georgischen Mitbürger, oder wie ich es bei den Türken im türkischen Bad erlebt habe, werden auch dann auf dem Verbleib des letzten Stück Stoffs beharren.
Egal welche Behandlung gewählt wurde, kann diese individuell gestaltet werden. Man entscheidet: Masseurin oder Masseur, jung oder alt, Saal oder Privatraum, Kopf oder Fuß oder von Kopf bis Fuß, trocken oder Öl, soft bis strong, mit oder ohne Schamhüllen oder bekundet sonstige Extrawünsche. Abhängig vom Etablissement werden die Glieder auf Wunsch weich und geschmeidig massiert oder auch nicht. Diese Sonderwünsche sind auf den Displays allerdings nicht vermerkt oder im Kassensystem erfasst. Das ist dann VHS.

Seit dem ich früher einmal durch Zufall die Massage durch blinde Menschen entdeckt hatte, gehe seit dem am liebsten zu den Blinden, die mangels anderer Voraussetzungen zu Masseuren ausgebildet wurden. Mit ihrem hervorragenden Tastsinn finden sie auch im Dunklen die Stellen, die es nötig haben oder zur Entspannung beitragen. Außerdem haben sie ihren Job halbwegs ordentlich gelernt. Sie leben und arbeiten hier alle in zwei verschiedenen Blindeninstituten und führen die gängigen Massagen aus. So ist ihnen ein relativ bescheidenes aber sicheres Leben möglich und sie haben stets und ständig Hilfe und Versorgung um sich herum. Die Ölmassage dort ist angenehm und hinterlässt einen entspannten und gut durchbluteten Körper. Man fühlt sich immer ein bisschen neuer als vorher.

Dank der vielen Touristen aus Russland und einigen anderen ehemaligen föderativen Sowjetrepubliken ist das Einkaufen von Bekleidung für mich erleichtert worden. War das früher ein Krampf. Die schönsten Hemden, die ich als Hemdenfetischist gerne angezogen hätte, waren ungeeignet, weil die Ärmel den Ärmchen der Thais angepasst waren und wenn schon mal ausnahmsweise die Bauchweite stimmte, dann war das Hemd zu kurz und der Bauch wieder frei. Der Bergwerksarbeiter aus dem Ural oder aus dem Donezkbecken, der Stahlschmied aus Magnitogorsk, der Türsteher eines Edelbordells oder Bodygard eines Oligarchen passten jedenfalls auch nicht in solche Hemden. Als immer mehr Kunden mit diesen Konfektionsgrößen auftauchten, passte man endlich das Sortiment an, um nicht umsonst den Laden oder Stand zu öffnen.

Gut bis 5XL ist der Sprung vielleicht doch zu groß für mich

Und noch etwas hat sich unheimlich positiv entwickelt. Früher hatte man Probleme, die lästigen Händler, die sich immer wieder in den Weg stellten und einem alles aufschwatzen wollten, was die Welt nicht braucht, abzuwimmeln. Da ist ein Paradigmenwechsel eingetreten.
Thailands freie Bürger sind mit Handys, Tablett-PC, iPhones, iPads und Samsungs, Spielkonsolen, Notbooks und was es sonst alles an den modernen Seeligmachern gibt, flächendeckend und über alle Bevölkerungsschichten versorgt. Alle, auch jeder kleine Straßenhändler oder Ladenhüter, Wachmann, Kellner, Polizist und Kleingewerbetreibende hat so ein Teil permanent im Anschlag. Natürlich mit den Ohrstöpseln verbunden, die beim Gespräch nicht extra rausgenommen werden.

Der Wachmann hat mit Sicherheit keinen Nerv für die Sicherheit frei. Eine halbe Stunde hat er nicht einmal den Blick von seinem Teil abgewendet.

Das führt zu dem glücklichen Umstand, dass sie gar keine Auge und Ohr für die Vorbeiziehenden Touristenströme haben und potenzielle Kundschaft, die wirklich etwas erstehen möchte, muss erst einmal nachdrücklich  auf sich aufmerksam machen.
Verstärkt wird die Zurückhaltung noch dadurch, dass ständig gegessen wird. Natürlich gleichzeitig. Tausende fliegende Garküchen bringen immer und überall Speisen an jeden beliebigen Ort. Verhungern braucht keiner, obwohl es viel Elend gibt.

Falls ich noch einmal nach Antalya komme, was nicht auszuschließen ist, hoffe ich für die türkischen Mitbürger, dass sie ebenfalls voll technisiert sind und ihnen die laut Straßenhändlerbibel einführende Sinnlosfloskel: „Hallo mein Herr, ich habe da mal eine Frage!“ im Halse stecken bleibt.

Nach zwei Wochen oberschmackhaftem Thaifood war ich gestern beim Japaner. In der „Fuji“ – Kette. Japanisches Essen gehörte hier in Thailand schon immer zu meinen Favoriten. Deutsche, Franzosen, Schweizer und Österreicher glauben ja immer noch, wir sind die schönsten und besten Köche. An der Qualität und dem internationalen Rang dieser Küchen zweifelt ja auch kein Mensch. Aber was die Japaner auf den Tisch bringen, steht nach meinem Dafürhalten auf gleicher Stufe. Bloß davon wird nicht viel gesprochen. Soviel Frische, soviel Kreativität in der Rezeptur und filigrane Kunst in der Anrichteweise lassen eigentlich keine Wünsche offen.

7,50 Euro mit dem köstlichen Fruchtgetränk.

Da soll mal einer meckern.

Eventuell bei dem deutschen Gast, den ich letztens in einem „deutschen“ Restaurant in der Nähe meines Hotels beim Essen beobachtete.
In das Lokal gehe ich wegen des freien und schnellen Internets manchmal. Trotz des lausigen Fassbieres, und die ebenfalls angebotene Thaiküche zeichnet sich durch absolute Geschmackslosigkeit aus. In Rücksicht auf das Publikum, welches sich im Urlaub wie zu Hause fühlen möchte.
Was der gute Mann aß, war keine Spezialanfertigung, ich fand es so in der Karte. Es war ein Stück gebratenes Beef, mit gedämpften Mischgemüse und Salzkartoffeln. Ohne Sauce, Heinz Ketchup stand ja im Menagenbehälter. Er sagte auch noch, es hätte geschmeckt!
Das ist dann asiatische Küche mit deutschen Impressionen in Kombination mit dem American Lifestyle. Umgekehrt konnten sich unsere deutsche Spitzenküche zu fernöstlichen Geschmacksfeuerwerken hinreißen lassen.
Currywurst!
Soll demnächst bei McDonalds oder Burger King Einzug halten. Dann aber mindestens mit der Sauce von Uncle Heinz.

Passend zur pseudodeutschen Atmosphäre wird der Gast über die Straße von einem abgehalfterten reindeutschen Discjockey mit wunderschön dämlichen Überleitungen zwischen den Uralttiteln wie „Marmor, Stein und Eisen bricht“, „Rosamunde“, „Kleiner Gartenzwerg“ und weiteren dieser Stücke berieselt. Wahrscheinlich hat er auf dem Flohmarkt den CD-Koffer gekauft, der einem meiner Diskotheker 1992 im Landgasthaus Brüsewitz während des Abbaus geklaut worden sein soll.

Auf dem Rückweg passierte ich noch eine Thai Bar Beer (kein Schreibfehler) in der eine Truppe Karnevalisten wahrscheinlich den geknackten Jeckenpott auf den Kopf haute. Bei 30 Grad im Schatten, rheinischen Karnevalsvolksliedern und mit Teufelshörnchen auf dem Kopf. Die eigenen Muttis waren mit angereist aber auch für die Junggesellen war gesorgt. Die in der Bar tätigen Prostituierten mischten kräftig mit.

Alle Annehmlichkeiten sind zu erschwinglichen, manchmal unverständlich niedrigen Preisen, zu haben, die jedoch von den zahlungskräftigen und überall präsenten russischen Touristen mehr und mehr verdorben werden.
Die schmeißen immer und überall mit dem Geld oder umgerubelten ehemaligem Volkseigentum nur so um sich.
Für das Reiseland ist das nun erst mal kein Schaden.
Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung über das Verhalten russischer Touristen und deren Stigmatisierung, muss ich trotz meiner nicht angeborenen oder anerzogenen Liebe oder sonstigen Affinität zur Sowjetunion feststellen, das stimmt so pauschal nicht.

Ich habe sie immer wieder ziemlich angepasst erlebt. Das eigentliche Problem scheint zu sein, dass die Russen fast ausschließlich immer und überall in Gruppen oder Großfamilien aufschlagen. Damit wird es plötzlich wegen der üppigen Körperfülle der meisten Damen und Herren eng und voll, und es  ist natürlich sofort mit Unruhe verbunden, ohne dass sie dabei aus der Rolle fallen. Und diejenigen, die es bis ins Ausland schaffen, sind in der Regel gut gebildet und haben normale Umgangsformen. Der Nachwuchs hat sich offensichtlich von der kalorienreichen russischen Küche entfernt und so kommt Hoffnung auf, dass es demnächst dann nicht mehr gleich so voll wird.
Ich habe da ganz andere Leute in meiner Gastronomievergangenheit erlebt. Ein paar Rheinländer oder Sachsen im Päckchen oder ungefragt Vereinslieder krakelende Kegelklubs können wesentlich mehr nerven als ein ganzer Russenbus.
Und von wegen, die sind immer nur besoffen!  Klar hat jeder schon mal besoffene Russen erlebt. Bestimmt aber auch genau so viele Deutsche oder andere Nationalitäten. Hier sogar die streng gläubigen Araber, die sich dem Teufel Alkohol hingeben. Allah ist fern.
Die Russen trinken nicht unbedingt mehr als Deutsche, Nordeuropäer oder Briten. Und wenn, dann  vertragen sie erheblich mehr, weil sie entsprechend „unterfüttern“.

Die neue georgische Regierung unter Führung des „Georgischen Traums“ beabsichtigt ja, das Verhältnis zu Russland zu entspannen und somit Handel und Wandel und somit den Tourismus aus diesem Quellenmarkt wiederzubeleben.
Im Rennen um die Gunst der Touristen starten Thailand aus der Poolposition und Georgien irgendwo auf den hinteren Plätzen. Die Infrastruktur, das Angebot russischer und internationaler Küche und das Einkaufsparadies, was hier über Jahre gewachsen und gediehen ist und immer weiter gedeiht, können wir in Georgien auf absehbare Zeit bis auf Hinweisschilder in russischer Sprache nicht bieten.

Somit wird der erhoffte Touristenboom aus Russland wohl eher ein georgischer Traum bleiben.
Die Thais haben sich dem Gästekreis gut angepasst und sind oftmals kaum noch  in der Lage, Englisch zu verstehen oder zu sprechen. Russisch ist in. Da sind wird Beitrittsbundesbürger klar im Vorteil. Der Absolvent einer polytechnischen Oberschule ist meist noch fähig, wenigstens die Angebote und Speisekarten lesen zu können, die neuerdings immer mehr in Russisch als in Englisch vorzufinden sind.

Das ist das Produkt des Meisters. Alles Sand. Ohne ruhige Hand wird das gewiss nichts werden.

Überhaupt Touristen. Es werden immer mehr. Wer die Reeperbahn nachts um halb eins kennt, hat eine Vorstellung davon, was hier auf der Meile, der Walking Street die ganze Nacht abgeht. Man rennt sich gegenseitig um.

Und es ist Dauerstau. 20 Stunden am Tag. Mit den Songtaws (nochmal zur Erinnerung: Zweibanktaxi), die für 10 Baht meilenweit fahren, kann man für eine Meile mitunter auch eine Stunde unterwegs sein. Wenn man diese Transportmittel als Außenstehender sieht, traut man seinen Augen nicht. Eigentlich für schätzungsweise 10 Fahrgäste konzipiert, sitzen, stehen oder hängen manchmal über 20 davon an solch einem Teil. Besonders im hinteren Auftrittsbereich werden sich immer wieder neue Konstruktionen einfallen gelassen, um die Kapazität zu erhöhen.

Aus einer kleinen Stufe wurden inzwischen locker 6 bis 8 Plätze generiert. Und wider Erwarten hält alles der Belastung stand. Fünf von meiner Sorte sind ja schon mal locker eine halbe Tonne Zuladung und die Drehmomentwirkung erleichtert dem Fahrer das Lenken, weil die Vorderräder durch das Heben der Nase entlastet werden. Soweit ist es auch praktisch, weil man während der Fahrt einfach mit bisschen Schwung zusteigen kann. Wenn da aber irgendwann mal ein richtiger Bus von hinten auffährt, gibt es eine Menge Matsch auf der Plattform. Man wird im Sinne des Wortes platt gemacht.

Da bieten sich in der 20 – stündigen rush-hour die Moped-„Taxis“ als Alternative an. Die Jungen, die die Mopeds fahren, stehen in der Ortskenntnis den türkischen Taxifahrern nicht nach. Man ist gut dran, wenn man selber weiß, wo sein Ziel ist. Die Fahrt als solche erspart den Besuch auf dem Rummel, weil es den Nervenkitzel von Achter- und Geisterbahn gratis dazu gibt. Da werden die Spuren im beinahe 90 Grad Winkel gewechselt, sich zwischen zwei 4 Meter hohen Bussen mit 1cm Seitenabstand nach beiden Seiten durchgezwängt oder in, sofern überhaupt vorhanden, in Sicherheitsabstände brutal eingeschert. Die anderen machen es aber genau so, was das Gefährdungspotenzial natürlich drastisch erhöht. Aber egal, es ist einfach nur schnell und Unfälle habe ich noch nicht gesehen.

Thailand muss wohl einmal die Inspiration für die Mär vom Schlaraffenland gewesen sein. Das glauben dann auch die zahllosen Herren aus den Abendländern, die sich hier niedergelassen haben und fröhlich vor sich hin leben. Bei den geringen Lebenshaltungskosten ist das sogar noch mit der Grundrente zu finanzieren. Manche sind leider vom Glauben gefallen und stehen z.B. mit einer Kindertrommel vorm Bauch an der Beach Road und trommeln irgendwelchen sinnlosen Krach für ein paar Baht, die ihnen hingeworfen werden. Oft in der Hoffnung, dass damit die Trommelei ein Ende hat, wenn es für das nächste Bier reicht.

Das Spektrum reicht bei Deutschen vom getrennt lebenden Unternehmer mittleren Alters, der seine Geschäfte von jedem Ort mit Internetzugang erledigen kann, über Leute, die ihr Geld schon verdient haben und nicht auf das Renteneintrittsalter warten müssen oder denen das Klima ihre Knochenleiden und Rheuma vergessen lässt. Der Großteil sind aus meiner Sicht ältere Herren, je nach Standesdünkel Rentner oder Pensionäre, die des schlechten Wetters, überregulierten Lebens oder des Vorschriftenwahns in der Heimat überdrüssig sind. Es sind auch Männer, die nach Scheidung oder zum Witwer geworden, kaum Chancen haben, wieder Ersatz auf die Spielwiese zu kommen. Und dann gibt es noch die vielen Einzelentscheider aus individuellen Gründen. Bei den Ausländern weiß ich es nicht so genau. Die, mit denen ich gesprochen habe, waren jedoch gleichartig motiviert. Dann sieht man noch die alten und kranken Farangs, die hier ihr Altersheim gesucht und gefunden haben Zum Zwecke der Pflege bei den wirklich Pflegebedürftigen mag das ja sogar sehr angenehm sein. Es ist mit Sicherheit günstiger und effektiver als in Deutschland, wo Pflege des Kunden nach Stoppuhr und Leistungskatalog abgeht.
Hier wird heißt Pflege auch Hingabe.
Die Thais haben keine Pflegeversicherung. Die wird durch die Familie ersetzt, die noch den natürlichen Wegen folgt.
Diejenigen, die zwar alt sind aber nicht unbedingt Pflege brauchen, versuchen noch einmal in den Jungbrunnen zu springen. So lassen sie sich nicht daran hindern, sich mit 50 – 60 Jahre jüngeren Thaimädchen zu umgeben. Da gibt es schon recht bizarre und skurrile Konstellationen. Da heißt es für die Mädchen, die natürlich der Prostitution nachgehen: Augen zu und durch! Passieren wird wegen fortgeschrittener Senilität sowieso kaum etwas. Time is money.
Ich nehme an, die Mädchen sind solchen Kunden gegenüber nicht abgeneigt und werden doppelt verdienen. Wenn Opa abends eingeschläfert ist, geht das Urenkelchen noch mal auf die Strandpromenade.
Und dann gibt es noch die verkrachten oder / und verkommenen Existenzen, Paradiesvögel und Aussteiger und Flüchtigen, die aus finanziellen, juristischen, spirituellen, alkohol- oder drogenbedingten Gründen ihre Heimatländer nie wieder sehen werden.

Es wurde schon einmal von Tourismusindustrie geschrieben.
Gestern habe ich die touristische Kleinindustrie erlebt, nachdem ich am Strand saß, von weitem das Parasailing an einer draußen vor der Küste verankerten Plattform betrachtete und spontan beim Strandabschnittsbevollmächtigten, dem Herrscher über etwa 10 Meter Strand mit etwa 30 Liegestühlen und Sonnenschirmen, den Wunsch nach Teilnahme äußerte.

Das Stück Strand, an dem ich schon im letzten Jahr Dauergast war, bewirtschaftet er mit seiner Frau, zu der im Umlaufverfahren noch mindestens drei weitere Schwestern und ein Bruder von Seiten ihrer Seite gehören. 30 Baht kostet der Liegeplatz pro Tag. 75 Cent. Zusätzlich werden Getränke und Speisen verkauft. Getränke, einschließlich der Kokosnüsse, liegen wohltemperiert in Eistruhen. Bis auf den Papayasalat werden die Speisen von einem Lokal gegenüber beschafft. Die Preise sind 5-sternig. Das Essen kostet mindestens das Doppelte wie beim Original und ist aber immer noch günstig.
Aber anders ist das wohl alles nicht zu überleben.
Zur Aufbesserung des Familieneinkommens vermittelt oder verleiht der umtriebige Chef unter anderem auch das Parasailing. Also ein Powerboot zieht an einer langen Leine einen Fallschirm hinter sich her, an dem der Mensch aufhängt ist. Kaum hatte ich gefragt, war auch schon ein Long-Tail-Boot zur Stelle, was uns, es hatten sich noch drei inländische Gäste zugesellt, zur Plattform übersetzte.

Dummerweise legte eine Minute vor uns so eine Art Ausflugsdampfer an der Plattform an, der eine ganze Bootsladung Inder oder Pakistani absetzte, die das gleiche Vergnügen haben wollten.
So standen dann gleich etwa 30 Menschen in der Reihe und wären wir an Land gewesen, hätte ich verzichtet. Warten kann ich nicht.
Unerwartet und in kürzester Zeit war dank industrieller Technologie jedoch die Schlange abgebaut. Eine junge Frau kleidete die Fallschirmsegler in spé mit Schwimmweste und Schirmbefestigungsgurten ein, mehrere Boote drehten gleichzeitig die Runden und so alle 30 Sekunden wurde der nächste von einem bestens eingespielten Team in den Schirm ein- und nach der Punktlandung ausgeklinkt. Ein schönes Gefühl, so über das Meer zu schweben und nur paar 10 Meter höher ganz andere Luft um sich zu haben.
Alles läuft perfekt. Es kennt auch jeder jeden. An Land hatte ich noch nichts bezahlt und auch keinen „Schein“ mitbekommen. Der Bootführer wollte auch nichts. Wir kamen an und erhielten ein Ticket, das dann bei der Einkleidung abgegeben wurde.
Es wurde abgehoben und zurück ging es mit dem gleichen Boot. Dann habe ich bei meinem Strandmenschen bezahlt. 20 Dollar. Wer davon wie viel abbekommt, ist wohl ein unergründliches Abrechnungssystem, in dem natürlich nichts aufs Papier kommt und wenn, das Buch wahrscheinlich beim nächsten Sturm aus Versehen über Bord geht. Schade, keiner kann schwimmen. Es ist sicherlich nicht immer so viel Betrieb, aber ich glaube, manche Geschäfte hier sind schwieriger und nicht so einträglich.

Und die Zeit ist einfach weggerannt. Schon ist Donnerstag, der 21. Februar, und Freitagmorgen um halb sechs in der Frühe holen sie mich ab. Start um 11 Uhr in Bangkok, nach 11 Stunden Flug einen Abend und eine Nacht in Istanbul, um dann Samstagabend um fünf in Batumi zu landen. Umständlich zermürbend und zeitraubend, aber nicht zu ändern. Ich komme wieder einmal nicht umhin, über den Service von Turkish Airlines zu berichten, die auf wundersame Weise ja schon in Folge zu Europas bester Airline ausgezeichnet wurde. Ich kann nach etlichen Flügen seit zwei Jahren jedenfalls nichts besonderes feststellen. Schon gar nicht, was besser als z.B. bei KLM oder Lufthansa sein soll. Unpünktlichkeit, Streichen von Flügen, bei Umleitung auf einen anderen Flugplatz kann man dann zusehen wie man dorthin oder nach Hause kommt, fehlendes Gepäck, das in Georgien natürlich später nicht nach Hause gebracht wird, ständige Ausfälle im Internet kurz vor Buchungsende, das Kreditkartenproblem und das völlig überzogene Kontrollsystem bis man im Flieger sitzt. Keine Antwort auf Anfragen. Völlige Gleichgültigkeit. Andere Passagiere werden Ähnliches zu berichten wissen.

Vom wenig überzeugenden Einsatz der Sicherheitsmenschen beim Hinflug hatte ich ja schon geschrieben. Dank der Tatsache, dass der Rückflug nicht auf einem türkischen Airport begann, sind wir auf die Minute genau vom Gate geschoben worden. Ich habe bisher auf keinem meiner Flüge jemals eine der bereitgelegten Schlafdecken benutzt. Dieser Flug war die Ausnahme, ich nahm zwei davon. Irgendein Besatzungsmitglied hatte die Kühlung  auf die gängige Temperatur der amerikanischen Grey Hound – Busse eingestellt. Schweinekalt. Selbst unter den Decken erwachte ich immer wieder von den Kälteschocks und das Resultat war eine Landung mit leichtem Fieber.
Sicherlich ein wichtiger Punkt im Ranking zur Bestairline war das Verkleiden eines Stewards als Koch. Die sehen alle aus wie aus dem Ei gepellt und wenn sie wirklich kochen könnten, wären sie in einer TV-Kochshow bestens aufgehoben.
Ich hätte an deren Stelle Angst, so durch die Gänge zu laufen und die Tabletts mit den Speisen auszuteilen. Da gibt es bestimmt noch jede Menge naive Passagiere, die glauben, dass dieses matschige Zeugs an Bord soeben frisch für sie zubereite wurde, und dann nach Verzehr den armen „Koch“ mit ganz anderen Augen betrachten. Dabei ist er wirklich unschuldig.
Nach den 11 Stunden Kühltransport ging ich dann zum Hotelschalter, um eine Übernachtung zu bekommen. Nach eingehender Untersuchung meines Flugtickets durch den dort tätigen Schaltermenschen, erklärte dieser mir: Er kann mir keine freie Übernachtung geben, weil ja morgen früh auch eine Maschine ankommen würde. Nun hatte ich das Ticket im Airline Büro erworben und der morgige Flug war schon voll gewesen, so dass es gar keine andere Möglichkeit gab, zurückzukommen, wollte man montags wieder zur Arbeit erscheinen. Natürlich wäre ein Totalverzicht angeraten gewesen, dann wäre das alles nicht passiert und alle wären glücklich.
Meine Argumente, dass seine Argumente nur theoretischen Charakter hätten und das eigene Büro den Flug so in dieser Konstellation verkauft hatte und ich gar nicht morgen hätte fliegen können, prallten am Vorschriftenbollwerk ab. Beschweren nützt bei denen gar nichts. Auf eine Emailanfrage, wie man es denn mit der Kreditkartenzahlung zukünftig handhaben wolle, ist bis heute keine Antwort gekommen. Und der typische Schalterbeamte, kann natürlich für das marode Gesamtsystem auch nicht beschimpft werden. Die Bewältigung von Krisensituationen ist auf orientalische Weise geschult wurden: Unverbindliches Lächeln und leichtes Schulterzucken. Und dann kann man abtreten.
Vorbei an Vermittlungsschaltern, die dann Hotelbetten pro Nacht gerne ab 150 Euro aufrufen. Bisschen Transfer dazu für 50 Euro. Ich gehöre nicht unbedingt zu den Minderbemittelten, aber diesen grinsenden Wucherern das Geld in Rachen zu werfen, widerstrebt mir vom Innersten her. Richtung Metro und Straßenbahn, um dann in bekannter Gegend in der Altstadt in Hörweite zur Blauen Moschee in ein Hotel auf eigene Kosten einzuchecken. Zu einem Drittel des Preises.

Ordnungsgemäß stellte ich mir mein iPhone auf 8 Uhr Weckzeit ein, was es dann auch perfekt ausführte. Was ich nicht bedacht hatte, war bisher keinen elektronischen Kontakt zur Außenwelt gehabt zu haben, weil ich gleich um halb acht mit meinem Fieberleiden ins Bett gegangen bin. So warfen die fünf Stunden Zeitdifferenz zu Bangkok noch nicht automatisch umgestellt. Es kam mir alles irgendwo so ruhig vor und so ging ich mal zur Rezeption, um den armen Menschen dort auch um seinen verdienten Nachtschlaf zu bringen. Es war tatsächlich erst morgens um halb vier und ich reisefertig. Allerdings erst einmal wieder ins Bett. Ich hätte nie gedacht, dass mir das jemals passieren könnte.

Leider sitze ich einer Ecke der Welt, die bisher nur wenige Airlines für sich als Destination entdeckt haben.  Aber es gibt auch etwas Gutes zu vermelden: Wir landeten zu früh in Batumi und mein Koffer war mit an Bord.

Dort holten mich Kurt und meine Kollegen Davit und Gotcha, der den Zweitschlüssel für mein Auto hat, ab. Das Auto war wie immer von Gotcha auf Hochglanz gebracht worden. Netter Kollege. Meine Nachbarin und Beka haben sich auch über meine Wiederkehr gefreut. Marina war auch sehr nett und hat fast alles sauber gemacht und sogar den Teppich gewaschen. Hier ist das Waschen von Teppichen eine Vorliebe der Hausfrauen. Und das Beste, sie hat mir unter das Laken eine flächendeckende elektrische Heizdecke geschoben. Das ist ein Gefühl!
Spontan lud ich die Nachbarn und  per Telefonrundruf noch Bekannte zu um sieben ins „Shemoichede“, gleich neben meiner Wohnung, ein, und die erhaltene Aufmerksamkeit wurde sofort in eine kleine Supra konvertiert.

Thailand ist immer wieder schön, wenn man auch angesichts des Wetterwechsels und des 30 Grad Temperatursturzes möglicherweise in Depressionen verfallen könnte.

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